Unwetter über Sardinien Obdach für Sturmopfer in Flavio Briatores Feriendorf

Sturmtief "Cleopatra" hat Sardinien schwer getroffen, viele Bewohner der italienischen Insel haben ihr Zuhause verloren. Der frühere Formel-1-Manager Flavio Briatore stellt Wohnungen in seiner Luxus-Ferienanlage zur Verfügung. Doch womöglich steckt hinter der Aktion nicht nur reine Nächstenliebe.

ROPI

Rom - Nach den verheerenden Überschwemmungen auf Sardinien gehen die Rettungs- und Aufräumarbeiten weiter, Hunderte Helfer sind im Einsatz. Sintflutartige Regenfälle hatten die Insel ins Chaos gestürzt, zahlreiche Häuser wurden verwüstet. Die Zahl derer, die keine Wohnung mehr haben, schwankt: Das Rote Kreuz sprach von 2300 Betroffenen, der Katastrophenschutz von gut 1700.

Ex-Formel-1-Manager und Unternehmer Flavio Briatore stellte darauf in seinem Feriendorf "Billionaire" 14 Wohnungen zur Verfügung. Der 63-Jährige betreibt an der Costa Smeralda zudem eine exklusive Discothek, die ebenfalls den Namen "Billionaire" trägt.

Der Anblick eines zerstörten Geschäfts in Arzachena stimmte Briatore traurig: "Mir kommen die Tränen, ein Leben zerstört in zwei Stunden", twitterte er und postete ein Foto des verwüsteten Ladens. 20 Millionen Euro Unterstützung von Seiten des Staates seien zu wenig angesichts einer solchen Katastrophe, bemängelte er. "Ich sehe viele Tweets der Solidarität und des Mitgefühls, das reicht nicht, lasst uns konkrete Dinge tun auf Basis dessen, was uns möglich ist. Olbia ist zerstört!"

"Fast niemand gibt einen Euro"

"Viel Zuneigung von Seiten der 'Sommer-Sarden' - aber fast niemand gibt einen Euro", kritisierte die linke Tageszeitung "L'Unità". Zwar hätten viele VIPs, die kostspielige Ferienhäuser an der Costa Smeralda unterhalten, den Opfern über die sozialen Netzwerke ihre Solidarität versichert - wenn es ums Geld gehe, gäben sich aber viele bedeckt.

Nach ersten Schätzungen könnten allein die Reparaturen an den Straßen durch die nationale Betriebsgesellschaft Anas bis zu 150 Millionen Euro kosten, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Mittwochabend berichtete.

Viele haben alles verloren. Nicht nur private Wohnungen, sondern auch Unternehmen und die Landwirtschaft sind massiv betroffen. Felder wurden überschwemmt, Olivenhaine zerstört, Kühe und Schafe starben in den Fluten. "Die Situation auf dem Land ist dramatisch", teilte der Landwirtschaftsverband Coldiretti mit.

Für Briatore ist die wohltätige Aktion auch ein willkommener Anlass, ein wenig von den Problemen des Alltags abzulenken. Derzeit wird gegen ihn und vier weitere Personen in Genua wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Der Vorwurf: Für die Luxus-Yacht "Force Blue", die Briatore einst für mehr als 81 Millionen Euro kaufte und später für 250.000 Dollar pro Woche vermietete, sollen keine Steuern entrichtet worden sein. Das Schiff gehört offiziell der "Autumn Sailing Limited" - bei der es sich den Ermittlern zufolge um eine Scheinfirma handelt.

Briatores Haltung zu den Vorwürfen ist eindeutig: "Ich habe niemals auch nur einen Euro hinterzogen", sagt er laut "Il Secolo XIX". In Kürze soll entschieden werden, ob Anklage erhoben wird.

wit/ala/dpa



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