Schwedische Regierung Neue "Estonia"-Untersuchung denkbar

Die schwedische Regierung will Konsequenzen aus den jüngsten privaten Tauchgängen zum Wrack der Ostseefähre "Estonia" ziehen. An dem Schiffsrumpf waren ein Loch und Leichen entdeckt worden.


Die Ostseefähre "Estonia" sank im September 1996
DPA

Die Ostseefähre "Estonia" sank im September 1996

Stockholm - Schwedens Ministerpräsident Göran Persson kündigte im Fernsehen gemeinsame Überlegungen mit allen Parlamentsparteien an, um das weitere Vorgehen zu planen. Gewerbeministerin Mona Sahlin sagte der Stockholmer Zeitung "Aftonbladet" es sei für die Behörden "völlig neu", dass Opfer der Schiffskatastrophe von vor sechs Jahren außerhalb des Wracks der "Estonia" am Meeresboden liegen. Sie wollte eine neue Untersuchung des Unglücks nicht ausschließen.

Sahlin verlangte von den Initiatoren des jüngsten Tauchgangs, den schwedischen Stellen umgehend die unter Wasser gemachten Videoaufnahmen zur Verfügung zu stellen, um die Stichhaltigkeit der Behauptung zu klären. Auf dem Film sind nach Angaben der deutschen Journalistin Jutta Rabe sechs bis acht Leichen und die Umrisse eines Loches im Rumpf zu erkennen.

Sprecher der Schifffahrtsbehörden in Stockholm äußerten sich skeptisch zu den Angaben über das angeblich gesichtete Leck an der Steuerbordseite der Schiffswand - etwa 20 Meter vom Bugvisier - entfernt. Die Existenz eines solchen Loches wurde immer wieder bei Theorien über eine Bombenexplosion vor dem Untergang des Schiffes bei einem nächtlichen Herbststurm ins Feld geführt. Nach amtlicher Auffassung führten Konstruktions- und Baufehler am Bugvisier zu dem Unglück auf dem 1981 von der Papenburger Meyer-Werft fertig gestellten Schiff. Die Werft lehnte am Wochenende jede Stellungnahme zu dem Tauchunternehmen ab.

Beim Untergang der zwischen Estland und Schweden verkehrenden Ostseefähre am 28. September 1994 waren 852 Reisende ertrunken. Im Wrack werden die Leichen von mehr als 700 Opfern vermutet.



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