SARS-Ausbreitung Das Problem der Super-Streuer

Menschliche Virenschleudern unterstützen nach Ansicht des WHO-Experten Wolfgang Preiser die schnelle Ausbreitung der Lungenkrankheit SARS. Die Erforschung dieser "Superspreader" (Super-Streuer) sei sehr wichtig für den Kampf gegen die Seuche.


Super-Streuer beschleunigen die Verbreitung des Corona-Virus, das für SARS verantwortlich sein soll
CDC

Super-Streuer beschleunigen die Verbreitung des Corona-Virus, das für SARS verantwortlich sein soll

Wiesbaden - "Superspreader könnten aus nicht bekannter Ursache eine Fülle von Kontakt-Infektionen auslösen", sagte der gerade aus China zurückgekehrte SARS-Experte der WHO, Wolfgang Preiser, am Dienstag bei einem Internisten-Kongress in Wiesbaden.

Ein Beispiel sei der Fall eines Arztes aus Guangdong, der in Hongkong mehr als 100 Menschen infiziert hat. Über die von ihm angesteckten Patienten habe sich die Krankheit später über die halbe Welt verbreitet. Die Experten wollen nun untersuchen, wie es zu solchen menschlichen Virenschleudern kommt. "Wir müssen verstehen, was sie von anderen unterscheidet", so Preiser. Nach offiziellen Angaben sind weltweit mehr als 5300 SARS-Fälle bekannt, 28 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland mit sieben Fällen. 354 Patienten starben am Schweren Akuten Atemwegssyndrom.

Bereits Mitte März hat es nach Angaben des Leiters der Frankfurter Isolierstation, Hans-Reinhard Brodt, eine erste SARS-Ansteckung in einem Flugzeug gegeben. Brodt berichtete, dass der am 15. März in Frankfurt gelandete SARS-Patient aus Singapur im Flugzeug eine Stewardess angesteckt hat. Die Frau habe dem gesondert sitzenden Mann nur ein Tablett gereicht, sagte Brodt. "Meines Wissens nach ist das der erste Nachweis einer Infektion im Flugzeug."

Das SARS-auslösende Corona-Virus ist nach Angaben des Frankfurter Virologen Hans Wilhelm Doerr noch bis zu 25 Tage nach der Genesung im Stuhlgang nachzuweisen. "SARS wird also nicht nur durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, es gibt auch eine Schmierinfektion." Laborbefunde deuteten aber darauf hin, dass Patienten dann am stärksten ansteckend seien, wenn sie die typischen Symptome zeigten.



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