Schnee und Eis Hunderte Unfälle auf deutschen Straßen

Verspätungen bei der Bahn, annullierte Flüge, Hunderte Autounfälle: Schnee und Eis haben den Verkehr auf Schienen, Flughäfen und Straßen massiv gestört. Mehrere Menschen kamen ums Leben.


Hamburg - Tief "Jennifer" hat nach der Kältewelle für einen drastischen Temperaturumschwung gesorgt. Vor allem Deutschlands Osten ist nun von heftigen Schneefällen betroffen.

Auf der Autobahn 9 in der Nähe von Jena blockierte ein Massenunfall mit fünf Lkw stundenlang den Verkehr. Die Lastwagen waren auf glatter Straße ineinander gefahren und hatten sich verkeilt. Sie standen zum Teil quer über allen drei Fahrspuren. Ein Lkw-Fahrer kam bei dem Unfall ums Leben. Nur zehn Kilometer entfernt starb ein Mann bei einem weiteren schweren Unfall: Ein 32 Jahre alter Autofahrer hatte sich auf der A10 auf glatter Fahrbahn mit seinem Auto überschlagen und war dabei getötet worden.

In Nordrhein-Westfalen führten Schneefall und glatte Straßen zu mehr als 200 Unfällen, bei denen ein Schaden von etwa einer Million Euro entstand.

Auf der Autobahn A1 bei Hagen im Ruhrgebiet ging in der Nacht über Stunden nichts mehr. Ein Lastwagenfahrer war am späten Mittwochabend mit seinem Wagen ins Schleudern geraten und umgekippt, weil er auf glatter Fahrbahn zu schnell unterwegs gewesen war. Ein weiterer Lkw konnte nicht mehr bremsen und stieß mit dem quer zur Fahrbahn liegenden Lastwagen zusammen. Die Autobahn blieb rund um die Unfallstelle bis in die frühen Morgenstunden voll gesperrt.

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Tief "Jennifer": Straßen und Eisbahnen
Im Landkreis Böblingen in Baden-Württemberg wurden beim Zusammenstoß zweier Autos am Morgen drei Kinder verletzt. Sie wurden vorsorglich zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert.

Flugausfälle wegen Schnees in Frankfurt und München

Am Frankfurter Flughafen fielen etwa 80 Flüge aus. Wie eine Fraport-Sprecherin mitteilte, war eine Landebahn vorübergehend gesperrt. Nach der Räumung durch den Winterdienst sollte die Nordbahn noch am Donnerstagmorgen wieder in Betrieb genommen werden. Die Sprecherin rechnete "mit einer Normalisierung des Flugverkehrs im Tagesverlauf".

Am Münchner Flughafen wurden am Morgen winterbedingt 60 Flüge annulliert. Damit hielten sich die Wetterauswirkungen auf den Flugbetrieb noch einigermaßen in Grenzen, sagte ein Sprecher der Flughafen München GmbH. "Die Bahnen sind geräumt, es wird gestartet und gelandet."

Verspätungen bei der Bahn in Nord und Süd

In Hamburg riss eine Oberleitung für Fernzüge der Bahn, die durch das kalte Wetter in Mitleidenschaft gezogen worden war, bei der Rangierfahrt eines unbesetzten Fernzuges. Die Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Bahnhof Dammtor war stundenlang gesperrt, es kam zu zahlreichen Verspätungen. Wie viele Züge ausfielen und wie viele Passagiere warten mussten, war zunächst unklar. Die Strecke ist relativ stark befahren - unter anderem die ICE-Verbindung Hamburg-München und Verbindungen von Hamburg Richtung Nordsee waren betroffen.

Außerdem musste die Feuerwehr der Stadt 55-mal wegen geplatzter Wasserleitungen ausrückten. "Das Eis hat die Leitungen überdehnt. Nun entstehen drastische Lecks", erklärte ein Feuerwehrsprecher am Morgen.

In Bayern waren die Straßenverhältnisse ebenfalls weitgehend schlecht. In manchen Orten fielen in der Nacht zum Donnerstag bis zu 30 Zentimeter Schnee. Besonders im morgendlichen Berufsverkehr ereigneten sich zahlreiche Rutschunfälle, Tausende Pendler froren an den Haltestellen der Bahn. Wegen vereister Weichen kam es zu Zugausfällen und erheblichen Verzögerungen im Nah- und Fernverkehr.

Schaffnerin wirft 16-Jährige bei Kälte aus Zug

Mangelndes Fingerspitzengefühl zeigte bei den besonderen Wetterbedingungen wieder einmal die Deutsche Bahn: Eine Schaffnerin wies eine 16-Jährige in der Nacht zum Mittwoch bei eisiger Kälte in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) aus dem Zug. Der Grund: Der jungen Frau fehlten zwei Euro für die richtige Fahrkarte. Das Mädchen wollte - wie bei der Hinfahrt - ein Ticket für 5,10 Euro lösen, die Schaffnerin verlangte aber 7,10 Euro. So viel Geld hatte die Schülerin nicht dabei. Die Zugbegleiterin ließ sich nicht erweichen und warf das Mädchen kurz vor 22 Uhr aus der Bahn.

"Dieses Vorgehen ist völlig inakzeptabel", sagte ein Bahn-Sprecher. In der bisher kältesten Nacht des Jahres - um Mitternacht herrschten in der Region minus 19 Grad - musste der Teenager bei bereits geschlossenem Bahnhof rund eine Stunde ausharren, bis er abgeholt werden konnte. "Wir haben keinen Anlass, an den Aussagen des Mädchens zu zweifeln, wir müssen aber noch die Kollegin hören", sagte der Bahn-Sprecher. Sollte sich der Vorfall so bestätigen, drohen der Frau arbeitsrechtliche Konsequenzen.

Bereits mehrfach hatten auch in Brandenburg ähnliche Fälle für Entsetzen gesorgt. Daraufhin erklärte die Deutsche Bahn Ende 2008, ihre Zugbegleiter müssten sich künftig schriftlich verpflichten, Minderjährige unter keinen Umständen aus Zügen zu verweisen. "Dies gilt nach wie vor", so der Bahnsprecher.

pad/dpa/apn



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Seite 1
Volker Gretz, 11.01.2010
1.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Volker Gretz, 11.01.2010
2.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Nö. Man sollte sich einfach vom aufgesetzten weibischen Gejammer der Medien nicht verunsichern lassen. Wie Sie richtig bemerken: Es ist Winter (und nicht einmal besonders schlimm). Mir kommte so vore als ob der ganze Irrsinn mit dem "Sommermächen 2006" (Spiel um die goldene Zitrone im eigenen Land) begonnen hatte. Das ging dann über den Medikamententod eines abgehaltreten Popstars (Verkaufsteigerung) bis zum unwürdig durch die Medien gezerrten Freitod eines Fußballers - und endet jetzt (vorläufig)im "Winterchaos 2010".
Mulharste, 11.01.2010
3.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
ja, haben wir. Das was wir hier erleben, war doch "früher" ganz normal und ich verstehe nciht, wie hier alle szusammenbrechen kann. Insebesondere bei der Bahn. Unfassbar.
schensu 11.01.2010
4.
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Haben wir ihn je "gekonnt"?
Rainer Helmbrecht 11.01.2010
5. .
Zitat von sysopEis und Schnee sorgen in Teilen Europas für den Ausnahmezustand - haben wir den Winter verlernt?
Offensichtlich schn. In den Wintern 1965-70 war die Strasse d. 12. Junis so zugeschneit, dass Autos,die von den Schneeeräumern umfahren wurden, nach einigen Tagen nicht mehr zu sehen waren und erst bei Tauwetter vom Besitzer wiederentdeckt wurden. Da sprach kein Mnsch vom Caos, sondern vom strengen Winter, weiter nix. Hute wird nur noch in Superlativen gesprochen. Der grösste, der längste aber nie davon,dass das im Winter eben so ist. MfG. Rainer
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