Ausfälle im Verkehr Schwerer Herbststurm trifft Großbritannien

Es ist einer der heftigsten Stürme seit Jahren, der derzeit über Großbritannien hereinbricht, mit Starkregen, Orkanböen und Flutgefahr. Dutzende Flüge wurden abgesagt, der Bahnverkehr ist mitten in der Rushhour lahmgelegt. Das Unwetter trifft auch Frankreich und Deutschland.


London - Über den Süden Großbritanniens ist einer der stärksten Herbststürme der vergangenen Jahre gezogen. Der Wind fegte laut Wetterdiensten mit Geschwindigkeiten von bis zu 160 Kilometern pro Stunde über die britischen Inseln. Es kam zu erheblichen Behinderungen und Ausfällen im Nah- und Fernverkehr.

Am Londoner Flughafen Heathrow fielen 130 Flüge aus, Reisende sollen sich auf weitere Verzögerungen einstellen. Fährbetreiber sagten Fahrten über den Ärmelkanal und nach Irland ab. Rund um London kündigten Bahngesellschaften an, den Betrieb bis 9 Uhr einzustellen. "Wenn wir bis Dienstag wieder einen ordentlichen Service hinbekommen, bin ich ganz froh", sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft Network Rail.

Zwei Fähren mit mehr als 400 Menschen an Bord hingen vor Dover auf dem Ärmelkanal fest, weil sie nicht in den Hafen einlaufen konnten, wie die Hafenverwaltung von Calais mitteilte. Die Situation sei aber vollständig unter Kontrolle. Der Betrieb des Eurostar-Zugs, der unter dem Ärmelkanal verkehrt, wurde am Morgen wieder aufgenommen.

Fotostrecke

10  Bilder
Herbststurm in Großbritannien: Raue Küste
Der meteorologische Dienst Met Office warnte, dass sich seit Sonntagabend heftiger Regen über den Süden Englands ergieße. In Tausenden Haushalten fiel der Strom aus. Teilweise drohten Überschwemmungen. Die zweithöchste Alarmstufe wurde ausgerufen und die Bevölkerung aufgefordert, am Vormittag das Haus möglichst nicht zu verlassen.

An der Küste in Sussex wird ein 14-jähriger Junge vermisst, der von der aufgepeitschten Brandung ins Meer gerissen wurde. Die Polizei forderte die Bürger in der Grafschaft im Süden Englands auf, die Küste zu meiden, bis der Wind wieder abgeflaut ist. In der Ortschaft Hever im Süden Englands starb eine 17-Jährige, weil ein Baum auf das Haus ihrer Familie stürzte.

Hunderte Einsätze für Feuerwehr

Im Nordwesten Frankreichs waren am Morgen etwa 75.000 Haushalte ohne Elektrizität, weil umstürzende Bäume Stromleitungen umgerissen hatten. Vor allem in Gebieten nahe der Küste war der Sturm mit bis zu 140 Kilometern pro Stunde über das Land gefegt. Die Feuerwehr musste bereits am Sonntagabend 350-mal ausrücken, doch wurden bisher keine Verletzten oder schwere Schäden gemeldet.

Auch an der deutschen Nordseeküste wird mit Orkanböen gerechnet. Der Deutsche Wetterdienst gab für Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine Unwetterwarnung aus und warnte vor umstürzenden Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Störungen im Schienen- und Straßenverkehr.

Laut dem Met Office gab es zuletzt 2002 ein derart schweres Unwetter in Großbritannien. Eine Wiederholung des "Großen Sturms" von 1987, als 15 Millionen Bäume umstürzten und 18 Menschen ums Leben kamen, wird aber nicht erwartet. Auch Dänemark und Schweden gaben zumindest für den Nachmittag Sturmwarnungen heraus.

hut/AP/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.