Gescheiterte Flucht Junge Frau aus Saudi-Arabien spurlos verschwunden

Um einer Zwangsheirat zu entgehen, soll eine 24-Jährige aus Saudi-Arabien geflohen sein. Auf den Philippinen verliert sich ihre Spur. Wurde die Frau zurückgeschickt - womöglich in den Tod?


Das Schicksal einer jungen Frau aus Saudi-Arabien sorgt bei Menschenrechtlern für große Sorge: Die 24-jährige Dina Ali Laslum habe versucht, vor einer Zwangsheirat nach Australien zu fliehen, sei aber beim Umsteigen auf den Philippinen aufgehalten und gegen ihren Willen zurück in ihre Heimat gebracht worden, teilt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit.

Eine Augenzeugin aus Kanada sagte HRW, Laslum habe sie auf dem Flughafen von Manila angesprochen und gesagt, Mitarbeiter des Airports hätten ihren Pass und ihre Bordkarte für einen Flug nach Sydney beschlagnahmt. Die Kanadierin half der jungen Frau laut HRW, Videos für soziale Netzwerke über ihr Schicksal aufzunehmen. In einem sagte sie demnach: "Wenn meine Familie kommt, werden sie mich töten."

Auf Twitter nehmen Menschen unter dem Hashtag #SaveDinaAli und #IamDinaAli Anteil am Schicksal der 24-Jährigen.

Arrangierte Ehen sind in Saudi-Arabien die Regel. Ein sogenanntes Vormundschaftssystem sieht vor, dass ein männliches Familienmitglied - normalerweise der Vater, Ehemann oder Bruder - einer Frau das Studium, das Reisen oder andere Aktivitäten erlaubt oder verwehrt.

"Laslums Aufenthaltsort ist momentan unbekannt", teilte HRW in Manila mit. Die kanadische Augenzeugin, die mehrere Stunden mit Laslum am Flughafen verbracht haben soll, berichtete demnach, dass zwei von Laslums Onkeln eingetroffen seien.

Bei ihrer Familie droht ihr "ernsthafter Schaden"

Ein Flughafenmitarbeiter sagte HRW, er habe die junge Frau bei dem Vorfall am Dienstag "schreien und um Hilfe rufen hören", bevor Sicherheitskräfte und Männer, die offenbar aus dem Nahen Osten stammten, sie "mit Klebeband über dem Mund, um die Füße und Hände" über den Flughafen getragen hätten.

Die philippinische Einwanderungsbehörde sagte auf Anfrage, es seien keine Staatsangehörigen aus Saudi-Arabien in den Philippinen registriert. Eine Sprecherin sagte, wenn Laslum nur umsteigen wollte, wäre sie nicht registriert worden. Es sei Sache der Fluggesellschaft zu entscheiden, was mit ihr passiert. Zum Zeitpunkt des Vorfalls hielt sich der philippinische Machthaber Rodrigo Duterte in Saudi-Arabien auf.

Ein Aktivist aus Saudi-Arabien sagte, Laslum habe zuvor in Kuwait gelebt und sei gewaltsam in die Saudi-arabische Hauptstadt Riad gebracht worden. Sie befände sich nun in Gewahrsam. Eine Medizinstudentin, die Laslum am Flughafen in Riad habe unterstützen wollen, sei festgenommen worden. Es sei zu befürchten, dass beide Frauen "über lange Zeit" festgehalten werden könnten.

Die saudi-arabische Botschaft auf den Philippinen schrieb auf Twitter, die Informationen in den sozialen Netzwerken seien "unwahr". Es handle sich um eine Familienangelegenheit. Laslum sei "zurück zu ihrer Familie gebracht" worden. HRW forderte Saudi-Arabien auf, offenzulegen, ob Laslum bei ihrer Familie sei oder unter staatlichem Schutz stehe. Bei ihrer Familie drohe ihr "ernsthafter Schaden".

bam/AFP



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