Schweizer Berge Skilift stürzt ab - ein Deutscher tot

Ein Seil sprang aus der Führung, Sitze stürzten ab: Bei einem Unfall mit einer Sesselbahn im Berner Oberland ist ein Deutscher getötet worden. Drei weitere Menschen erlitten Verletzungen. Wegen extremen Windes gab es bei der Bergung der Opfer große Probleme.


Bern - Der Unfall ereignete sich gestern im Skigebiet Kleine Scheidegg im Berner Oberland. Ein Sprecher der Bahn sagte im Schweizer Fernsehen, ein Seil sei aus der Führung gesprungen und habe einige Sessel auf den Boden geschleudert.

Die Unglücksursache könnte ein schwerer Föhnsturm sein. Das vermuten die Untersuchungsbehörden. "Wir gehen davon aus, dass der Wind ursächlich eine Rolle gespielt hat", sagte Joseph Zeder, der Untersuchungsleiter der Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe des Bundes (UUS). Es gebe bisher keine Hinweise auf eine technische Ursache.

Nach den ersten Erkenntnissen entgleiste das Seil der Bahn beim Mast Nummer 11. Die Bahn stoppte automatisch, und das Seil fiel zunächst wie vorgesehen in den Seilfänger. Danach entgleiste das Seil jedoch vollständig und stürzte ab. Der Sessel des bei dem Unfall getöteten Deutschen und der schwerverletzen deutschen Touristin prallte auf den Boden. Warum das Seil aus dem Seilfänger fiel, soll nach den Worten Zeders nun unter anderem eine Untersuchung der Rollenbatterie ergeben.

"Seit 2002 sind die Sicherheitsstandards für Seilbahnen europaweit geregelt", sagte der Vorsitzende des Verbandes deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS), Peter Huber. "Allerdings: Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren." Seilbahnen zählten jedoch zu den sichersten Verkehrsmitteln. Nach den Worten der Sprecherin des TÜV Süd, Heidi Hagenreiner, zählen die Seilbahnen in Europa jährlich mehr als eine Milliarde Passagiere. Unfälle seien selten. So gut wie nie komme es vor, dass ein Seil reißt.

Erste Untersuchungen nach dem Unglück in der Schweiz hatten ergeben, dass in etwa 2000 Meter Höhe zwischen Eiger und Lauberhorn ein Sturm mit einer Stärke von etwa 90 Kilometern pro Stunde blies. So soll es auch erhebliche Probleme gegeben haben, als ein Hubschrauber die Unfallopfer aufnehmen sollte. Die übrigen Passagiere der Bahn wurden von Bergführern abgeseilt. Nach Angaben des Direktors der Schweizer Jungfraubahnen, Walter Steueri, ist es jedoch noch offen, ob der Wind wirklich Ursache für den Unfall war.

Wie der VDS-Vorsitzende betonte, ist Sturm "ein Thema, mit dem sich jeder Bahnbetreiber intensiv beschäftigt". TÜV-Sprecherin Hagenreiner verwies auf Betriebsvereinbarungen mit entsprechenden Daten und Vorschriften für jede Seilbahn. So sei auch jede Seilbahn doppelt gesichert. Dazu gehöre der Seilfänger, der bei einer Entgleisung 25 Zentimeter tiefer Schutz bieten solle. In Deutschland gebe es zudem einmal jährlich eine Überprüfung, die zwischen einem Tag und drei Tagen dauere. Allein der TÜV Bayern untersuche jedes Jahr 120 Seilbahnen und 800 Schlepplifte.

kai/AP/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.