Schutzgebiet in Afrika Schimpansen attackieren Studenten

Sie packten ihn an den Füßen und zerrten ihn ins Gehege. Ein junger US-Amerikaner wurde in Südafrika von zwei Schimpansen attackiert und schwer verletzt. Der Angriff ereignete sich in einem Schutzgebiet, das die Primatenforscherin Jane Goodall mitgegründet hat.

Affe in Chimpanzee Eden in Südafrika: Zuflucht für missbrauchte Tiere
AP

Affe in Chimpanzee Eden in Südafrika: Zuflucht für missbrauchte Tiere


Johannesburg - Zwei Schimpansen haben einen Studenten aus den USA angegriffen und schwer verletzt. Der 26-Jährige führte eine Touristengruppe durch ein Schutzgebiet für die Menschenaffen in Südafrika, das von der britischen Primatenforscherin Jane Goodall mit gegründet wurde. Er stand dabei so nah am Elektrozaun des Geheges, dass die Schimpansen seine Füße packen und ihn unter dem Zaun durchziehen konnten, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Die Tiere bissen den Studenten in Gesicht und Hände. Nach Angaben der südafrikanischen Tageszeitung "Beeld" verlor er dabei Teile eines Ohrs und einige Fingerglieder. Der Manager des Parks verscheuchte die Tiere mit Schüssen. Der junge Mann wurde in einem nahen Krankenhaus in Mbombela im Nordosten des Landes operiert. Am Samstag war sein Zustand immer noch kritisch.

Der Student macht in Texas einen Master in Anthropologie und Primatologie und hielt den Touristen am Donnerstag einen Vortrag. Seine Mutter sagte, ihr Sohn habe seit Mai in Südafrika mit Schimpansen gearbeitet. Seit der siebten Klasse sei er von den Tieren begeistert. Das Risiko sei ihm bewusst gewesen. "Er würde niemals einen Schimpansen dafür verantwortlich machen", zitierte AP die Frau. "Wenn alles überstanden ist, geht er wieder zurück."

Die Menschenaffen sind in Südafrika eigentlich nicht heimisch. Das Jane Goodall Institute Chimpanzee Eden nimmt Schimpansen auf, die in anderen Gegenden Afrikas illegal als Haus- oder Zirkustiere gehalten wurden oder als Wildtierfleisch verkauft werden sollten.

Manche Affen hätten schreckliche Erfahrungen gemacht, berichteten Verantwortliche des Parks. Einer der Schimpansen, die den Studenten angegriffen haben, sei 1996 aus Liberia gekommen, wo sein Besitzer ihn in Menschenkleidung gesteckt, sein Fell rasiert und ihm beigebracht habe, am Tisch mit Messer und Gabel zu essen.

Das Schutzgebiet schloss nach der Attacke vorübergehend. "Wir hatten noch nie einen solchen Vorfall", sagte Geschäftsführer David Oosthuizen. Doch Schimpansen seien wilde Tiere, die ihr Territorium verteidigten. Wenn sie sich bedroht fühlten, könnten sie aggressiv werden. Nun schaue man, wie man die Sicherheit so verbessern könne, dass so eine Tragödie nicht wieder vorkomme.

son/AP/Reuters



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