Schiffsunglück Salpetersäure vergiftet den Rhein

Ein niederländisches Frachtschiff, beladen mit 1800 Tonnen Salpetersäure, ist bei Krefeld in Brand geraten und auf Grund gelaufen. Wegen austretender Säure wurden internationaler Rheinalarm ausgelöst und die Trinkwassergewinnung stromabwärts gestoppt.


Bekämpfung der Giftwolke in Krefeld
AP

Bekämpfung der Giftwolke in Krefeld

Krefeld - Nach Angaben des Bayer-Konzerns und der Feuerwehr hat ein undichtes Rohr den Chemie-Störfall ausgelöst. Das Leck sei beim Entladen der 1800 Tonnen Säure bemerkt worden. Im Kajütenbereich des Schiffes entfachte die Säure dann ein Feuer. Der Frachter drohte zu sinken. Teile des Bayer-Werks wurden evakuiert, eine Giftwolke zog über Duisburg.

100 Feuerwehrleute und mehrere Löschboote konnten den Brand am Nachmittag löschen und den Gasaustritt stoppen. Einsatzkräfte gelangten an Bord des Havaristen und bereiteten das Umpumpen der Säure vor. Die Bergung der "Stolt Rotterdam" könne noch mehrere Tage dauern, sagte ein Bayer-Sprecher. Das Schiff sei erst vor kurzem überholt und in gutem Zustand gewesen. Die Salpetersäure war zur Kunststoffproduktion bei Bayer bestimmt.

Die Schifffahrt auf dem Rhein bei Krefeld war stundenlang unterbrochen. Die stromabwärts der Unglücksstelle gelegenen Pumpen zur Wassergewinnung aus dem Fluss wurden gestoppt. Nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Duisburg durchfraß die Säure sogar das Schiffsdeck. Die Ausbreitung der rot-gelben Gaswolke bekämpften Feuerwehr und Werkschutz mit Löschwasser.

Dennoch zog eine Giftwolke über das benachbarte Duisburg. Das Landesumweltamt habe aber keine kritischen Werte gemessen, sagte ein Sprecher der Stadt. Die Anwohner wurden dennoch aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Einatmen der Dämpfe kann zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lunge führen.

Salpetersäure ist eine farblose, stechend riechende Flüssigkeit. Die an feuchter Luft rauchende Säure ist stark ätzend und fördert Brände; beim Kontakt mit Haut, Augen und Schleimhäuten verursacht die Chemikalie schlecht heilende Wunden. Sie färbt die Haut dauerhaft gelb. Salpetersäure wird für die Herstellung zahlreicher Produkte benötigt, darunter Düngemittel, Lacke und bestimmte Medikamente.



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