Perugia Schweres Erdbeben erschüttert Mittelitalien - Gebäude eingestürzt

Erneut hat ein schweres Erdbeben Mittelitalien getroffen - zahlreiche Menschen wurden verschüttet, es gab Dutzende Verletzte. Das Zentrum des Bebens liegt südöstlich von Perugia.

DPA/ EPA/ ITALIAN ARMY

Erst vor wenigen Tagen hatte in der Mitte Italiens die Erde gebebt - nun gab es in der Nähe der Stadt Perugia wieder schwere Erschütterungen. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke zunächst mit 7,1 an, korrigierte sich jedoch wenig später auf 6,6. Einen vergleichbaren Wert hatte auch das Helmholtz-Zentrum in Potsdam am Sonntagmorgen ermittelt.

In den betroffenen Gebieten liefen Menschen in Panik auf die Straße, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Wie die Behörden mitteilen, stürzten in mehreren Orten Gebäude ein. Berichte über Todesopfer liegen laut Zivilschutz-Chef Fabrizio Curcidem bisher nicht vor, es gab aber einige Dutzend Verletzte. Diese würden meist per Hubschrauber in Krankenhäuser gebracht, auch weil zahlreiche Straßen noch nicht wieder komplett passierbar sind.

Drei Menschen wurden in der Stadt Tolentino bei Macerata lebend aus den Trümmern gerettet. Sie hätten unter Schutt gelegen, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa am Sonntagmorgen.

Das Beben sei auch deutlich und lange in der Region Umbrien und in Städten wie Florenz und Ancona - vor allem in oberen Stockwerken - zu spüren gewesen. "Es war ein sehr starker Erdstoß", sagte Cesare Spuri, ebenfalls vom Zivilschutz. "Uns wurden Einstürze in Muccia, Tolentino (...) gemeldet."

Die Telefonleitungen in dem betroffenen Gebiet sind derzeit unterbrochen. Bei Twitter gibt es Berichte von Augenzeugen, die in dem Ort Norcia den Einsturz der historischen Basilika St. Benedikt dokumentieren.

Im britischen "Guardian" wird der Bürgermeister der Gemeinde Castelsantangelo zitiert. Er hat nach eigenen Angaben mit zahlreichen Menschen in dem Ort gesprochen: "Sie sagen, dass Häuser kollabiert sind, es ist eine Katastrophe. Der Boden ist aufgebrochen, überall Rauch." Nach Angaben aus der betroffenen Region hätten viele Menschen als Reaktion auf die Beben der vergangenen Tage allerdings nicht in ihren Häusern geschlafen, sondern in Autos, Zelten oder bei Verwandten in sicheren Gebieten.

Betroffenes Gebiet um Norcia (Markierung)
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Betroffenes Gebiet um Norcia (Markierung)

Das Zentrum des Bebens um 7.40 Uhr habe 68 Kilometer südöstlich von Perugia gelegen, so die Experten. Über die Tiefe gab es zunächst widersprüchliche Angaben, derzeit ist offenbar von nur zehn Kilometern auszugehen.

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Wieder Erdbeben in Italien: Eine Region in Trümmern

Nach dem Beben, das auch in Rom deutlich zu spüren war, sind vorübergehend die zwei zentralen Metrolinien A und B in der Hauptstadt gestoppt worden. Es gebe technische Überprüfungen nach dem Vorfall, war auf der Internetseite der Verkehrsgesellschaft Atac zu lesen. Den Angaben zufolge gab es auch Verzögerungen im Zugverkehr.

Besonders gefährdete Region

Bei dem Beben am vergangenen Mittwoch hatte es in der Region Umbrien einen Toten und massive Beschädigungen an Gebäuden gegeben. Insgesamt sprachen die Rettungskräfte aber von einem vergleichsweise glimpflichen Ablauf. Ganz anders sah das bei dem Erdbeben vom 24. August aus, als im selben Gebiet 298 Menschen ums Leben gekommen sind.

Das mittlere Italien ist eine derjenigen Regionen in Europa, die besonders häufig von schweren Erdstößen heimgesucht werden. Immer wieder trifft es die bergige Gegend in den Abruzzen. Grund für die Beben sind riesige Spannungen, die sich im Untergrund aufbauen. Denn der "Adriatische Sporn" - ein Anhängsel der afrikanischen Erdplatte - reibt sich hier an der eurasische Platte. Auch deshalb haben sich Italiens Mittelgebirge aufgefaltet.

jok/Reuters/dpa



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