Schmerzensgeld-Prozess Klägerin verliert gegen Stefan Raab

Eine in der Sendung "TV Total" als Drogendealerin verhöhnte junge Mutter ist mit ihrer Schmerzensgeldforderung gegen Moderator Stefan Raab gescheitert. Das Landgericht Berlin wies die Klage der 28-Jährigen ab, die 90.000 Euro gefordert hatte.


Beklagter Stefan Raab: "Die Dealer tarnen sich immer besser"
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Beklagter Stefan Raab: "Die Dealer tarnen sich immer besser"

Berlin - Ihre Persönlichkeitsrechte seien nicht so schwer verletzt worden, dass eine solche Forderung gerechtfertigt sei, begründeten die Richter heute ihre Entscheidung. Gegen das Urteil ist Berufung möglich. Raab selbst ließ sich vor Gericht von seinem Anwalt vertreten.

Der Moderator hatte im September Fernsehbilder gezeigt, auf denen die gebürtige Türkin ihre Tochter zur Einschulung brachte und deren Schultüte trug. Raab spottete unter anderem: "Unfassbar, oder? Die Dealer tarnen sich immer besser." Die Münchner Staatsanwaltschaft hat gegen den 38-Jährigen im gleichen Fall einen Strafbefehl über 150.000 Euro beantragt.

Insgesamt war die 28-Jährige in Raabs Sendung fast eine Minute im Bild gewesen. Danach habe sie sich kaum noch aus dem Haus getraut, wie ihr Anwalt Frank Roeser dem Gericht schilderte. Sie sei von Junkies nach Drogen gefragt worden und habe wegen wiederholter Belästigungen ihren Job bei einer Fastfoodkette verloren. Heute leide sie an Depressionen. Ein türkisches Boulevard-Blatt hatte Raabs vermeintlich lustige Kommentare nach der Sendung im September aufgegriffen. Daher sei auch die Familie der Türkin Spott ausgesetzt gewesen, sagte Roeser.

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"TV total": Moderator Raab droht Strafbefehl

Raabs Anwalt Heiko Klatt hatte verlangt, die Klage abzuweisen. Es handele sich ganz offensichtlich um Satire im zulässigen Rahmen. Klatt sagte, der Frau gehe es lediglich um Geld. Die Schwiegermutter der Klägerin habe eidesstattlich versichert, dass die 29-Jährige sich über die Sendung amüsiert und damit geprahlt habe.

Wegen seiner wiederholten Zoten über die "Miss Rhein-Ruhr" Lisa Loch war Raab im Februar 2004 zu einer Schadenersatzzahlung von 70.000 Euro verurteilt worden. Eine Kölner Lehrerin erstritt ein Schmerzensgeld von 2500 Euro, nachdem sie in der "TV-Total"-Rubrik "Bimmel Bingo" mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt und ohne ihr Einverständnis schlaftrunken und im Schlafanzug gefilmt worden war.



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