Schwere Unwetter Neues Sturmtief bedroht Norddeutschland

Eine gigantische Unwetterfront hat in weiten Teilen Deutschlands immense Schäden angerichtet. Der Ort Micheln in Sachsen-Anhalt wurde durch eine Windhose verwüstet - Hunderte Häuser wurden abgedeckt. Mehrere Menschen wurden verletzt. In Bayern kam ein Mann ums Leben. Und das nächste Sturmtief ist bereits angekündigt.

Dessau - Mit orkanartigen Böen fegte die Unwetterfront über weite Teile Deutschlands hinweg und richtete immense Schäden an. Umgestürzte Bäume versperrten Straßen, Häuser wurden abgedeckt. Besonders schlimm traf es den Ort Micheln: Mindestens sechs Menschen wurden verwundet, die meisten durch umherfliegende Glassplitter. Ein Mann wurde so stark gegen eine Hauswand geschleudert, dass er schwere Verletzungen erlitt. 275 Häuser - das sind etwa 70 Prozent der Gebäude - wurden durch den Sturm beschädigt. Im Ortsteil Trebbichau sind rund 45 Prozent der Häuser betroffen. Sechs Gebäude sind vorerst nicht mehr bewohnbar.

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Unwetter: Regengüsse, Windhosen, leere Biergärten

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Beide Ortschaften waren zeitweilig unpassierbar. Die Stromversorgung und das Telefonnetz brachen zusammen. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Aufräumarbeiten dauerten an.

Auch die schleswig-holsteinische Kleinstadt Marne wurde stark getroffen: Innerhalb von nur drei Minuten richtete ein Tornado verheerende Schäden an. "Das sah hier aus wie nach dem Krieg", sagte Feuerwehrchef Erich Hinrichs. Die Windhose deckte das Dach einer Grund- und Hauptschule ab und beschädigte eine Turnhalle. Bei einer Realschule sei das komplette Dach angehoben und wieder abgesetzt worden. Dachziegel wurden vom Sturm auf Autos geschleudert. An mehreren Häusern wurden Schaufensterscheiben eingedrückt.

Bei 14 Wohnhäusern deckte die Windhose die Dächer ab. Zahlreiche Bäume wurden umgeknickt, Parkanlagen verwüstet. Glück im Unglück: In Marne wurden keine Menschen verletzt.

Auch in Bayern wütete das Unwetter. Auf dem Chiemsee kenterte ein Segelboot, ein 62-jähriger Mann ertrank.

Unterdessen warnt der Deutsche Wetterdienst bereits vor dem nächsten Sturm: Heute werden an den Nordseeküste orkanartige Böen bis Stärke elf (vereinzelt bis 115 Stundenkilometer) erwartet. Vor allem in der Nordhälfte Deutschlands und in Höhenlagen sagen die Meteorologen stürmischen Westwind voraus. Teils können schwere Sturmböen auftreten.