Schwere Schäden in Alaska und Japan Erdbebenserie erschüttert die Welt

Glück für die Bewohner Nordamerikas: Bei einem der schwersten Erdbeben in der Geschichte der USA gab es keine Todesopfer. Der Erdstoß mit einer Stärke von 7,9 ereignete sich in einem dünn besiedelten Gebiet Alaskas. Auch in Japan und Italien bebte erneut die Erde.


Erdölleitung in Alaska: Nach dem schweren Erdbeben musste eine Pipeline komplett abgeschaltet werden.
AP

Erdölleitung in Alaska: Nach dem schweren Erdbeben musste eine Pipeline komplett abgeschaltet werden.

Anchorage/Tokio/Campobasso - Nur einen Leichtverletzten melden die offiziellen Stellen in Alaska: Eine 76-jährige Frau brach sich den Arm, als sie aus ihrem Haus flüchten wollte. Die Schockwellen waren noch 4800 Kilometer entfernt in New Orleans zu spüren. In Seattle wurden von den Erschütterungen am Lake Union einige Hausboote von ihren Anlegestellen losgerissen und beschädigt, als sie an die Hafenmauer schlugen. Verletzt wurde hier niemand.

Allerdings gibt es erhebliche Schäden an der Infrastruktur Alaskas. Das Beben riss zwei Meter breite Spalten in die Autobahnen, viele Straßen sind wegen Steinschlags nicht passierbar. Außerdem wurden Erdölleitungen beschädigt. An fünf Stellen brachen den Pipelines die Stützen weg, an acht weiteren wurden die Längsträger in Mitleidenschaft gezogen, so ein Sprecher der betroffenen Gesellschaft. Der Öltransport über die gut 1300 Kilometer lange Leitung habe abgeschaltet werden müssen; die Rohre hingen nun streckenweise durch. Reparaturteams arbeiteten daran, den Druck auf die Leitung zu verringern.

Wie die US-Erdbebenwarte in Golden im US-Bundesstaat Colorado mitteilte, lag das Epizentrum im dünn besiedelten Landesinneren Alaskas rund 150 Kilometer südlich von Fairbanks im Delani-Graben. Da es sich in geringer Tiefe ereignete, reichten die Erschütterungen bis in den Süden der USA, erklärte der Geophysiker John Lahr. "Dieses Erdbeben war flach, und seine Energie ging direkt in die Oberfläche", erklärte sein Kollege Dale Grant. "Deswegen war es so weit entfernt zu spüren."

Riss in der Straße nach einem Erdbeben in Japan im vergangenen Jahr: "An den Erdplatten knirscht und kracht es fast ununterbrochen."
DPA

Riss in der Straße nach einem Erdbeben in Japan im vergangenen Jahr: "An den Erdplatten knirscht und kracht es fast ununterbrochen."

Mittelstarke Erdbeben wurden auch im Mittleren Westen der USA sowie in Indonesien und Pakistan gemessen. In Japan bebte die Erde am Montag mit Stärke 5,7. Auch hier blieb es bei Sachschäden. Auf der südlichen japanischen Hauptinsel Kyushu gingen vereinzelt Fensterscheiben zu Bruch. Bereits am Vortag hatten zwei stärkere Erdbeben den Nordosten Japans erschüttert, dabei war eine Frau leicht verletzt worden. Laut Behördenangaben lag das Zentrum des neuen Bebens in rund 35 Kilometer Tiefe unter dem Meeresboden vor der Stadt Hyuga in der Präfektur Miyazaki. Flutwellen wurden jedoch nicht erwartet.

In Mittelitalien begann am Montag das große Aufräumen, begleitet von mehreren Nachbeben. In der Provinzhauptstadt Campobasso blieben die kommunalen Ämter und Büros geschlossen. Nach einer Bilanz des Zivilschutzes wurden mehr als 5550 Menschen in 30 Gemeinden um Campobasso obdachlos.

In Pakistan brachte laut Rundfunkmeldungen die Armee mit Hubschraubern Nahrung und Hilfsgüter in die vom Erdbeben zerstörten Dörfer in der Himalaya-Region. Mindestens zehn Menschen waren getötet und etwa 1500 obdachlos geworden, als Erdstöße am Samstag den Norden des Landes sowie die indonesische Insel Sumatra heimgesucht hatten.

San Giuliano di Puglia: Vor allem Kinder starben, als ein Erdbeben in Italien am 31. Oktober ein Schulgebäude zum Einsturz brachte.
AFP

San Giuliano di Puglia: Vor allem Kinder starben, als ein Erdbeben in Italien am 31. Oktober ein Schulgebäude zum Einsturz brachte.

Allein in der vergangenen Woche kamen damit weltweit 48 Personen durch Erdbeben ums Leben. Vor allem der Tod von 26 italienischen Kindern, deren Schule in Folge eines Erdbebens zusammenbrach, erregte weltweit Aufsehen.

Die Seismologen geben jedoch Entwarnung: Die weltweite Häufung heftiger Beben der vergangenen Tage sei reiner Zufall, so der Geophysiker Klaus-Günther Hinzen von der Universität Köln. "Das, was passiert ist, ist ganz normal", erklärte der Leiter der Erdbebenstation Bensberg. Es bestehe kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den Beben in Sumatra und Alaska. "Die Ursache liegt einfach darin, dass die Erde ein sehr bewegter Planet ist", sagte Hinzen. "An den Erdplatten knirscht und kracht es fast ununterbrochen."



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