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Alligatorschildkröten: Gefahr im Schlamm

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Tieraussetzung Schildkröte verletzt Kind in Badesee

Rund 70.000 ausgesetzte Tiere, sagt der deutsche Tierschutzbund, landen allein in den Ferienwochen in Tierheimen. Wie viele in freier Wildbahn landen, weiß niemand. Nun durchbiss eine Großschildkröte einem Jungen in einem bayerischen Badesee die Achillessehne. Die Suche nach dem Tier läuft.

Irsee - In einem Badesee in der Gemeinde Irsee bei Kaufbeuren suchen Feuerwehr und Naturschutzbeauftragte nach einer bissigen Alligator-Schildkröte. Der Oggenrieder Weiher im Ostallgäu sei seit Donnerstag gesperrt, teilte die Feuerwehr am Samstag mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Augsburger Allgemeine".

Naturschützer bemühen sich, das Tier zu fangen. Falls das bis Sonntagabend nicht gelingen sollte, will Bürgermeister Andreas Lieb von der freien Wählervereinigung "Bürgerforum Irsee" auf Nummer Sicher gehen: Dann werde das Wasser des Badesees abgelassen. "Davor holen wir die Fische aus dem Weiher heraus und siedeln sie um. Und dann hoffen wir, dass wir die Schildkröte auf alle Fälle erwischen", sagte Lieb am Samstag. Am Weiher beobachte mittlerweile eine Gruppe von Schaulustigen das Spektakel.

Das Tier hatte dem Bericht zufolge am vergangenen Montag einen Jungen in den Fuß gebissen und ihm die Achillessehne durchtrennt. Unklar ist noch, um welche Art Alligatorschildkröte es sich handelt. Sie gehören zu den größten lebenden Schildkröten - und gelten auch als die gefährlichsten.

Zur Familie dieser sehr wehrhaften, als aggressiv geltenden Tiere gehören zwei Arten: Die Schnappschildkröte kann bis 30 Kilogramm schwer werden, die ihr verwandte Geierschildkröte erreicht sogar hundert Kilogramm. Insbesondere die Geierschildkröte gilt aufgrund ihrer Größe und Gefährlichkeit als ungeeignet, von Privatpersonen gehalten zu werden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete am Samstag schon vom "Monster-Alarm in Bayern".

Kein Kuriosum: Schildkrötenaussetzungen sind häufig

Das klingt nach Sommerloch und Kuriosum, ist aber längst eine bedauerliche jährliche Routine für Tierschützer. Allein über die Sommerferienwochen landen bundesweit rund 70.000 ausgesetzte Tiere in Tierheimen, darunter Hunderte von Schildkröten. Wie viele Wasserschildkröten in deutschen Gewässern ausgesetzt werden, ist nicht bekannt.

Meist geht es dabei um die vergleichsweise kleinen Schmuckschildkröten, die in Tiergeschäften jung und nur drei, vier Zentimeter klein angeboten werden - und dann bis zu 30 Zentimeter groß und mehrere Kilogramm schwer werden. Mit dem daraus resultierenden Pflegeaufwand, den die mit einmal gar nicht mehr so niedlichen Tiere verursachen, sind dann viele Besitzer überfordert. Oft wird beim Kauf auch nicht bedacht, dass manche Arten in Gefangenschaft bis zu 50 Jahre alt werden können. Zu häufig heißt die Endstation für die Schildkröten dann See, Fluss oder Stadtteich. Dass Tieraussetzungen mit Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro geahndet werden können, schreckt offenbar nicht ab.

Hohe Strafen sind gerade bei Schildkrötenaussetzungen zu erwarten: Die Tiere sind Allesfresser, ihre Aussetzungen bedeutet für heimische Biotope eine erhebliche Belastung. Unter günstigen Umständen überleben manche Arten mehrere Winter. Gerade größere Tiere stellen darüber hinaus ein Gefährdungspotential auch für Menschen dar.

Äußerst schmerzhaft ist schon der Biss einer vermeintlich harmlosen Schmuckschildkröte, die wie alle Schildkröten über einen höchst scharfen Beißapparat verfügt. Wirklich gefährlich sind aber Exoten wie die als aggressiv geltenden Schnapp- oder Geierschildkröten, die einem Menschen im Extremfall auch einen Finger oder Zeh abbeißen könnten.

Die bissigen Schildkröten sind eigentlich in den USA beheimatet. Einfuhr, Verkauf und Nachzucht dieser Reptilien ist in Deutschland seit 1999 verboten. Aufgrund der Bissabdrücke am Fuß des Jungen dürfte das Tier in Bayern nach Schätzungen mindestens 40 Zentimeter groß und 14 Kilogramm schwer sein. Wie es in den Weiher kam, ist noch unklar. Vermutlich wurde es von seinem Besitzer ausgesetzt. Inzwischen wurde Strafanzeige gegen unbekannt gestellt.

pat/dpa
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