Schuhe für größten Mann der Welt Schuster beenden Rechtsstreit in Größe 61

Vor dem Landgericht Münster ist ein Rechtsstreit der ulkigeren Art mit einem Vergleich zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt stand ein Paar Lederschuhe für den größten Mann der Welt - und die Frage, wer die Treter der Größe 61 angefertigt hat.

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Münster - Sultan Kösen aus der Türkei gilt mit 2,51 Metern als der größte Mensch der Welt. Als er im vergangenen Jahr heiratete, trug er Schuhe der Größe 61. Aber wer hatte sie hergestellt? Über diese Frage entbrannte ein kurioser Rechtsstreit zwischen zwei deutschen Schuhmachern. Jetzt haben sich die Kontrahenten vor dem Landgericht Münster getroffen - und die Auseinandersetzung mit einem Vergleich beendet.

Der jetzt getroffenen Einigung zufolge stammen die unglaublich großen Schuhe aus der Spezialwerkstatt von Georg Wessels im münsterländischen Vreden. Ein zweites Paar Schuhe, das vom Münchner Schuster Bertl Kreca hergestellt wurde, aber nie in die Türkei gelangte, geht nun an das Deutsche Schuhmuseum in Hauenstein (Rheinland-Pfalz).

Wessels hatte in dem Verfahren dem Wettbewerber aus München vorgeworfen, wahrheitswidrig die Urheberschaft an den maßgefertigten Schuhen für sich reklamiert zu haben. Im Gegenzug verlangte Kreca von Wessels die Herausgabe eines Paars Schuhe, das sein Unternehmen angeblich ebenfalls für die Hochzeit hergestellt hatte. Das Paar habe sich bei der Vredener Firma befunden, weil diese die passenden orthopädischen Einlagen habe fertigen sollen.

"Ich zittere vor Wut"

Bereits vor Beginn des Prozesses hatte Wessels Journalisten auf dem Gerichtsflur Beweisstücke präsentiert. "Ich zittere vor Wut", sagte er und zeigte zwei Riesenschuhe vor: Einer war aus seiner Werkstatt, der andere kam von Schuh-Bertl aus München. Das Exemplar aus Bayern war deutlich größer. "Der passt Kösen doch gar nicht", schimpfte Wessels. Wie könne Kreca da behaupten, dass es sich um einen Hochzeitsschuh für Kösen handele?

Auslöser des Rechtsstreits waren offenbar Zeitungsartikel, die Wessels in Rage brachten. Kreca soll demnach behauptet haben, er selbst habe die Hochzeitsschuhe für Kösen angefertigt. Wessels verklagte ihn deshalb auf Unterlassung. "Herr Kreca schmückt sich mit fremden Federn", sagte Wessels' Anwalt Christian Hüsken im Prozess.

Vor Gericht stellte Kreca allerdings klar, dass die von Kösen getragenen Schuhe selbstverständlich aus dem Münsterland stammten. Sein eigenes Exemplar, das angeblich einen Wert von 8000 Euro hat, habe er mit Leisten von Wessels angefertigt.

Kreca will die von ihm genähten Riesenschuhe nur deshalb ins Münsterland geschickt haben, weil sie dort noch mit Einlagen für Kösen versehen werden sollten. Wessels behauptet dagegen, dass Kreca sie ihm für ein neues Museum geschenkt habe.

Freunde werden die beiden Schuster trotz der Einigung wohl vorerst nicht mehr. Als Kreca ihm nach Prozessende die Hand geben wollte, lehnte Wessels ab: "Dir gebe ich nicht die Hand. Sonst fehlt mir nachher noch ein kleiner Finger."

Sultan Kösen wird seit 2011 als größter Mensch der Welt im Guinnessbuch der Rekorde geführt. Er hatte im Oktober 2013 in seiner Heimatstadt Mardin im Südosten der Türkei seine syrische Verlobte Merve Dibo geheiratet. Dazu hatte er sich Schuhe maßanfertigen lassen.

rls/dpa/AFP



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