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Geplante Koranschändung Gewaltsame Proteste in Malmö nach Einreiseverbot für islamfeindlichen Politiker

In Schweden ist es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen, nachdem ein rechtsradikaler Politiker nicht aus Dänemark einreisen durfte. Er hatte 2019 einen in Schinken eingewickelten Koran verbrannt.
Proteste im südschwedischen Malmö

Proteste im südschwedischen Malmö

Foto: AP

Der Jurist Rasmus Paludan ist Gründer der einwanderungsfeindlichen Partei "Strammer Kurs", die unter anderem für ein Verbot des Islam in Dänemark plädiert. In seiner Heimat wurde der 38-Jährige wegen Verstoßes gegen den sogenannten Rassismusparagrafen rechtskräftig verurteilt und mit einem dreijährigen Berufsverbot als Anwalt belegt.

Jetzt hat der rechtsradikale Politiker auch in Schweden für Ärger gesorgt: In Malmö kam es am Freitag zu Unruhen, nachdem Berichte die Runde gemacht hatten, eine Koranausgabe sei bei einer illegalen Kundgebung geschändet worden.

Etwa 300 Menschen hatten im Einwandererviertel Rosengard Autos und Reifen in Brand gesetzt und die Polizei und Rettungskräfte mit Steinen beworfen. Die Erregung der Menge steigerte sich, als es hieß, ein Koran sei verbrannt worden. Die Demonstranten attackierten die Beamten mit Steinen und zündeten Reifen an, mehrere Polizisten wurden verletzt. Zehn bis 20 Menschen seien vorübergehend festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Patric Fors der Nachrichtenagentur AFP. Inzwischen seien alle wieder auf freiem Fuß. Die Ordnung sei am frühen Samstagmorgen wieder hergestellt worden.

"Eine Gefahr für die Gesellschaft"

Rasmus Paludan hatte zuvor angekündigt, an einer Demonstration teilnehmen zu wollen, bei der auch ein Koran geschändet wurde. Die schwedischen Behörden verhinderten dies aber mit der Begründung, dass gegen ihn ein zweijähriges Einreiseverbot verhängt worden sei. In der Nähe von Malmö wurde Paludan festgenommen.

"Wir sind davon ausgegangen, dass er in Schweden gegen das Gesetz verstoßen wird", sagte ein Sprecher der Polizei Malmö der Nachrichtenagentur AFP. Zudem bestehe die Gefahr, dass sein Verhalten "zu einer Gefahr für die Gesellschaft werden könnte". Im vergangenen Jahr hatte Paludan für Empörung gesorgt, als er einen in Schinken eingewickelten Koran verbrannt hatte.

Der Malmöer Polizeichef Stefan Sinteus erklärte, die Polizei untersuche die Vorfälle. Sie arbeite mit den Religionsgemeinschaften und anderen Gruppen zusammen, um sicherzustellen, dass sich jeder sicher fühlen könne.

Anmerkung der Redaktion: Aus der ersten Version des Textes ging nicht klar hervor, wer sich an den Demonstrationen in Malmö beteiligt hat. Wir haben die Details angepasst. 

ala/dpa/AFP