Sars WHO schickt Experten nach Nordchina

Ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) soll in der nordchinesischen Provinz Hebei gegen eine weitere Ausbreitung der Lungenkrankheit Sars kämpfen. In Hebei stieg die Zahl der Infektionen in den letzten Tagen besonders drastisch an.

Peking - Allein am Dienstag seien in der dicht besiedelten Region 113 neue Fälle der Lungenkrankheit aufgetreten, teilte die WHO mit. Hebei grenzt an Peking, das in China mit rund 2000 Sars-Patienten am schwersten von der Seuche betroffen ist.

Die Zahl der Sars-Verdachtsfälle in Hebei habe sich zwischen dem 30. April und dem 4. Mai auf 98 verdoppelt, erklärte die WHO. Das Expertenteam unter Leitung von Alan Schnur solle dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden. Weltweit starben daran bislang 480 Menschen, davon 107 allein in Peking, und mehr als 6700 weitere erkrankten.

Der Leiter der russischen Gesundheitsbehörde, Gennadi Onischtschenko, sprach sich für Reisebeschränkungen an der russisch-chinesischen Grenze aus. Um ein Übergreifen von Sars auf Russland zu vermeiden, sollten nur chinesische Staatsbürger aus- und nur russische einreisen dürfen, schlug er in einem Rundfunkinterview vor. Erwogen werde auch eine vollständige Schließung der Grenze. In Russland wurde von mehr als 20 Sars-Verdachtsfällen bislang noch keiner bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete.

Studie: Todesrate höher als bisher angenommen

Einer neuen Studie zufolge stirbt in Hongkong fast jeder fünfte ins Krankenhaus eingelieferte Sars-Patient an der Lungenkrankheit. Unter den Kranken im Alter von über 60 Jahren liege die Todesrate sogar bei bis zu 55 Prozent, hieß es in der ersten umfassenden Sars-Studie, die gestern in der britischen Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurde. "Auch wenn diese Studie zeigt, dass die Todesrate von Sars höher ist als zuvor vermutet, wissen wir jetzt, dass öffentliche Gesundheitsmaßnahmen die Ausbreitung der Seuche erfolgreich einschränken können", sagte die Forscherin Christl Donnelly vom Imperial College in London.

Das Durchschnittsalter der in Hongkong mit Sars in Kliniken gebrachten Patienten beträgt 50 Jahre, wie es in der Untersuchung unter Leitung des Londoner Virus-Experten Roy Anderson hieß. Bislang fielen der Krankheit in der chinesischen Sonderverwaltungszone fast 200 Menschen zum Opfer. Weltweit starben 480 Patienten an der Lungenseuche, mehr als 6600 erkrankten daran. Bisherige Schätzungen unter anderem der WHO gingen je nach Ort von einer Todesrate zwischen sechs und 15 Prozent aus.

Die Untersuchungen basieren auf Daten, die in den ersten neun Wochen des Sars-Ausbruchs in Hongkong gesammelt wurden. Demnach beträgt die Inkubationszeit - die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Symptome - im Durchschnitt sechs Tage. Bislang gingen Wissenschaftler bei Sars von einer Todesrate von sechs bis zehn Prozent aus. Donnelly sagte, es sei normal, dass bei dem Ausbruch einer Seuche die Todesrate zunächst zu niedrig berechnet werde. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass Sars im Laufe der Zeit letaler geworden sei.

Verschärfte Gesundheitskontrollen bei "Miss-Universe"-Wahl

Wegen der Lungenseuche gelten bei der diesjährigen Wahl zur "Miss Universe" verschärfte Gesundheitsvorschriften. Vor allem die Teilnehmerinnen aus den am schwersten betroffenen Ländern müssen detaillierte ärztliche Gutachten über ihren Gesundheitszustand vorlegen, wie die Veranstalter des Schönheitswettbewerbs gestern in Panama mitteilten.

Die Kontrollen seien wichtig, um ein Übergreifen von Sars auf das mittelamerikanische Land zu verhindern, sagte der Bürgermeister der Hauptstadt Panama, Juan Carlos Navarro, auf einer Pressekonferenz. Die Teilnehmerinnen müssten mindestens zwei Tage vor ihrer Einreise Gesundheitsbelege in englischer und spanischer Sprache einreichen. Die Bewerberinnen aus China, Hongkong, Taiwan, Kanada und anderen stark betroffenen Staaten müssten darüber hinaus gesondert nachweisen, dass sie nicht mit Sars infiziert seien, sagte Navarro. Zu der Wahl der "Miss Universe" am 3. Juni werden 74 Schönheitsköniginnen aus aller Welt in Panama erwartet.

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