Schiffsunglück Schweigeminuten und tausendfache Trauer

Tausende Menschen haben in der französischen Hafenstadt Saint-Nazaire der 15 Toten gedacht, die beim Zusammenbruch einer Landungsbrücke auf dem Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" verunglückt waren. In Schulen und Betrieben wurde eine Schweigeminute abgehalten.


Trauernder, Luxusliner "Queen Mary 2": Schweigeminuten in der ganzen Stadt
AP

Trauernder, Luxusliner "Queen Mary 2": Schweigeminuten in der ganzen Stadt

Saint-Nazaire - Schiffssirenen tuteten minutenlang, Kirchenglocken erklangen - und auf der "Queen Mary 2" ruhte die Arbeit: Die Menschen in Saint-Nazaire standen auch zwei Tage nach dem Unglück noch unter Schock. 50 Menschen waren am Samstag 25 Meter tief gestürzt, als eine Brücke zum Luxusliner zusammenbrach. 15 von ihnen starben noch an der Unglücksstelle, 32 wurden zum Teil schwer verletzt, sechs Opfer schweben immer noch in Lebensgefahr. Die meisten der Opfer sind Freunde und Angehörige der Werftarbeiter, die das Luxus-Kreuzfahrtschiff besuchen wollten.

Auch in den Schulen und Betrieben legten Tausende Bewohner der Hafenstadt eine Gedenkminute für die Opfer ein. Die 10.000 Arbeiter, die das weltgrößte Passagierschiff noch vor Weihnachten fertig stellen müssen, stellten zum Zeichen der Trauer für heute die Arbeiten ein, die Werftanlage blieb geschlossen.

Was den 10 Meter langen und nur 1,50 Meter breiten Metall-Steg kollabieren ließ, ist noch immer unklar. Die französische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Nach ersten Zeugenaussagen knickte die Brücke in der Mitte ein. Der Steg war erst am Freitag an dem Schiff angebracht worden und nicht speziell für Besucher gedacht gewesen. Ein Zeuge will laut einem französischem Fernsehbericht gesehen haben, dass die Gangway nicht korrekt angelegt war. Bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dürfte die Frage im Vordergrund stehen, ob die Brücke gegebenenfalls überlastet war.

Die Reederei Cunard, die die 800 Millionen Dollar teure "Queen Mary 2" in Saint-Nazaire in Auftrag gegeben hat, drängt trotz des Unfalls darauf, dass das Schiff fristgerecht nach Großbritannien überführt wird. Am 8. Januar soll die britische Königin Elizabeth II. das Passagierschiff taufen, am 14. Januar soll der Luxusliner zu seiner Jungfernfahrt in See stechen.



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