Sarkozy-Rap King bling-bling

Spot mit Spott: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy als hyperaktiver, Hüften schwingender Edel-Rapper - ein bissiger Animationsclip auf Monsieur Le Président macht Furore im Internet.

Von , Paris


Paris - Der kleine zappelige Gnom mit der großen Sonnenbrille, der fetten Zigarre und der glitzernden Rolex am Handgelenk kommt als anonyme Comic-Figur daher - und doch ist vom ersten Bild des Animationsclips an klar, dass es sich hier nur um Frankreichs Präsidenten handeln kann.

Die hibbelige Körpersprache, das markige Organ, die gehetzte Diktion und die Ausfälle ins Vulgäre - hier kommt "Sarko Superstar", ein ironisches Spiegelbild des echten rastlosen Präsidenten: "Le Clip qui déchire" (etwa: "Der Clip, der fetzt").

Im abgehackten Stakkato erzählt er seine Botschaft - vor allem ein Eigenlob auf das überdimensionierte Ego. "Während des Urlaubs hab’ ich nachgedacht, ich bin die Ansprachen von Väterchens Zeiten satt", beginnt der fast vierminütige Animationsstreifen, "ich brauche was Neues …"

Hier ertönt die rauchige Stimme von Präsidentengattin Carla Bruni: "Du brauchst einen neuen Clip", raunt die erste Pop-Sängerin der Republik, verdeckt hinter einem Liegestuhl.

Und dann kommt er, der fetzige Clip, der den Präsidenten als Freund dicker Autos und schöner Frauen zeigt, als wirbelnden Derwisch unter halbnackten Mannequins, als Hip-Hopper mit Vorliebe für Glitzerkram, Sarko "bling-bling" eben, ein überdrehter Wirbelwind: Frankreichs Präsident ein Elvis des Élysée.

Erdacht, entworfen und produziert hat das 3D-Werk die junge Pariser Medienwerkstatt "Mixus": Das Studio, Spezialist für TV-Werbung, PR-Aktionen, Sound-Design und Event-Management, will mit dem technisch anspruchsvollen Film vor allem seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Sylvain Delmé, Chef des Projekts, setzte gleich sieben Mann der Firma für die Realisierung ein, die vier Monate an der Geschichte und ihrer animierten Umsetzung werkelten - 3D-Entwürfe, Farb- und Schattendesign, passende Musik.

"Im Internet kursiert eine Menge ziemlich schlechter Filme, Clips oder kruder Sarkozy-Parodien", sagt Fréderic Menetrier vom Mixus-Hauptquartier in Paris über den Grund für die Produktion. "Wir wollten mit unserem Produkt nicht nur witzig sein, sondern auch richtig gut, kein Amateurstück, sondern Profiarbeit. Wir wollten Aufregung, Reaktionen, Buzz."

Das haben sie bekommen. Schon am ersten Wochenende wurde das Sarkozy-Stück beim Internet-Portal "Daily Motion" mehr als 100.000 Mal aufgerufen, seither hat die Zahl der Klicks noch mal um 50 Prozent zugelegt. Dass die Mixus-Leute durch ihren gezeichneten Spott bei der Regierung womöglich in Verruf geraten könnten, stört die Kreativen nicht. "Ein gewisses Risiko besteht schon", sagt Menetrier, "aber es handelt sich um lustige Satire - politische Kritik stand für uns nicht im Vordergrund."

Eine Beschwerde aus dem Élysée ist bislang ausgeblieben - anders als im Fall einer Vodoo-Puppe mit dem Konterfei des Präsidenten, die inklusive Nadeln im Internet angeboten wurde und gegen dessen Vertrieb Sarkozy juristisch zu Felde zieht.

Das animierte Spiegelbild des Präsidenten jedenfalls rappt weiter. Vielleicht hat Sarkozy auch einfach Humor.



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