SARS Experte warnt vor Komplettverseuchung Hongkongs

Es ist ein Horrorszenario: Binnen zwei Jahren, warnte der Mikrobiologe Samson Wong, könnte praktisch jeder der sieben Millionen Hongkonger mit der gefährlichen Lungenkrankheit SARS infiziert sein. Als möglichen Überträger der Seuche haben Forscher inzwischen Kakerlaken ausgemacht.




Infizierte in einer Klinik in der chinesischen Provinz Kanton: Experten haben auch Kakerlaken als Überträger der Krankheit im Verdacht
REUTERS

Infizierte in einer Klinik in der chinesischen Provinz Kanton: Experten haben auch Kakerlaken als Überträger der Krankheit im Verdacht

Hongkong - Wong zufolge könnten sich binnen kurzer Zeit schon 80 Prozent der Bevölkerung in der relativ abgeschotteten ehemaligen britischen Kronkolonie angesteckt haben. Auch die örtliche Gesundheitsbehörde schloss diese Möglichkeit nicht aus.

Die Amtsärztin Tse Lai Yin verwies darauf, dass man noch nicht wisse, wie lange das Virus im Körper eines Infizierten verweile. Es könne dort durchaus drei oder sechs Monate aktiv sein, deshalb gehe eine potenziell große Gefahr von unwissentlichen Trägern aus.

"Es sieht nach einem unendlich langen Kampf aus", kommentierte Gavin Joynt vom Hongkonger Prince of Wales Hospital. die Bemühungen der Ärzte, die mysteriöse Lungenkrankheit unter Kontrolle zu bekommen. Mit den jüngsten Todesfällen erhöhte sich die Zahl der SARS-Opfer in Hongkong auf 25, fast 1000 Menschen sind dort an der Lungenseuche erkrankt. Für den Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO, Ian Simpson, zeichnete sich dagegen in Hongkong aber eine leichte Entspannung ab. "Der Ausbruch scheint unter Kontrolle zu kommen."

Kakerlake: "Das Abwassernetz kann ein Grund sein"
DPA

Kakerlake: "Das Abwassernetz kann ein Grund sein"

Unterdessen rätseln die Experten, wie sich die Seuche in dem dicht besiedelten Stadtteil Kowloon so schnell hat ausbreiten können. Menschliche Kontakte als alleiniger Grund seien nicht palusibel. Der stellvertretende Direktor der Hongkonger Gesundheitsbehörde, Leung Pak Yin, tippt auf Schaben: "Das Abwassernetz kann ein Grund sein. Es ist möglich, dass die Kakerlaken das Virus in die Häuser getragen haben."

In dem Wohnblock der Anlage Amoy Gardens hatten sich mehr als 250 Menschen mit SARS angesteckt. Die Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen und wurden unter Quarantäne gestellt.

Die Geschwindigkeit der Ausbreitung hat selbst Experten überrascht. Weltweit starben bislang 103 Menschen an dem Schweren Atemwegssyndrom, rund 2800 Personen haben sich infiziert. Die meisten Fälle gibt es in Zentralchina, Hongkong und Singapur - dort ist mittlerweile in fünf der sechs größten öffentlichen Krankenhäuser auch das Personal von SARS angesteckt.

Aus Aachen, der Schweiz und Indien wurden am Dienstag neue Verdachtsfälle gemeldet. Die Patienten stehen unter Beobachtung.

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