Schweinegrippe Mediziner suchen nach "Patient null"

Sie gelten als erste Opfer der Schweinegrippe: Der fünfjährige Edgar wird von mexikanischen Behörden als "Patient null" bezeichnet - inzwischen geht es ihm wieder gut. Auch Maria Adela Gutiérrez war infiziert. Als Steuerfahnderin hatte sie Kontakt zu Hunderten Menschen - inzwischen ist sie tot.

Hamburg - Es ist die Suche nach dem Ursprung des Übels: Maria Adela Gutiérrez und Edgar Hernández gelten als die ersten Opfer der Schweinegrippe in Mexiko. Ihre Krankheitsgeschichten sollen Aufschluss darüber geben, wie sich das Virus binnen kürzester Zeit hat ausbreiten können. Es ist die Geschichte zweier Kranker - aber auch die Geschichte des Versagens des mexikanischen Gesundheitssystems, das über Wochen nicht angemessen reagierte.

Edgar Hernández lebt gemeinsam mit seiner Mutter und seinem drei Jahre alten Bruder Jonathan in einer ärmlichen Baracke in La Gloria, einem 2500-Einwohner-Dorf im Staat Veracruz. Inzwischen, so schreiben verschiedene Zeitungen, geht es dem Jungen gut - obwohl Ärzte bei ihm den tödlichen H1N1-Erreger der Schweinegrippe nachgewiesen hatten.

"Ich habe keine Antworten auf all die Fragen"

"Wir haben ihn nie isoliert", sagte seine Mutter Maria del Carmen Hernández der "Los Angeles Times". "Wir haben immer alle in einem Bett geschlafen und er hat seinen Bruder auch zur Begrüßung geküsst. Wir haben die ganze Zeit zusammengelebt und niemand hat sich angesteckt."

Edgar hustet noch, ansonsten, so beteuert er, gehe es ihm wieder gut. Ende März sei er erkrankt, schreibt die "Washington Post". Rund 800 Menschen litten in dem Ort und seiner Umgebung im Frühjahr unter Grippesymptomen. Zwei Kleinkinder starben. Edgar sei jedoch der einzige der 35 nachträglich Getesteten, bei dem das Virus nachgewiesen werden konnte. Da aber nur eine geringe Anzahl der Erkrankten untersucht wurde, ist durchaus denkbar, dass sich weitere Menschen in La Gloria mit der Schweinegrippe infizierten.

Der mexikanische Gesundheitsminister José Angel Córdova sagte, man habe zur Zeit der Epidemie in La Gloria im Frühjahr noch nichts vom Schweinegrippe-Virus gewusst. Sobald der Erreger bekannt geworden wäre, habe man einige Erkrankte aus La Gloria daraufhin untersucht. Das Dorf wurden desinfiziert.

"Ich habe keine Antworten auf all die Fragen", sagte Edgars Mutter Maria del Carmen der "Washington Post". "Mir geht es sehr schlecht, weil die Leute denken, mein Sohn sei schuld an der Katastrophe. Ich denke, niemand ist schuld daran."

In der Umgebung des Dorfes gibt es zahlreiche Schweinefarmen - für die Menschen in La Gloria steht fest, dass sie die Bewohner krank machen. Die unbedeckten Güllegruben trockneten in der Sonne aus und der heiße Wind blase den Mist durch die umliegenden Ortschaften.

Die Forscher halten es dagegen für wahrscheinlicher, dass sich zunächst Menschen infizierten, die mit den Tieren direkten Kontakt hatten und das Virus dann auf andere Menschen übertrugen. Auf den Farmen rund um La Gloria wurde der Erreger allerdings nicht nachgewiesen. Auch arbeitet keiner von Edgars Verwandten auf den Höfen. Eine Antwort auf die Frage, wie sich der Junge anstecken konnte, gibt es derzeit nicht.

Fest steht, dass in La Gloria und den umliegenden Orten viele Menschen leben, die zum Arbeiten in die USA oder nach Mexiko Stadt pendeln. Es ist auch denkbar, dass ein Arbeiter das Virus aus den Vereinigten Staaten eingeschleppt hat.

Der Fall Gutiérrez

Nach vier Tagen, berichtete die Mutter von Edgar der "Washington Post", sei die Krankheit bei ihrem Sohn genauso plötzlich verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Das Fieber war vorbei, die Schmerzen auch. Edgar fühlt sich inzwischen wieder gut, auch die Ärzte, die ihn regelmäßig untersuchen, bestätigen dies. Einer von ihnen beteuert noch immer, Edgar sei nie an der Schweinegrippe erkrankt - auch wenn die Labortests in den USA etwas anderes ergeben haben.

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage, wie sich die Schweinegrippe derart schnell ausbreiten konnte, ist auch der Fall von Maria Adela Gutiérrez in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Sie gilt als erste Patientin, die an der Krankheit starb.

Die 39-Jährige arbeitete als Kontrolleurin für die Steuerbehörde - sie ging von Tür zu Tür und überprüfte die Angaben. Mit rund 300 Menschen soll sie so nach ihrer Infizierung in Kontakt gekommen sein. Von ihnen weisen 33 bis 61 Grippesymptome auf, schreibt der "Independent".

Am 8. April wurde Gutiérrez laut dem Bericht in das Krankenhaus von Oaxaca eingewiesen. Sie starb fünf Tage später. Sie litt unter akuter Atemnot und schweren Durchfällen, die Symptome wurden durch ihre Diabetes verschlimmert. Erst drei Wochen nach ihrem Tod wurde das Virus identifiziert. Erst am 21. April gab die Klinik bekannt, dass es dort eine infektiöse Krankheit gegeben hatte. In der Zwischenzeit war ein weiterer Patient gestorben.

Das Schweinegrippe-Virus

han
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