Aus Sorge vor möglichem Vulkanausbruch Einwohner verlassen Azoreninsel

Knapp 13.000 kleinere Erdbeben haben in den letzten Tagen São Jorge erschüttert. Zahlreiche Einwohner haben die Azoren-Insel deshalb bereits verlassen – dabei versuchen Experten und Politiker zu beruhigen.
Menschen kommen zum Fährterminal in Velas, um die Insel São Jorge auf den Azoren zu verlassen

Menschen kommen zum Fährterminal in Velas, um die Insel São Jorge auf den Azoren zu verlassen

Foto: PATRICIA DE MELO MOREIRA / AFP

Droht auf der São Jorge ein Vulkanausbruch? Nach Tausenden von kleineren Erdbeben auf der zu Portugal gehörenden Azoreninsel in den vergangenen Tagen wächst die Sorge. In nur sieben Tagen seien knapp 13.000 Erdstöße erfasst worden, teilte das seismisch-vulkanische Überwachungszentrum der Azoren (Civisa) mit. Das seien doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr.

Nennenswerte Schäden verursachten die Erdstöße bisher zwar nicht. Diese Schwarmbeben können aber ein Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch sein. Wegen dieser starken seismischen Aktivität hoben die Behörden den Vulkanalarm auf die zweithöchste Stufe 4 an.

Präsident Marcelo Rebelo de Sousa wolle am Sonntag São Jorge besuchen, »um ein deutliches Zeichen der Verbundenheit und Solidarität zu setzen«, erklärte Regionalpräsident José Manuel Bolieiro. Das Staatsoberhaupt sagte in Lissabon, er verfolge aufmerksam die Lage. Rebelo betonte aber auch, nach Experteneinschätzung gebe es derzeit »keinen Grund zur Beunruhigung«.

Etwa 1250 von knapp 8400 Einwohner haben die Insel bereits verlassen

Mehrere Experten erklärten, man habe noch zu wenige Informationen, um einigermaßen konkrete Aussagen machen zu können. Der Geologe Ricardo Ramalho sagte der Zeitung »Público«, ein größerer Vulkanausbruch wie etwa jener auf der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Palma, der im vorigen Jahr von September bis Dezember anhielt, sei zwar nicht auszuschließen, »aber viele dieser seismischen Krisen führen glücklicherweise nicht zu Vulkanausbrüchen.«

Trotz aller Beruhigungsversuche verließen in den vergangenen Tagen nach Behördenangaben insgesamt etwa 1250 der knapp 8400 Einwohner São Jorges die Insel, die rund 1500 Kilometer westlich vom portugiesischen Festland liegt.

Das Auswärtige Amt in Berlin gab eine Warnung heraus und riet von nicht notwendigen Reisen ab. São Jorge wird allerdings von relativ wenigen Touristen besucht.

tfb/dpa