Zwischenfall über Ägypten Britischer Touristenjet musste Rakete ausweichen

Im August ist es über Ägypten zu einem schweren Zwischenfall gekommen: Ein britisches Flugzeug wurde beinahe von einer Rakete getroffen. Die Regierung in London geht davon aus, dass es sich um ein Versehen der ägyptischen Streitkräfte handelte.

Thomson-Flugzeuge: Ausweichmanöver über Ägypten
AFP

Thomson-Flugzeuge: Ausweichmanöver über Ägypten


Beim Landeanflug auf den ägyptischen Ferienort Scharm al-Scheich ist ein Flugzeug der britischen Fluggesellschaft Thomson Airways nur knapp von einer Rakete verfehlt worden. Das geht aus einem Bericht des "Guardian" hervor. Der Vorfall hat sich bereits im August ereignet.

Dem Bericht zufolge haben die Piloten ein Ausweichmanöver eingeleitet, als sie die Rakete in ihrer Flugbahn sichteten. Das Geschoss sei schließlich rund 300 Meter an dem Jet vorbeigeflogen. Die 189 Passagiere an Bord wurden über den Vorfall nicht informiert.

Das britische Verkehrsministerium hat den Vorfall bestätigt. Untersuchungen hätten aber ergeben, dass es sich "nicht um einen gezielten Angriff" gehandelt habe". Stattdessen vermute man, das Geschoss sei im Rahmen einer Übung des ägyptischen Militärs abgefeuert worden.

Neue Thesen zur Bombentheorie

Ein Zusammenhang mit dem Absturz des russischen Airbus auf dem Sinai, bei dem vor einer Woche 224 Menschen ums Leben kamen, sei nicht gegeben. Bei der Untersuchung dieses Unglücks nähren sich einem Bericht des französischen TV-Senders France 2 zufolge nun Hinweise, das Flugzeug sei durch eine Bombe zerstört worden.

Während des Flugs sei klar ein Explosionsgeräusch zu hören gewesen, berichtete der Fernsehsender am Freitag unter Verweis auf einen Ermittler. Dieser habe erklärt, die Explosion könne nicht die Folge einer Triebwerkspanne gewesen sein.

Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf eine anonyme Quelle, der Flugdatenrekorder bestätige einen plötzlichen Absturz: "Alles ist normal, völlig normal während des Flugs, und dann plötzlich nichts mehr." Zudem wirke es auf Fotos der Trümmerteile so, als seien diese von innen getroffen worden, was eher für die These einer Bombe spreche.

In beiden Fällen wurden die Quellen der Informationen nicht näher genannt. Die britische Regierung hält es für wahrscheinlich, dass Terroristen eine Bombe an Bord des Fliegers geschmuggelt haben. Ägypten und Russland mahnten dagegen zu Geduld und warnten vor voreiligen Schlüssen.

In halbvollen Maschinen nach Moskau

Russland hat Flüge nach Ägypten unterdessen komplett eingestellt, weshalb die im Land verbliebenen Urlauber derzeit kaum eine Möglichkeit haben auszureisen. Offiziellen Angaben zufolge befinden sich derzeit noch 79.000 Russen in dem nordafrikanischen Land. Die meisten davon halten sich in den Urlaubsorten Hurghada und Scharm al-Scheich auf.

Mehrere Airlines schickten für den Rücktransport dieser Menschen leere Maschinen nach Ägypten, die nun aber offenbar nur halbvoll zurückfliegen. So hat beispielsweise eine Aeroflot-Maschine den Flughafen von Kairo am Samstagmorgen mit nur 86 Passagieren an Bord in Richtung Moskau verlassen. Eigentlich seien 199 Menschen auf die Maschine gebucht gewesen, sagte ein Flughafensprecher.

Heimflug nur ohne Gepäck

Die übrigen Reisenden hätten sich geweigert einzusteigen, erklärte der Sprecher weiter. Der Grund hierfür sei gewesen, dass die Reisenden aufgrund der verschärften Sicherheitsmaßnahmen ausschließlich Handgepäck mitnehmen dürfen.

"Die Touristen aus Russland werden ohne Koffer nach Hause gebracht", sagte der Chef der Tourismusbehörde, Oleg Safonow, am Samstag in Moskau. Um das in Ägypten zurückgebliebene Gepäck soll sich der russische Zivilschutz kümmern. Die Behörde teilte der Agentur Tass zufolge mit, sie schicke Transportflugzeuge in die Ferienorte, um das Gepäck abzuholen.

In der Region sitzen auch bis zu 20.000 Briten fest. Eine groß angelegte Rückholaktion der britischen Regierung lief nur schleppend an. Offiziellen Angaben zufolge durften zunächst nur acht von 29 geplanten Sonderflügen starten. Die ägyptischen Behörden machen dafür die nicht ausreichende Flughafenkapazität und striktere Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich.

mak/dpa



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ponyrage 07.11.2015
1. Leider irreführend
Das Flugzeug wurde von der Rakete nicht "verfehlt", es war nämlich nie Ziel der Rakete. Andernfalls hätte eine normale Passagiermaschine mit Sicherheit nicht "ausweichen" können. Es spricht auch viel dafür, dass die Korrektur, die der Pilot vorgenommen hat, nur eine Vorsichtsmaßnahme war - so wie man als Jogger einen Bogen um einen Hund machen würde, dem man nicht traut. Ich bezweifele, dass da jemals ein Kollisionskurs gegeben war, dafür ist im Luftraum einfach zu viel Platz.
iffelsine 07.11.2015
2. Wer glaubt das denn ?
Eine militärische Übung mit hoch fliegenden Raketen am Touristenflughafen ? Ägypten will unbedingt die Touristen erhalten, da kann ja kaum mit Raketen in deren Nähe geübt worden sein...
hanfiey 07.11.2015
3. komische Übung
In der Nähe von Flughäfen mit Boden-Luft Raketen zu üben ist ein wenig tolpatschig.
Freidenker10 07.11.2015
4. Unbegreiflich
Mir ist es immer noch unbegreiflich, warum Airlines völlig selbstverständlich über Kriegsgebiete fliegen? Sei es die Ukraine oder auch Ägypten, erst nach einem Crash/Abschuss werden die Flugrouten geändert, wie kann das sein? Kann man sich verbindlich als Fluggast über die Flugrouten informieren?
sfk15021958 07.11.2015
5. So macht man eine Tourisbranche platt!
Die ehemalige Laxheit und nun übertriebene Rigidität ist dem Tourismus nicht förderlich! Die zuvorkommenheit und Freundlichkeit der überwiegenden Zahl der Menschen ist unbeschreiblich, die Korruptheit weniger und die Bakschischmentalität ermöglicht Vieles, was bei uns uindenkbar wäre. Eigene Erfahrungen bei der Gepäckkontrolle sind positiv, kleinste Gegenstände, die als potentielle Waffen dienen könnten, werden herausgefischt - aber leider gibt es auch dort Schlafmützen?
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