Schneechaos in New York Passagiere saßen stundenlang auf Rollfeld fest

New York im Schneechaos - das bekamen auch Tausende Flugpassagiere zu spüren. Nach der Landung stand eine Lufthansa-Maschine sechs Stunden auf dem Rollfeld, bis die Gäste endlich aussteigen durften. Noch schlimmer traf es Fluggäste aus Südkorea. Bürgermeister Bloomberg musste sich für sein Krisenmanagement entschuldigen.

Reuters

New York - Sie hatten stundenlange Flüge hinter sich, die Landungen auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Airport verliefen ohne Probleme, aber am Ziel angelangt waren Hunderte Reisende damit noch nicht: Für viele Passagiere begann jetzt eine lange Wartezeit. Auf dem Rollfeld des Flughafens der US-Metropole - weil gleich mehreren Maschinen wegen des Chaos durch den Schneesturm zunächst keine Flugsteige zugewiesen wurden.

Mehr als sechs Stunden mussten etwa die Gäste eines Lufthansa-Flugs ausharren - etwa noch einmal so lang, wie zuvor ihre Reise über den Atlantik gedauert hatte. Auch Reisende aus London, Paris, Istanbul und Mexiko-Stadt mussten sich ähnlich lang gedulden. Am schlimmsten traf es Passagiere aus Südkorea. Neuneinhalb Stunden warteten sie laut einem Bericht des US-Senders CNN auf dem Rollfeld, einen 15-stündigen Flug hatten sie bereits hinter sich.

"Es war schrecklich", sagte Shoham Elazar, eine 24-jährige Studentin, die am Dienstag in New York landete und in Istanbul gestartet war, laut einem Bericht der "New York Times". Sechs Stunden saß sie zusammen mit den anderen Passagieren des Flugs auf dem Rollfeld fest. "Als sie nach eineinhalb Stunden sagten, es würde weitere 90 Minuten dauern, wurde es zur Hölle", so Elazar. "Die Leute liefen herum, stöhnten und brüllten, Kinder schrien."

Müssen Flugzeuge in den USA mehr als drei Stunden auf dem Rollfeld warten, werden die Fluggesellschaften mit empfindlichen Bußgeldern bestraft - diese Regel gilt allerdings nur für US-Fluggesellschaften. Das Verkehrsministerium hatte zwischenzeitlich erwogen, die Regel auf internationale Airlines auszudehnen.

Spürbare Konsequenzen hatte der schwere Schneesturm in den USA auch für den Einzelhandel: Das Wetterchaos hat die Unternehmer rund eine Milliarde Dollar Umsatz gekostet - viele Kunden seien wegen des schlechten Wetters in der Zeit zu Hause geblieben, teilten die Marktforscher ShopperTrak am Mittwoch mit. Am 26. Dezember seien rund elf und am 27. Dezember knapp 14 Prozent weniger Kunden in den Läden gezählt worden als erwartet. Dennoch sei weiter davon auszugehen, dass die Händler im gesamten Ferienzeitraum November/Dezember wohl auf einen Umsatzzuwachs von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr kommen würden. Wahrscheinlich würden die Kunden, die jetzt daheim geblieben seien, ihr Geld ausgeben, wenn sich das Wetter wieder gebessert habe.

Kritik an Bloomberg wegen des Winterdienstes

Der schwere Schneesturm hatte im Weihnachtsreiseverkehr für massive Behinderungen im Nordosten der USA gesorgt. Sechs Bundesstaaten an der Ostküste hatten den Notstand erklärt.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg muss sich wegen des chaotischen Winterdienstes der Stadt heftige Vorwürfe des Stadtrats gefallen lassen. Die Reaktion der Verwaltung sei "inakzeptabel" gewesen, sagte Ratspräsidentin Christine Quinn. Sie verwies auf Hunderte Beschwerden von Bürgern. "Wir hören überall Berichte von Bürgern, die bis zum Nachmittag des Folgetags keinen einzigen Schneepflug gesehen haben." Sie könne sich an kein vergleichbares Versagen erinnern, sagte Quinn.

Nach Angaben der "New York Times" vom Mittwoch ist bisher ein - indirektes - Todesopfer bekannt. Ein Baby im Stadtteil Crown Heights starb kurz nach der Geburt. Seine Mutter hatte neun Stunden vergeblich auf eine Ambulanz gewartet. Im Stadtteil Brooklyn musste eine Frau mehr als 30 Stunden auf die Rettungskräfte warten, nachdem sie sich am Sonntag den Knöchel gebrochen hatte.

Bloomberg räumte auf einer Pressekonferenz Mängel ein. "Die Lage ist schlecht", sagte der Bürgermeister. Es werde aber alles Erdenkliche getan. "Wir arbeiten so hart, wie wir können", beteuerte Bloomberg.

Der Blizzard war am Sonntag über die Metropole hereingebrochen, in mehr als 24 Stunden fielen bis zu 80 Zentimeter Schnee. Mitten im Weihnachtsrückreiseverkehr wurden im gesamten Nordosten der USA mindestens 2000 Flüge abgesagt; auch am Dienstag und Mittwoch gab es noch zahlreiche Flugausfälle. Der Zugverkehr war ebenfalls beeinträchtigt. Die Bahnstrecke zwischen New York und Boston wurde für 13 Stunden gesperrt, Bus- und U-Bahn-Verbindungen funktionierten teilweise nur eingeschränkt.

hen/dpa/Reuters/AFP



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Seite 1
Q16 30.12.2010
1. Kein Titel
Zitat von sysopNew York im Schnee-Chaos - das bekamen auch Tausende Flugpassagiere zu spüren. Nach der Landung stand eine Lufthansa-Maschine sechs Stunden auf dem Rollfeld, bis die Gäste endlich aussteigen durften. Noch schlimmer traf es Fluggäste aus Südkorea. Bürgermeister Bloomberg musste sich für sein Krisenmangement entschuldigen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,737087,00.html
Sechs Stunden, um einen Weg zwischen Flugzeug und Ausgang frei zu schaufeln?!? Unglaublich! Da hätten sich die Passagiere ja per Hand schneller "durchgegraben".
janne2109 30.12.2010
2. der nächste Präsident
wird er nun wohl nicht werden.Wahrscheinlich bin ich zu blöd für diese Welt- warum werden nicht die vielen Arbeitslosen gegen Entgelt ! zum Schnee schippen gebeten? Ein paar willige und kräftige Männer und Frauen laufen hier und dort herum, die sich gern den Schnee zum Kurzzeitverdienst machen würden.
dirkgruenwald 30.12.2010
3. Chaos usw.
Mich stört der inflationäre Gebrauch von Chaos, Katastrophe und/oder Desaster. Liebe SPON-Redaktion: welche Ausdrücke werden sie verwenden, wenn es wirklich einmal zu Chaos, Katastrophen und dergleichen kommt. Was im Bericht geschildrt wird, sind winter- oder wetterbedingte Probleme oder Schweirigkeiten. Kein Reisender wurde ernstlich verletzt oder krank. Kein Flugzeug ist beschädigt oder zerstört. Es tut mir furchtbar leid für die Reisenden, aber so ist es nun einmal und man muß nicht alles unnötig dramatisieren. Zu ihrer Info: ich hatte selbst das Vergnügen auf winterlichen Autobahnen ohne Essen und Trinken zu übernachten. Auch habe ich vor einigen Jahren 3 Tage auf dem Flughafen Budapest festgesessen, weil mein Flug nach Sarajevo wegen Neben nicht stattfinden konnte.
rosenvater 30.12.2010
4. Eben
Zitat von janne2109wird er nun wohl nicht werden.Wahrscheinlich bin ich zu blöd für diese Welt- warum werden nicht die vielen Arbeitslosen gegen Entgelt ! zum Schnee schippen gebeten? Ein paar willige und kräftige Männer und Frauen laufen hier und dort herum, die sich gern den Schnee zum Kurzzeitverdienst machen würden.
...und die lungern bestimmt in der Nähe rum, so dass die auch schnell am Platz sein können.Wie üblich auf Flughäfen, kann da ja auch jeder mal kurz auf das Rollfeld, die Flugzeuge etc.-ohne Sicherheitsrisiko.
zephyros 30.12.2010
5. kein Titel
diese zunehmend in Mode gekommene Warterei in stehenden Fliegern ist für mich ganz klar mit Folter oder Körperverletzung gleichzusetzen. Erst sperren uns raffgierige Airlines in lächerlich kleine Sitze, angeordnet in Klaustrophobie-auslösenden Sitzreihen, die höchstens für Thais oder Chinesen passen - und wenn man sich dann endlich am Ziel wähnt wird man noch stundenlang weiter eingesperrt. Für mich ein Wunder, dass da noch keiner richtig ausgerastet ist. Warum schicken die keinen Bus zum Flieger und lassen die Leute wenigstens aussteigen?
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