Schmökel auf der Flucht Kinderschänder meldet sich mit Brief

Bei der Suche nach Frank Schmökel ist die Polizei auf eine Spur gestoßen: Der entflohene Kinderschänder hat sich offensichtlich mit einem Brief bei einem Insassen des Maßregelvollzugs Neuruppin gemeldet.


Frank Schmökel auf der Flucht
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Frank Schmökel auf der Flucht

Strausberg - Das sagte Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) am Mittwoch dem Radiosender Antenne Brandenburg in Potsdam. Der Brief sei am Montag geschrieben worden und enthalte wichtige Informationen. Einzelheiten nannte Schönbohm nicht. Der Empfänger habe das Schreiben der Polizei übergeben. Der Brief soll in Neuruppin aufgegeben worden sein. Schmökel war seit seiner Flucht im Raum Strausberg vermutet worden.

Die Belohnung für Hinweise zur Ergreifung des 38-Jährigen wurde unterdessen auf 50.000 Mark aufgestockt. Dies unterstreiche, wie groß das von dem Flüchtigen ausgehende Gewaltpotenzial sei, erklärte Schönbohm.

Der in einer geschlossenen Einrichtung in Neuruppin untergebrachte Straftäter Schmökel war am Mittwoch der vergangenen Woche in Strausberg östlich von Berlin entkommen. Dabei hatte der über 1,90 große Mann eine Zigarettenpause von zwei Begleitern ausgenutzt. Er stach einen Pfleger nieder und verletzte ihn schwer.

Am Mittwochabend erklärte die Polizei Neuruppin nordwestlich von Berlin zum zweiten Such-Schwerpunkt. Aber auch in Strausberg liefen alle Maßnahmen weiter, sagte Eike Lancelle, Staatssekretär im Innenministerium. Es gebe noch einen zweiten Brief vermutlich von Schmökel, der noch verschlossen sei und von der Polizei spurentechnisch untersucht werde.

Auch von einem aktualisierten Fahndungsfoto erhofft sich die Polizei neue Hinweise auf den als gefährlich und unberechenbar eingeschätzten Triebtäter. Nach einer Woche Flucht habe sich das Aussehen des Mannes vermutlich verändert, erklärte die Polizei in Frankfurt (Oder).

Die Polizei beschreibt Schmökel als "sehr gefährlich", er führe möglicherweise ein Messer mit sich. Schmökel stand in den vergangenen zwölf Jahren dreimal wegen Sexualverbrechen vor Gericht. Die jüngste Verurteilung war 1995. Damals wurde er wegen versuchten Mordes und mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 14 Jahren Haft verurteilt und in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

Im Maßregelvollzug bekam der Mann offenbar auch mehrfach Besuch. Die Frankfurter Polizei bestätigte, dass das Fahndungsfoto, das ihn mit blondierten Haaren zeigt, von einer Bekannten stammt. Die Ermittler hatten Besucherlisten, Schriftverkehr und Bekanntenkreis Schmökels durchforstet. Dabei stießen sie auch auf die Frau mit dem Foto, das Schmökel in einer privaten Atmosphäre zeigt.

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch, der Triebtäter habe aus der Nervenklinik heraus auf Kontaktanzeigen geantwortet und sich mit den Frauen in der Klinik getroffen. Die Berliner Tageszeitung "B.Z." schrieb, nach Schmökels Flucht sei in der zurückgelassenen Lederjacke ein Brief gefunden worden, in dem er angekündigt habe, er werde seine Mutter und sich töten. Die Polizei bestätigte lediglich, dass er eine Lederjacke mit Brief zurückgelassen habe.



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