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SACHBUCH Schätze aus der Schwatzkultur

aus DER SPIEGEL 39/2001

Die Talkshows dürften ihren Teil dazu beigetragen haben: Das Zuhören ist aus der Mode gekommen. Heute gewinnt man durch Reden Zeit - und verliert sie beim Zuhören. Wer die kostbar gewordene Redezeit füllen will, muss sich allerdings wirksamer kommunikativer Strategien bedienen. Die beliebtesten oder zumindest meistgenutzten hat der Sprachwissenschaftler Roland Kaehlbrandt in einem »Lexikon der unvermeidlichen Mitmenschen« versammelt. In knappen Analysen beschreibt Kaehlbrandt 100 Prototypen der »neuen deutschen Schwatzkultur": harmlose Ausstellungsredner, bigotte Danksager, gewiefte Gremienkünstler, sich selbst inszenierende Gurus oder schwarz malende Dramatiker. Sie alle bedienen sich einer Methode, gehen auch dann strikt nach Plan vor, wenn sie spontan wirken wollen. Denn nirgendwo, lehrt dieses Bestiarium, wird so wenig dem Zufall überlassen wie im Reich des allgemeinen Palavers.

Roland Kaehlbrandt: »Buntes deutsches Bestiarium. Lexikon derunvermeidlichen Mitmenschen«. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart;160 Seiten; 36 Mark.

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