Schneechaos in Bayern Leichte Entspannung in den Katastrophengebieten

In den ostbayrischen Krisengebieten arbeiten tausende Helfer auf Hochtouren. Zwar ist die Unwetterwarnung aufgehoben und es fällt nur noch wenig Schnee. Doch die tonnenschwerer Last drückt weiter gefährlich auf die Hausdächer.

In den ostbayrischen Krisengebieten haben die Menschen in der Nacht zum Samstag weiter gegen Schneemassen gekämpft. "Die Situation ist schon ernst", sagte ein Sprecher des Krisenstabs im Landkreis Freyung-Grafenau. Einige Häuser seien komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Teilweise liege der Schnee zwei bis drei Meter hoch. Manche Verkehrsschilder seien völlig verschüttet. Ganz langsam entspanne sich die Lage aber. "Bei uns ist der Schneefall zum Erliegen gekommen", sagte der Sprecher am frühen Samstagmorgen. Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnung vor Schneefällen in der Region aufgehoben.

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Bayern: Albtraum in Weiß

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Schnelle Besserung ist trotzdem nicht in Sicht: In den ostbayrischen Landkreisen Straubing, Straubing-Bogen, Deggendorf, Regen, Freyung-Grafenau, Schwandorf und Passau herrscht weiter Katastrophenalarm. Trotz der Gefahr waren viele Helfer die ganze Nacht im Einsatz, um einsturzgefährdete Dächer von der Schneelast zu befreien oder schneebedeckte Straßen zu räumen.

Die Situation habe sich nicht verändert, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Niederbayern/Oberpfalz in Regensburg am Samstag. Zu den befürchteten massenhaften Evakuierungen von Gebäuden, die unter Schneelast einzubrechen drohten, sei es in der Nacht jedoch nicht gekommen. In den betroffenen Landkreisen hatten Rettungskräfte Turnhallen und andere Gebäude zur Aufnahme der Evakuierten vorbereitet. Im Landkreis Regen waren 30 Häuser geräumt worden.

Der strenge Winter hält die Menschen in einigen Regionen Bayerns seit Tagen in Atem. Tausende Helfer, darunter immer mehr Bundeswehrsoldaten, befreien Dächer und Straßen von Schneemassen. In dem Wetterchaos sind bereits mehrere Menschen ums Leben gekommen.

Dutzende wurden verletzt. Auch in Tschechien und Österreich gab es Tote. Einziger Lichtblick: Für das Wochenende sagen die Meteorologen eine allmähliche Wetterberuhigung und ein Ende der Schneefälle voraus.

In Bischofsgrün (Landkreis Bayreuth) waren am späten Freitagabend Teile vom Dach einer Tennishalle unter der Last der Schneemassen eingestürzt. Verletzt wurde niemand. Trümmerteile beschädigten einen Propangastank, so dass Gas ausströmte. Feuerwehrleute konnten das Leck aber innerhalb kurzer Zeit reparieren. Das 600 Quadratmeter große Gebäude, das zu einem Sporthotel gehört, wurde weiträumig abgesperrt.

Ortschaften von Außenwelt abgeschnitten

In Nürnberg kam es durch Schnee und Glatteis bis zum späten Freitagabend zu mehr als 70 Verkehrsunfällen mit Blechschäden. Auch auf den Autobahnen in Oberbayern hatte der Winter den Verkehr fest im Griff. Auf der Autobahn 9 kam es am späten Freitagabend wegen Schnee und Eis im Bereich der Polizeidirektion Ingolstadt zu einem Stau von 18 Kilometern Länge. Die Polizei rief Fahrer von Gefahrguttransportern in den Krisengebieten dazu auf, den nächsten Parkplatz anzusteuern.

Im Landkreis Deggendorf waren einige höher gelegene Ortsteile zunächst noch von der Außenwelt abgeschnitten. Die Wege sollten im Laufe des Tages mit schwerem Gerät unter anderem aus Thüringen frei geräumt werden. Im Landkreis Straubing-Bogen bestand keine akute Einsturzgefahr mehr bei Gebäuden. Die Räumarbeiten konzentrierten sich vor allem auf knapp 80 Privathäuser und kleinere landwirtschaftliche Gebäude. Ein Feuerwehrmann wurde beim Schneeräumen verletzt, als er ausrutschte und sich das Handgelenk brach.

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber will am Samstag die Landkreise Deggendorf und Regen besuchen, um sich über die Arbeit der mehr als 5000 Einsatzkräfte zu informieren. "Es ist beeindruckend, wie ganze Regionen zusammenstehen und tausende Helfer bis zur Erschöpfung gegen die Schneemassen ankämpfen", sagte der CSU- Vorsitzende. Am Freitag war in manchen Gegenden Bayerns bis zu einem halben Meter Neuschnee gefallen. Die Krisenstäbe rechneten damit, dass noch mehrere Tage lang von den Dächern die bis zu 1,80 Meter hohen Schneeschichten mühsam herunter geschaufelt werden müssen.

In Oberösterreich waren einzelne Ortschaften von der Umwelt abgeschnitten, alle Flachdächer galten nach Behördenangaben als einsturzgefährdet. Für die Skigebiete in den Bundesländern Oberösterreich, Salzburg, Tirol und in der nördlichen Steiermark wurde Lawinenwarnstufe drei bis vier auf der fünfteiligen Skala ausgegeben. Die Lawinengefahr wird über das gesamte Wochenende andauern, warnten die Behörden. Auf den Straßen Österreichs rechnen die Experten am Wochenende mit erheblichen Staus. Grund ist neben dem Wetter der Ferienwechsel in einigen Bundesländern.

cpa/dpa/ddp/afp

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