Schul-Massaker Spekulation über Motive

Die jugendlichen Amokläufer von Littleton bei Denver hatten offenbar keine rassistischen Motive für ihre Bluttat. Entsprechende Vermutungen wurden von örtlichen Behörden entkräftet. Nach Angaben der Polizei ist unter den 15 überwiegend männlichen Todesopfern ein Schwarzer. Bei dem Massaker in der Columbine High School wurden 24 Menschen verletzt, zwei davon sollen noch in Lebensgefahr schweben.

Littleton - Dylan Klebold und Eric Harris, 17 und 18 Jahre alt, waren am Dienstag maskiert in ihre Schule gestürmt. Sie hatten zahlreiche Schußwaffen bei sich, darunter ein Sturmgewehr und abgesägte Schrotflinten. Ruhig und geradezu gravitätisch sollen sie durch die Gänge gestreift sein. Wahllos eröffneten sie das Feuer. Bei ihrem blutigen Weg durch Caféteria, Schulräume und Bibliothek erschossen sie zwölf ihrer Mitschüler. Einen Lehrer, der die Polizei rufen wollte, exekutierten die Jungen mit einem Kopfschuß. Sie selber wurden später mit Granaten an ihren Körpern tot aufgefunden.

Am Mittwoch war über Motive für die Tat spekuliert worden. Nach Angaben ihrer Mitschüler gehörten Harris und Klebold zur sogenannten "Trenchcoat Mafia". Deren Mitglieder erschienen stets in langen schwarzen Trenchcoats in der Schule, galten als Waffennarren und fielen durch rassistische Äußerungen auf. Bei ihren Mitschülern galten die beiden Amokläufer als unnahbar, gewalttätig und sonderbar. Sie sollen den Weltuntergang gepredigt und "Kultfiguren" wie Nostradamus gehuldigt haben. "Sie waren Außenseiter, und sie haben immer über Hitler gesprochen", schilderte eine 16jährige Schülerin.

Der Amoklauf am 20. April fiel auf den Geburtstag des nationalsozialistischen Diktators Adolf Hitler vor 110 Jahren. Einen Zusammenhang mit diesem Datum nehmen die Ermittler in Littleton offenbar nicht mehr an. "Ich kann kein Motiv erkennen", sagte Sheriff John Stone. Polizei und Staatsanwaltschaft prüfen mittlerweile, ob die Jugendlichen insbesondere beim Transport ihrer Waffen Komplizen hatten. An der High School war ein ganzes Waffenarsenal gefunden wurden. In und um die Schule hatten die Täter 30 selbstgebastelte, zum Teil mit Nägeln gefüllte Sprengsätze deponiert, der letzte explodierte erst mehr als zehn Stunden nach der Schießerei. Im Distrikt und der Stadt Denver wurden alle Schulen vor Unterrichtsbeginn vorsorglich nach möglichen Sprengkörpern untersucht.

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