Schwitzen, schwitzen, schwitzen Deutschland droht im Juli Jahrhunderthitze

Was für ein Sommer: In Deutschland ist es subtropisch heiß - und so wird das auch bis in die nächste Woche bleiben. Der Juli hat gute Chancen, ein Rekordmonat zu werden.


Hamburg - Das Gefühl trügt nicht: In Deutschland ist es ungewöhnlich heiß, viel heißer als sonst zu dieser Jahreszeit. "Deutschlandweit liegen die Temperaturen vier bis sechs Grad über dem Mittel", sagt Thomas Globig vom Wetterdienst Meteomedia. So liege der bisherige Juli-Durchschnitt, in den die Temperaturen aller Tage und Nächte einfließen, beispielsweise in Hamburg bei 23 Grad statt der durchschnittlichen 17, in Dresden bei 23 statt 18 Grad und in Stuttgart bei 23 statt der durchschnittlichen 17,5 Grad.

"Man kann einen Vergleich zum Sommermärchen 2006 ziehen - sowohl bei den Temperaturen als auch bei den Sonnenstunden", so Globig über das aktuelle Wetter. Vor vier Jahren war der bisherige Juli-Rekord von 22 Grad im bundesweiten Durchschnitt erzielt worden. "Der Juli 2010 ist durchaus auf dem Weg, einer der wärmsten der vergangenen hundert Jahre zu werden", so der Meteorologe.

Tatsächlich bleibt es bis zur nächsten Woche hochsommerlich - mit ein paar kurzen Einbrüchen. "Wir erwarten ein Schaukelwetter auf sommerlichem Niveau. Es schwankt lediglich zwischen Sommertemperaturen der angenehmen Sorte und Extremtranspiration", sagt Globig.

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Sommermärchen Reloaded: Zwischen Sonne und Wasser
Am Montag war zunächst noch überall heiße Subtropenluft wetterbestimmend, vielfach schien die Sonne bei weitgehend nur wenigen Wolken, so dass es schnell heiß und schwül wurde. Am Vormittag meldete Meteomedia für weite Teile Deutschlands extreme Hitzebelastung. Für den Osten Deutschlands und die Region zwischen Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe galt die höchste Warnstufe - violett. In den neuen Bundesländern rechneten die Meteorologen mit Höchstwerten von 35 bis 38 Grad, lokal sogar bis zu 39 Grad. Lediglich im südlichen Bayern und im nördlichen Teil von Schleswig-Holstein ist die Hitzebelastung mäßig. Im Südwesten Deutschlands sollte es zunächst bis zu 35 Grad und sehr schwül werden - ein Vorbote der aufziehenden Gewitterfront.

Temperaturstürze von bis zu 14 Grad

"Bis in die Nacht hinein überquert ein Ausläufer des Tiefs Norina Deutschland und bringt Unwetter", so Globig. Teils heftige Gewitter, Starkregen, Hagel und orkanartige Böen seien möglich. Am Mittag gewitterte es bereits in Nordrhein-Westfalen. Dort kam es zu Temperaturstürzen von bis zu 14 Grad innerhalb weniger Minuten, wie in Grevenbroich bei Düsseldorf, wo die Werte von 34 auf 20 Grad fielen. Heftige Böen mit Geschwindigkeiten bis zu 119 Kilometern pro Stunde wurden aus dem äußersten Westen des Landes gemeldet. Die Unwetterfront zieht laut Meteomedia entlang des Rheins weiter gen Nordosten und sollte im Laufe des Tages noch Teile Niedersachsens und Hessens erreichen.

Für Dienstag rechnen die Meteorologen mit einem Süd-Nord-Gefälle. An der Nordsee sollen die Temperaturen um die 20 Grad sein, landeinwärts wird es wärmer, mit bis zu 30 Grad. In der Westhälfte kühlt es zwar merklich ab, bleibt mit 25 bis 29 Grad aber hochsommerlich warm bei einer Mischung aus Quellwolken und Sonnenschein. Vor allem im Süden und Osten sind dann bei großer Schwüle und bis zu 31 Grad noch örtlich heftige Gewitter möglich.

Am Mittwoch setzt sich das nächste Hoch durch und bringt eine neue Hitzewelle mit Temperaturen von 30 bis 35 Grad. Nachts ist mit einzelnen Gewittern zu rechnen. "Die Schwüle wird aber nicht ausgeräumt", so Globig. Und so können die Thermometer am Freitag noch mal auf 30 bis 35 Grad, im Osten Deutschlands sogar auf 37 Grad steigen. Am Samstag gehen die Temperaturen noch mal etwas runter, Schauer und Gewitter könnten aufziehen.

Bauern fürchten Einbußen bei der Ernte

Inzwischen klagen die Bauern über die anhaltende Hitze. Sie fürchten Umsatzeinbußen, falls die hohen Temperaturen noch länger andauern. Bei Getreidekulturen seien bundesweit schon Anzeichen einer sogenannten Notreife zu erkennen, teilte der Deutsche Bauernverband (DBV) im oberbayerischen Siegertsbrunn mit. Die Getreidekörner bleiben dann wesentlich kleiner. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sagte, die Prognose für die bundesweite Getreideernte sei in diesem Jahr hitzebedingt bereits um 2 Millionen Tonnen nach unten korrigiert worden - auf insgesamt 45 Millionen Tonnen.

Das erste Juli-Drittel war laut Deutschem Wetterdienst viel zu trocken. Ganze zwölf Liter Regen pro Quadratmeter sind seit Monatsanfang in Deutschland im Schnitt gefallen - das entspricht gerade 15 Prozent des Monatsmittels. Die Sonne dagegen schien bereits 120 Stunden. Das ist über die Hälfte des Monatswertes, der aus dem Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 ermittelt wurde.

Am Sonntagabend schlugen bei schweren Sommergewittern in Vorpommern zwei Blitze ein. Ein Blitz setzte laut Polizei ein Gebäude des Seniorenhauses der Arbeiterwohlfahrt in Tribsees im Landkreis Nordvorpommern in Brand. Die 35 Bewohner des Seniorenhauses konnten das Gebäude unverletzt verlassen und wurden im benachbarten Altenpflegeheim untergebracht. Der Schaden am Gebäude wurde auf über 500.000 Euro beziffert. Ein weiterer Blitz setzte ein mit Reed gedecktes Wohnhaus in Lüdershagen-Heide in Brand. Die 80-jährige Bewohnerin blieb unverletzt. Das Gebäude brannte den Angaben zufolge bis auf die Grundmauern ab, der Sachschaden wurde auf 50.000 Euro geschätzt.

siu/dpa

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