Ukrainisches EM-Orakel Funtik, das Tippschwein

Krake Paul aus Oberhausen hat einen Erben: Ein Schwein namens Funtik soll in Kiew den Ausgang der EM-Spiele vorhersagen. Der 380-Kilo-Eber sei "ein Kenner des Fußballs und ein Prophet", heißt es.
380-Kilo-Eber Funtik aus Kiew: "Ein Kenner des Fußballs und ein Prophet"

380-Kilo-Eber Funtik aus Kiew: "Ein Kenner des Fußballs und ein Prophet"

Foto: Kyiv Fan Zone

Wenn ab dem 8. Juni Tausende Fußballfans an Boutiquen und Juwelier-Läden auf Kiews Prachtmeile Kreschschatik vorbei zu den flimmernden LED-Wänden in der Fan-Zone der ukrainischen Hauptstadt ziehen, erwartet sie ein echter Schweinestall. Hausherr Funtik, ein ukrainischer Eber mit 380 Kilogramm Lebendgewicht und einem laut Organisationskomitee der Europameisterschaft "guten und fröhlichen Charakter", wird an Spieltagen vor seinen Stall auf der Fan-Zone wackeln.

Dann muss Funtik, der auf seiner Schweinefarm im Gebiet Poltawa bislang vor allem durch seinen gesegneten Appetit auffiel, ungewohnte Seherqualitäten beweisen. Der Eber sei "ein Kenner des Fußballs und ein Prophet", heißt es. Funtik hat an Spieltagen die Wahl: Gegen 16 Uhr wird dem Eber Futter auf zwei Tellern mit den Fahnen der antretenden Mannschaften kredenzt.

Die Ukraine hofft darauf, mit Funtik, dem Tippschwein, an den Erfolg von Orakel-Krake Paul anknüpfen zu können. Paul, ein Oktopus aus dem Oberhausener Sealife-Aquarium, tippte während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika die Partien mit deutscher Beteiligung und das Finale - und lag mit allen Vorhersagen richtig.

Funtiks Name allerdings nährt Zweifel, ob das Orakel-Schwein den psychischen Belastungen gewachsen sein wird, die seine neue Aufgabe mit sich bringt. "Ferkel Funtik ist nicht zu fassen" hieß in den achtziger Jahren der Name einer Zeichentrickserie in der Sowjetunion. Sie handelte von einem kleinen Schweinchen, das als Jahrmarktattraktion auftrat und für seine Herrin, die böse Madame Belladonna, unbescholtenen Bürgern Geld aus der Tasche zog, vorgeblich um "obdachlosen Kindern" zu helfen.

"Ich mach das nicht mehr mit, ich werde die Leute nicht mehr betrügen", heulte Ferkelchen Funtik in dem Film - und nahm Reißaus. Angesichts von Absperrgittern und massiver Polizeipräsenz ist seinem 380 Kilo schweren Namensvetter bei der EM dieser Fluchtweg wohl versperrt.

Sollten sich Funtiks Tipps zudem als wenig treffsicher erweisen, könnte ihn unter den Ukrainern, deren Vorliebe für Salo-Speck und Schaschlik berüchtigt ist, eine zügige Anschlussverwendung ereilen.