Seefahrt
Kapitän setzt Passagiere mitten auf dem Atlantik aus
Die spanische Polizei hat den Kapitän und vier Offiziere eines Tiefkühlfrachters festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, vier blinde Passagiere aus dem Senegal auf hoher See einfach ausgesetzt und damit dem Tode ausgeliefert zu haben.
La Coruña - Die spanischen Behörden teilten mit, Matrosen des Tiefkühlfrachters hätten den Vorfall nach Einlaufen des Schiffes in den nordwestspanischen Hafen La Coruña einem Hafenmitarbeiter gemeldet. Deren Angaben zufolge habe der aus Südkorea stammende Kapitän die vier Afrikaner vor einer Woche rund 2000 Kilometer vor den Kanarischen Inseln in einem Rettungsfloß mitten auf dem Atlantik ausgesetzt. Einzige Überlebenschance der Männer sei es, von einem anderen Schiff entdeckt und aufgenommen zu werden, hieß es.
Die unter panamaischer Flagge fahrende "Wisteria" war mit einer Ladung tiefgekühltem Thunfisch von Dakar in Senegal nach La Coruña unterwegs. Der Kapitän und die Offiziere stammen aus Südkorea, die 14 Matrosen aus China. Die "Wisteria" war nach Presseberichten schon einmal in die Schlagzeilen geraten, weil der Schiffsführer die Besatzung bei einer Fahrt durch den Panama-Kanal gezwungen haben soll, Meerwasser zu trinken, während er das Trinkwasser für sich und seinen Hund reservierte.
Die Polizei schließt daher auch nicht aus, dass der Vorfall vor den Kanaren eine Erfindung war, um sich an dem Kapitän zu rächen. Nach geltendem Recht muss sich die Reederei um blinde Passagiere kümmern und deren Heimkehr bezahlen. In Spanien droht dem Reeder eine Strafe von bis zu 180.000 Euro, wenn blinde Passagiere von einem Schiff an Land gelangen und von der Polizei überrascht werden.
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