Migranten auf Rettungsschiff Italien lässt geflüchtete Familien an Land

65 Menschen hatte die Besatzung der "Sea-Watch 3" von einem Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Einige von ihnen lässt Italien jetzt an Land, die meisten müssen auf dem Schiff bleiben.

Ausharren auf der "Sea Watch" (Foto vom Januar)
AFP

Ausharren auf der "Sea Watch" (Foto vom Januar)


Einige Migranten an Bord des Rettungsschiffes der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch dürfen in Italien an Land. 18 der 65 Menschen könnten aussteigen, darunter sieben Kinder mit ihren anwesenden Eltern und ein kranker Mann, teilte Italiens Innenminister Matteo Salvini am Freitag mit.

Die "Sea-Watch 3" hatte die Geflüchteten am Mittwoch von einem Schlauchboot vor der libyschen Küste aufgenommen.

Italien will, dass das Schiff nach Tunesien fährt. Die "Sea-Watch 3" respektiere die Mahnung der Polizei und habe die Anweisung bekommen, Richtung Tunesien zu fahren, hieß es aus dem Innenministerium in Rom.

Salvini hatte zuvor klargemacht, dass das Schiff in Italien nicht anlegen dürfe. "Sie sind keine Retter, sondern Schlepper, und als solche werden sie behandelt. Für die Menschenhändler sind und bleiben die italienischen Häfen geschlossen", erklärte er mit Blick auf die Hilfsorganisation.

Das Schiff befand sich am Freitag laut Sea-Watch vor den Hoheitsgewässern der italienischen Insel Lampedusa. "Alle Menschen sind gleich und haben das Recht auf einen sicheren Hafen. Ist Italien dazu nicht bereit, muss die EU eine Lösung finden", twitterte die Organisation.

Mehrere Hilfsorganisationen hatten es bereits in der Vergangenheit abgelehnt, gerettete Migranten nach Tunesien zu bringen, weil ihnen dort Menschenrechtsverletzungen drohen würden.

EU hat die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer eingestellt

Die italienische Regierung hat seit vergangenem Sommer mehrfach Rettungsschiffe mit Migranten an Bord blockiert, um die Ankunft der Menschen in Italien zu verhindern. Mehrfach harrten die Helfer mit den Geretteten tagelang auf dem Meer aus, bis sich die europäischen Regierungen auf die Verteilung der Menschen auf unterschiedliche Staaten geeinigt hatten.

Im Januar musste die "Sea-Watch 3" zwölf Tage lang mit 47 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer bleiben, weil Salvini ihnen die Anlandung verweigerte. Erst nachdem sich andere europäische Länder zur Aufnahme der Flüchtlinge bereit erklärt hatten, durften die Migranten in Sizilien an Land gehen.

Die EU hat die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer vorerst eingestellt. Immer wieder ertrinken Migranten im Mittelmeer beim Untergang ihrer oft nicht seetüchtigen Boote, die meisten beim Versuch der Überfahrt von Libyen in die EU. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht deshalb von "der tödlichsten Meeresüberquerung der Welt".

Im Video: Rettungsschiff "Sea-Watch" - "Die Situation kann sehr schnell eskalieren"

REUTERS

boj/dpa/AFP

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