Schweden Das Rätsel um den Schneemann

Zwei eiskalte Monate überwinterte ein 44-jähriger Schwede in seinem Wagen und ernährte sich nur vom Schnee. Während die Polizei über die Gründe rätselt, sagt ein früherer Nachbar: "Mich überrascht das nicht."

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Der schwedische Polizist Ebbe Nyberg weiß, wie unglaublich diese Geschichte klingt. "Wir würden uns so etwas nicht ausdenken", sagt er. "Der Rettungsdienst war doch auch vor Ort, und er hat das gleiche gesehen wie wir."

Die Bilder vom vergangenen Freitag waren so bizarr, dass sie am Wochenende um die Welt gingen. Die BBC hat über jenen 44-jährigen Mann berichtet, der zwei Monate in seinem Auto überwintert haben soll und vermutlich nur deswegen überlebte, weil er den Schnee vom Autodach aß. Die "Huffington Post" schrieb darüber, "New York Daily News" genauso wie SPIEGEL ONLINE und fast alle schwedischen Zeitungen. Immer wieder tauchen ähnliche Fragen auf: Warum fuhr der Mann sein Auto auf einen abgelegenen Waldweg? Und warum holte er keine Hilfe?

Polizei glaubt dem Mann

Vergangenen Freitagmittag gegen 13 Uhr ging ein Anruf bei der schwedischen Polizei ein. Am Apparat ein Schwede, der gerade mit seinem Schneemobil in der Nähe von Umeå unterwegs war, einer Stadt rund 640 Kilometer nördlich von Stockholm. Auf einem Waldweg, etwa 1,5 Kilometer abseits der E4, die die Städte Umeå und Sävar verbindet, hatte er einen völlig eingeschneiten Wagen entdeckt. Erst dachte er an ein Autowrack, dann schaute er hinein - und etwas im Wagen bewegte sich.

Polizei und Rettungsdienst rückten an. "Wie geht es dir", fragten die Sanitäter. "Ich hatte Essen für einen Tag und habe seitdem nur noch Schnee gegessen", soll der Mann geantwortet haben, berichtet die Lokalzeitung "Västerbottens-Kuriren". Sie fanden ihn mit seinem Schlafsack auf dem Rücksitz des Autos, umgeben von alten Kaffeebechern, die im Wagen lagen, Getränkedosen, Zigarettenkippen und Comic-Heften.

Allein konnte er sein Auto nicht verlassen, zu schwach war er. Die Sanitäter holten ihn heraus, legten ihn auf eine Trage und brachten ihn ins Norrlands Universitätskrankenhaus in Umeå. Er sei sehr mager, in schlechter körperlicher Verfassung und habe kaum sprechen können, sagte der Polizist Nyberg.

Seit dem 19. Dezember habe er das Auto nicht verlassen, erzählte der Mann der Polizei. Und die wüsste nicht, warum sie ihm nicht glauben sollte - auch wenn die Geschichte noch so unglaubwürdig klingt.

Der Waldweg, auf dem er parkte, wird im Winter nicht geräumt. Anfang Dezember ist in der Gegend ein halber Meter Schnee gefallen, seitdem blieb das Thermometer weit unter Null, teilweise fiel es auf Minus 30 Grad. "Es gab keine Fußspuren an der Stelle, weder hin zum noch weg vom Wagen", sagte Nyberg dem "Svenska Dagbladet". Womöglich konnte er wegen der Schneemassen die Tür vom Auto nicht öffnen, schreibt die Zeitung "Aftonbladet".

Das Fenster hingegen schon: Auf dem Dach finden sich zahlreiche Abdrücke, die darauf hindeuten, dass er sich dort den Schnee holte. "Es wirkte ein bisschen so", sagte Nyberg, "als habe er geplant dort zu bleiben und im Auto zu wohnen, weil er einen Schlafsack dabei hatte."

180.000 Euro Schulden?

Die Polizei weiß bislang nicht, warum er das Auto dort geparkt hat - und vielleicht wird sie es auch nicht mehr herausfinden. Seitdem er im Krankenhaus ist, hat sie keinen Kontakt mehr zu ihm aufgenommen, berichtet "Dagens Nyheter". Momentan sei es auch unklar, ob sie es noch tun wird. Schließlich gibt es keine Hinweise auf ein Verbrechen, auch wurde der Mann nicht als vermisst gemeldet.

Schwedische Journalisten sprachen allerdings mit Nachbarn und Verwandten und zeichnen ein Bild von einem Mann, der vermutlich wegen finanzieller und persönlicher Probleme abtauchte.

Er stammt aus der Nähe von Örebro, etwa 200 Kilometer westlich von Stockholm. Sein Geld soll er unter anderem im Immobilienbereich verdient haben - bis es im vergangenen Jahr finanziell eng für ihn wurde. 1,6 Millionen Kronen Schulden soll er gehabt haben, rund 181.000 Euro.

Auch die Beziehung zu einer Freundin sei in die Brüche gegangen, berichtet ein Bekannter. "Die ganze Situation wurde wohl übermächtig für ihn", zitiert "Svenska Dagbladet" einen Nachbarn. "Eines Tages im vergangenen Herbst verließ er die Stadt", sagte ein Bekannter "Dagens Nyheter". "Keiner wusste wohin, aber später hörten wir, dass er irgendwo im Norden sein soll." Als sie dann in den Nachrichten von einem Mann im eingeschneiten Auto hörten, dachten sie sofort: Das muss er sein. "Mich hat nicht überrascht, dass er es war", sagte der Bekannte.

"Aftonbladet" hat auch mit dem Vater des Mannes gesprochen. "Ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist", sagte er der Zeitung. "Ich habe ihn seit über 20 Jahren nicht gesehen." Er habe damals zu allen Verwandten den Kontakt abgebrochen.

Physisch ist der Mann inzwischen zumindest auf dem Weg der Besserung: "Dem Mann, der in einem Auto in Umeå gefunden wurde, geht es den Umständen entsprechend gut", teilte der zuständige "Landsting", der Provinziallandtag, in einer Presseerklärung mit. "Es werden keine weiteren Informationen mitgeteilt."



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
dg19de 20.02.2012
1. Ja wahrscheinlich
Niemand überlebt zwei Monate im schwedischen Winter in einem Auto ohne Nahrung. So ein Blödsinn. Egal wie dick der Schlafsack ist und egal wie nährstoffreich der Schnee vom Autodach ist, das überlebt niemand. Erinnert sich noch jemand an den "Meisterpianisten", der in England aus dem Meer gezogen wurde und wochenlang nicht sprach, dafür angeblich unfassbar gut Klavier spielen konnte? Nachdem sich die übliche Hysterie gelegt hatte, kam heraus, dass der Mann ein psychisch kranker Deutscher war, der ein wenig Tastenklimpern konnte. Nachdenken, ja? Hysterie ist zwar unterhaltsam, nervt aber auf einem seriösen Nachrichtenportal wie Spiegel - Online. Trotzdem danke für die hohe journalistische Qualität der meisten Beiträge!
wonderwalt 20.02.2012
2. Schwierige Frage
Zitat von dg19deNiemand überlebt zwei Monate im schwedischen Winter in einem Auto ohne Nahrung. So ein Blödsinn. Egal wie dick der Schlafsack ist und egal wie nährstoffreich der Schnee vom Autodach ist, das überlebt niemand. Erinnert sich noch jemand an den "Meisterpianisten", der in England aus dem Meer gezogen wurde und wochenlang nicht sprach, dafür angeblich unfassbar gut Klavier spielen konnte? Nachdem sich die übliche Hysterie gelegt hatte, kam heraus, dass der Mann ein psychisch kranker Deutscher war, der ein wenig Tastenklimpern konnte. Nachdenken, ja? Hysterie ist zwar unterhaltsam, nervt aber auf einem seriösen Nachrichtenportal wie Spiegel - Online. Trotzdem danke für die hohe journalistische Qualität der meisten Beiträge!
Aus medizinischer Sicht ist es zwar unwahrscheinlich, aber gewiss nicht unmöglich, zwei Monate unter diesen Bedingungen zu überleben. Die Nahrungskarenz ist dabei überhaupt kein Problem, zwei Monate Fasten kann ein gesunder und normal- bzw. übergewichtiger Mensch mit Sicherheit überleben. Die Temperatur ist eine andere Sache. Wobei sich in einem verschneiten Auto möglicherweise eine Art Iglu-artiges Klima entwickeln könnte, was das Überleben vielleicht ermöglichen könnte. Gut, alles Spekulation. Ein Indiz wäre beispielsweise das Vorhandensein von "Stoffwechselabfällen". Bei Wasser- und Schneeaufnahme müsste es - zumindest in geringen Maßen - im oder um das Auto herum Spuren von Exkrementen geben. Die Darmaktivität kann sich zwar auf ein Minimum reduzieren, nicht aber die Nierenfunktion, sprich Urinspuren müssten ausreichend zu finden sein. Nur daß kein Rechtsmediziner in Umea auch nur das geringste Interesse an der Verfolgung des Falles haben dürfte...
Jasro 20.02.2012
3. Unmöglich ist das nicht...
Zitat von dg19deNiemand überlebt zwei Monate im schwedischen Winter in einem Auto ohne Nahrung. So ein Blödsinn. Egal wie dick der Schlafsack ist und egal wie nährstoffreich der Schnee vom Autodach ist, das überlebt niemand. Erinnert sich noch jemand an den "Meisterpianisten", der in England aus dem Meer gezogen wurde und wochenlang nicht sprach, dafür angeblich unfassbar gut Klavier spielen konnte? Nachdem sich die übliche Hysterie gelegt hatte, kam heraus, dass der Mann ein psychisch kranker Deutscher war, der ein wenig Tastenklimpern konnte. Nachdenken, ja? Hysterie ist zwar unterhaltsam, nervt aber auf einem seriösen Nachrichtenportal wie Spiegel - Online. Trotzdem danke für die hohe journalistische Qualität der meisten Beiträge!
Mir kommt die Geschichte auch unwahrscheinlich vor. War das Auto wirklich so tief eingeschneit, dass er nicht mehr herausklettern konnte? Das kann ich mir nicht vorstellen. Und ausgerechnet im Handy-Land Schweden hatte er kein funktionsfähiges Mobiltelefeon dabei? Aber andererseits: Wenn jemand 20-30 kg Übergewicht hat, kann er durchaus acht Wochen ganz ohne Nahrung auskommen. Natürlich wird er am Schluss in keinem besonders guten Zustand sein, aber möglich ist das schon. In den 1960er Jahren hat ein Mann mit 200 kg Ausgangsgewicht im Rahmen eines Experimentes ein Jahr lang ganz auf feste Nahrung verzichtet, nur Wasser und Vitamine zu sich genommen: Warum manche Menschen nicht dick werden 2/5 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=aBj7C93tx2Y) Am Ende hatte er 125(!) kg abgenommen.
alexreil 20.02.2012
4. Da gibt es noch was zu bedenken...
Zitat von JasroMir kommt die Geschichte auch unwahrscheinlich vor. War das Auto wirklich so tief eingeschneit, dass er nicht mehr herausklettern konnte? Das kann ich mir nicht vorstellen. Und ausgerechnet im Handy-Land Schweden hatte er kein funktionsfähiges Mobiltelefeon dabei? Aber andererseits: Wenn jemand 20-30 kg Übergewicht hat, kann er durchaus acht Wochen ganz ohne Nahrung auskommen. Natürlich wird er am Schluss in keinem besonders guten Zustand sein, aber möglich ist das schon. In den 1960er Jahren hat ein Mann mit 200 kg Ausgangsgewicht im Rahmen eines Experimentes ein Jahr lang ganz auf feste Nahrung verzichtet, nur Wasser und Vitamine zu sich genommen: Warum manche Menschen nicht dick werden 2/5 - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=aBj7C93tx2Y) Am Ende hatte er 125(!) kg abgenommen.
Man kann durchaus nur mit der Zufuhr von Wasser so lange überleben. Das ist keine Frage. Aber nicht wenn man nur Schnee isst. Der Schnee dehydriert den Körper, er würde trotz des Schnee essens verdursten!
sliasthorp 20.02.2012
5. Seltsame + überbewertete Geschichte
Zitat von dg19deNiemand überlebt zwei Monate im schwedischen Winter in einem Auto ohne Nahrung. So ein Blödsinn. Egal wie dick der Schlafsack ist und egal wie nährstoffreich der Schnee vom Autodach ist, das überlebt niemand. Erinnert sich noch jemand an den "Meisterpianisten", der in England aus dem Meer gezogen wurde und wochenlang nicht sprach, dafür angeblich unfassbar gut Klavier spielen konnte? Nachdem sich die übliche Hysterie gelegt hatte, kam heraus, dass der Mann ein psychisch kranker Deutscher war, der ein wenig Tastenklimpern konnte. Nachdenken, ja? Hysterie ist zwar unterhaltsam, nervt aber auf einem seriösen Nachrichtenportal wie Spiegel - Online. Trotzdem danke für die hohe journalistische Qualität der meisten Beiträge!
Der Mann ist ja offenbar verwirrt oder exzentrisch. Die Bevölkerung von Gegenden mit starken Wintern befolgt meistens strikten Vorsichtsmaßnahmen bei Autofahrten. Dazu gehören Proviant, ein mindestens halbvoller Tank, ein aufgeladenes Handy usw. Sicherlich hatte der Mann einen guten Schlafsack und ein wenig Essen bei sich, aber wieso befährt er eine einsame Nebenstraße? Und war er in den ersten Tagen tatsächlich nicht in der Lage, sich aus dem Auto zu befreien und 1 1/2 km zu Fuß zur Hauptstraße zurückzukehren? Das klingt stark stark danach, als ob der Mann nicht wegen der Witterung dort gestrandet ist.
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