Schiffsunglück vor Iran Druckkammer wurde zur Todesfalle für Taucher

Sieben Berufstaucher sind bei einem Schiffsunglück vor der Küste Irans gestorben - eine riskante Rettungsaktion konnte ihnen nicht mehr helfen. Sie saßen in einer Druckkammer fest und sanken darin 70 Meter in die Tiefe.

Bergungsexperten: Rettung aus 70 Metern Tiefe gescheitert
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Bergungsexperten: Rettung aus 70 Metern Tiefe gescheitert


Teheran - Zwei Tage waren sie in der Druckkammer eines untergegangenen Schiffes gefangen - jede Hilfe kam zu spät: Eine Rettungsaktion für sieben Taucher vor der iranischen Küste ist gescheitert. Die Einsatzkräfte konnten nur noch die Leichen der Berufstaucher bergen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle. Ihr Tauchschiff "Kooscha-1" war am Donnerstag gesunken.

Die unter iranischer Flagge fahrende "Kooscha-1" hatte am Donnerstag eine Ölförderplattform unweit des Gasfelds Südpars verlassen, als sie rund 25 Kilometer vor der iranischen Küste bei stürmischer See unterging. An Bord des Tauchschiffs waren iranische, indische und ukrainische Taucher, die vor der südiranischen Küste im Persischen Golf am Meeresboden Pipelines überprüft hatten.

Damit sie zwischen den Tauchgängen durch die Dekompression nicht so viel Zeit verlieren, verbringen Taucher die Pausen an der Oberfläche in Druckkammern. In dieser Kammer sanken sie mit dem Schiff auf 70 Meter Tiefe. Nach Angaben von Fars hatten iranische Taucher die Druckkammer in der Tiefe mit einer speziellen Säge vom Schiff gelöst und an Land gebracht.

Da der Sauerstoff in der Kammer noch 48 Stunden reichen sollte, hatten die Retter zunächst Hoffnungen auf eine gutes Ende des Dramas. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, wie viele Taucher bei dem Unglück insgesamt ums Leben kamen. Zunächst hieß es, dass es neben den sieben eingeschlossenen Tauchern sieben weitere Tote gebe. Später war von insgesamt 13 Toten die Rede. Demnach seien 60 Menschen nach dem Untergang gerettet worden. Eine amtliche Bestätigung einer genauen Opferzahl gab es nicht.

ore/dpa/dapd

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Seite 1
Acrylium 22.10.2011
1. Fragen
Was war jetzt an der Rettungsaktion genau riskant und wie viele von den in der Druckkammer eingeschloßenen Tauchern konnten gerettet werden? 60? Und darunter 13 Tote? Oder gab es mehrere Druckkammern?
whitewrx 22.10.2011
2. meine interpretation
Zitat von AcryliumWas war jetzt an der Rettungsaktion genau riskant und wie viele von den in der Druckkammer eingeschloßenen Tauchern konnten gerettet werden? 60? Und darunter 13 Tote? Oder gab es mehrere Druckkammern?
Die 7 waren in der Druckkammer als das Schiff unterging?! 60 Leute wurden vom Schiff gerettet, 6 oder 7 weitere starben...
jacobusk. 22.10.2011
3. R.i.p.
Hallo, ich bin zufälliger Weise als Berufstaucher in der Öl und Gasindustrie tätig. Wahrscheinlich starben die alle ursprünglichen Insassen der Druckkammer, die sog. Sättigungstaucher. 7 ist allerdings eine merkwürdige Zahl da man immer in 2er oder 3er Teams arbeitet, 6 oder 9 wären realistisch. Das Problem ist bei einem Tieftauchgang in einer Druckkammer die lange Austauchzeit, bei einer Arbeitstiefe von 70 m würde die Druckkammer mit Heliumsauerstoff auf etwa 6,5 bar abgedrückt, das entspricht ein Wassertiefe von 55m. Das auftauchen würde ca 2,5 Tage dauern, sonst drohen schwerste Dekompressionerkrankungen bis zum Tod. Wenn es nun ein Problem mit dem Schiff gibt, Unwetter, Feuer oder Havarie hat man als Sättigungstaucher schlechte Karten, deshalb die gute Bezahlung. Moderne Diving Support Vessel (Taucherversorgungsschiffe) haben deshalb ein Rettungsboot mit Druckkammer, dies ist in der Nordsee Pflicht, in vielen anderen Gegenden nur eine Empfehlung, kostet halt mehr Geld... Selbst mit Rettungsboot ist in schwerer Seenot die Rettung der Taucher extrem schwierig. Wenn man dann ein Sprachmix aus Indern, Iranern und Tauchern aus der Ukraine hat dürfte es u.U. etwas chaotisch zugegangen sein, dies ist zumindest meine Erfahrung. Sobald das Schiff auf Grund liegt hat man theoretisch noch etwas Zeit die Kammer/Taucher zu Bergen. Aber ohne Versorgung von außen, ohne Strom, CO2 Filter usW. sieht es nicht gut aus. Ich nehme an, das die Bergungstaucher dann auf 70m mit normaler Pressluft gearbeitet haben, mangels Alternativen. Dies ist eigentlich nicht mehr praktikabel. Gut möglich, daß dabei auch noch Taucher ums Leben kamen. Die einzige realistische Chance wäre ein weiteres Tieftauchschiff mit voller Crew, großen Kran usW. dann hätte man die Leute evtl. retten können...hierfür hätte es aber einen "Hilferuf" gebraucht, das tun manche Länder ungern, siehe Untergang der Kursk... Mein Beileid den Hinterbliebenen...
Steinwald 22.10.2011
4. d
Zitat von jacobusk.Hallo, ich bin zufälliger Weise als Berufstaucher in der Öl und Gasindustrie tätig. Wahrscheinlich starben die alle ursprünglichen Insassen der Druckkammer, die sog. Sättigungstaucher. 7 ist allerdings eine merkwürdige Zahl da man immer in 2er oder 3er Teams arbeitet, 6 oder 9 wären realistisch. Das Problem ist bei einem Tieftauchgang in einer Druckkammer die lange Austauchzeit, bei einer Arbeitstiefe von 70 m würde die Druckkammer mit Heliumsauerstoff auf etwa 6,5 bar abgedrückt, das entspricht ein Wassertiefe von 55m. Das auftauchen würde ca 2,5 Tage dauern, sonst drohen schwerste Dekompressionerkrankungen bis zum Tod. Wenn es nun ein Problem mit dem Schiff gibt, Unwetter, Feuer oder Havarie hat man als Sättigungstaucher schlechte Karten, deshalb die gute Bezahlung. Moderne Diving Support Vessel (Taucherversorgungsschiffe) haben deshalb ein Rettungsboot mit Druckkammer, dies ist in der Nordsee Pflicht, in vielen anderen Gegenden nur eine Empfehlung, kostet halt mehr Geld... Selbst mit Rettungsboot ist in schwerer Seenot die Rettung der Taucher extrem schwierig. Wenn man dann ein Sprachmix aus Indern, Iranern und Tauchern aus der Ukraine hat dürfte es u.U. etwas chaotisch zugegangen sein, dies ist zumindest meine Erfahrung. Sobald das Schiff auf Grund liegt hat man theoretisch noch etwas Zeit die Kammer/Taucher zu Bergen. Aber ohne Versorgung von außen, ohne Strom, CO2 Filter usW. sieht es nicht gut aus. Ich nehme an, das die Bergungstaucher dann auf 70m mit normaler Pressluft gearbeitet haben, mangels Alternativen. Dies ist eigentlich nicht mehr praktikabel. Gut möglich, daß dabei auch noch Taucher ums Leben kamen. Die einzige realistische Chance wäre ein weiteres Tieftauchschiff mit voller Crew, großen Kran usW. dann hätte man die Leute evtl. retten können...hierfür hätte es aber einen "Hilferuf" gebraucht, das tun manche Länder ungern, siehe Untergang der Kursk... Mein Beileid den Hinterbliebenen...
ist das tatsächlich so, daß man lieber einen hilferuf unterläßt, als den tauchern zu helfen? und das nur aus falschem stolz? waas könnten sonst die motive sein? schlimm. grausames schicksal, mein beileid.
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