Petersplatz Papst spendet Segen "Urbi et Orbi"

Papst Franziskus hat zu Frieden in Syrien und Afrika aufgerufen. In seiner ersten Weihnachtsbotschaft vor dem Petersdom in Rom prangerte er das Leid von Millionen Menschen an. Anschließend spendete er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi".


Rom - Papst Franziskus hat am ersten Weihnachtsfeiertag den traditionellen apostolischen Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis - gespendet.

Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verband er den Segen mit einem Weihnachtsgruß und dem Aufruf nach Frieden für die Welt: "Für die Kinder und die alten Menschen, für die Jugendlichen und die Familien, für die Armen und die an den Rand Gedrängten."

Zuvor hatte er zu Frieden in Syrien, Südsudan und Zentralafrika aufgerufen. "Die Kriege zerschlagen und verletzen so viele Leben", sagte der Papst bei seiner Ansprache auf dem Balkon des Petersdoms in Rom. "Zu viele hat in der letzten Zeit der Konflikt in Syrien zerschlagen, indem er Hass und Rache schürt."

Franziskus verurteilte auch den Einsatz von Kindersoldaten und den Menschenhandel, zudem erinnerte er an das Leid verfolgter Christen und Flüchtlinge.

"Gott vergisst niemanden"

Das katholische Kirchenoberhaupt, das nach seiner Wahl im März erstmals die Weihnachtsfeiern im Vatikan leitete, rief die Zehntausenden versammelten Gläubigen dazu auf, für den Frieden zu beten in Syrien, im Südsudan, aber auch in der Zentralafrikanischen Republik, "die oft von den Menschen vergessen wird". Gott aber vergesse niemanden. Er wolle auch Frieden in jenes Land bringen, "das von einer Spirale der Gewalt und des Elends gequält ist, wo viele Menschen ohne Behausung, ohne Wasser und Nahrung, ohne das Existenzminimum, leben", sagte der Papst.

Franziskus erwähnte auch die Konflikte in Nigeria, am Horn von Afrika und im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Er erbat Gottes Segen für das Heilige Land und die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern.

"Gib, dass die Migranten auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben Aufnahme finden. Mögen Tragödien wie die, welche wir in diesem Jahr mit den zahlreichen Toten in Lampedusa erlebt haben, nie wieder geschehen", sagte der Papst weiter. Schließlich bat er um Beistand für das vom "Taifun schwer getroffene philippinische Volk".

Der Papst wünschte allen frohe und gesegnete Weihnachten. Das Oberhaupt der Katholiken sprach von der Mittelloggia des Petersdoms zu der Menge der Gläubigen, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten.

Bischöfe mahnen Menschenrechte

Auch die deutschen Bischöfe haben in ihren Weihnachtsgottesdiensten Werte wie Nächstenliebe, Solidarität und Großmut betont. Gleichzeitig warnten sie davor, Menschenrechte aufzuweichen.

"Wer die Menschenrechte achtet und voller Ehrfurcht dem Leben dient, erfährt die Freude, die das Weihnachtsfest ausstrahlt", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, in Freiburg.

Zollitsch bezog sich auf eine Diskussion im Europaparlament, die ein Recht auf Abtreibung zum Thema hatte. "Dieser Antrag wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Weihnachten sagt uns, dass wir als Christen nicht zusehen können, wenn das Recht auf Leben in sein Gegenteil verkehrt wird."

Auch der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sieht die Würde des Menschen auf vielfache Weise bedroht. "Unsere Kirche ist verpflichtet, sich für das Recht jedes Menschen auf Leben, von der Empfängnis bis zum Tode, starkzumachen", mahnte der katholische Geistliche. "Mir machen der Pragmatismus und Populismus große Sorge, mit dem in unserer Gesellschaft, in Medien, Wissenschaft und Politik insbesondere das menschliche Leben an seinem Anfang wie an seinem Ende in Frage und zur Disposition gestellt wird."

"Größe zeigt sich im Verzeihen"

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann rief in seiner Weihnachtspredigt zum Geben und Verzeihen auf. "Groß ist man zum Beispiel nicht einfach durch Macht, Glanz und Überheblichkeit, schon gar nicht durch Gewalt", sagte Lehmann im Mainzer Dom. Die Größe Gottes zeige sich auch im Verzeihen - dies offenbare sich an Weihnachten. Der von Gott empfangene Reichtum solle weiterverschenkt werden.

Lehmann ging indirekt auch auf den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ein, dem Prunksucht vorgeworfen wird. "Der Unmut und die Enttäuschung über Ereignisse in der Kirche, besonders auch in unserem Nachbarbistum Limburg, darf nicht dazu führen, dass wir die Hilfe für die Armen in Afrika, Asien und Lateinamerika aufkündigen", betonte Lehmann.

Der Landesbischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, forderte im Lübecker Dom einen Stopp von Waffenexporten aus Deutschland. Ist der Verkauf einer Waffe an vermeintlich sichere Bündnispartner oder sogenannte strategische Partner einmal vollzogen, ende die Kontrolle darüber. Von diesem Moment an sei unklar, ob die Waffe tatsächlich dem Frieden dient oder nicht. "Ein Dilemma, das beendet werden muss durch einen Stopp der Waffenexporte."

Wie schon am Heiligen Abend mahnten mehrere Bischöfe mehr Solidarität mit Flüchtlingen und Asylbewerbern an. "Endloses Leid kennzeichnet unsere heutige Welt", beklagte der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm rief zu mehr Verantwortungsbewusstsein in der gesamten Gesellschaft auf.

cpa/dpa

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nickleby 25.12.2013
1. Moderne Welt
Verteidigungswaffen an sichere Partner und Bündnispartner zu verkaufen, ist ein humanitärer Akt der Selbstverteidigung gegen die mögliche Terrorangriffe übelwollender Staaten oder Menschengruppen. Flüchtlingen und Asylsuchenden zu helfen, ist richtig solange man nicht sein eigenes Gemeinwesen in gesellschaftliche Konflikte stürzt. In Deutschland scheint mir die Grenze des Zumutbaren (fast) erreicht zu sein.
KingTut 25.12.2013
2. Frohe Botschaft
Zitat von sysopAFPPapst Franziskus hat in einem flammenden Appell zu Frieden in Syrien und Afrika aufgerufen. In seiner ersten Weihnachtsbotschaft prangerte er das Leid von Millionen Menschen an, bevor er den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" spendete. http://www.spiegel.de/panorama/segen-vom-petersdom-papst-spendet-urbi-et-orbi-a-940828.html
Mögen die Worte des Papstes dazu beitragen, Hass und Gewalt auf dieser Welt zu überwinden. Wir feiern in diesen Tagen die Geburt des Heilands, der uns durch sein Wirken den Weg dazu aufgezeigt hat. Man muss seine Frohe Botschaft nur hören (wollen) und entsprechend handeln.
freierchrist 25.12.2013
3. Oh, ihr Heuchler
Beide Kirchen horten Reichtum. Die Kirchenvertreter erhalten hohe Gehälter, obwohl Jesus in Matthäus 10, Vers 8 sagte: "Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch" Von den Namenschristen wird der moderne Ablaß einbehalten, der sich heutzutage Kirchensteuer nennt, obwohl Paulus im 2. Kor. 2, 17 davor warnte, mit dem Wort Gottes Geschäfte zu machen. Worte des Paulus: "Wir sind ja nicht wie die vielen, die mit dem Wort Gottes Geschäfte machen; sondern wie man aus Lauterkeit und aus Gott reden muss, so reden wir vor Gott in Christus." Martin Luther schrieb einmal: "Für Heucheleie gibt´s Geld genug, Wahrheit geht betteln". Wir selbst haben im schlimmsten Leid, nachdem uns unsere Tochter auf gewaltsame Weise genommen wurde, um Hilfe geschrieen und wurden von unserer ev. Kirche alleine gelassen. Zutiefst schockiert waren wir als wir bei einem Vortrag eines damaligen Theologieprof. und heutigen Landesbischofs von Bayern, Bedford-Strohm, zum Thema: "Was wird nach dem Tode sein ?" von diesem Klugen und Weisen hörten, "...dass Gott nach dem Tod alles mit seiner Liebe zudecken wird, und Täter und Opfer dann eins sein werden". Nach solchen Worten brauchen wir uns über Kinderschändung von Kirchenvertretern, über Prunksucht eines Tebartz van Elst und eine betrunkene Bischöfin Käßmann nicht zu wundern, denn heute wird so gepredigt, wie es in den Bierzelten gesungen wird: "Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind". Was zählen da noch die Worte Gottes aus der Bibel, von einem gerechten Gericht - nach dem Tod - und eine Trennung danach von Gut und Böse. Gottes Worte aus der Bibel: "Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, sei es gut oder böse." Prediger 12,14 ..und..: Er wird einem jeden vergelten nach seinen Taten. Römer 2,6 - Paulus sah dies unselige, unchristliche Treiben der heutigen Kirchenvertreter voraus, denn er schrieb im 2. Tim.4,Verse 3 und 4: "Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren." Die heutigen Kirchenvertreter haben den christlichen Glauben verkauft, für das Trachten nach Ehre, Macht und Reichtum. Gottes Worte aus der Bibel zählen nichts mehr, es geht nur noch um den Erhalt der Institution Kirche und um die Sicherung der hohen Gehälter, so wie es in der Bibel 2. Petrus 2, Vers 3 zu lesen ist: "Und aus Habsucht werden sie euch mit erdichteten Worten zu gewinnen suchen. Das Gericht über sie bereitet sich seit langem vor, und ihr Verderben schläft nicht."
Modest 25.12.2013
4. Unvorstellbar
Über 2000 Jahre wird das Evangelium gelehrt, gepredigt und immer noch scharrteiner die Kufen, so mitten unter uns Menschen. Was soll man eigentlich noch sagen, wenn schon soviel gelehrt wurde und keiner hört mehr richtig zu. Papst Benedikt XVI. hatte viel von dem was nun Fanziskus I. schon zum Ausdruck gebracht, nur mit dem kleinen Unterschied, dass man ihm nicht zu hören wollte. Jetzt hat die Kirche auf Umkehr gestellt und behält immer noch die Oberhand über den Glauben und das ist für die Menschen entscheident: Was glaube ich, wie glaube ich, und an wen glaube ich. Wer glaubt jetzt nun noch an Gotteswillen, wenn der Mensch seine Kirche selbst schnitzen will?
neanderspezi 25.12.2013
5. Irgendwann wird dieser traditionsreiche Segen "Urbi et Orbi" seine Wirkung tun
Gebete zu Weihnachten und zu anderen kirchlichen Festtagen sind ungeheuer erhebend und lassen Friedenshoffnungen weltweit aufkeimen, dass es geradezu verwirrend ist, keine unmittelbar nachfolgende globale Friedensbewegung wahrnehmen zu können. Der volle warme Schwall an Worten bezüglich Nächsten- und Fernstenliebe, unterstützt von der Aufforderung mittels Gebet der Menschheit Hilfe angedeihen zu lassen, Krieg, Terror und Tragödien aller Art mit Gottes Hilfe zu bannen, den Notleidenden und ihrer Heimat Beraubten mit segenspendenden Worten beizustehen, ihnen die Waffen mit denen sie aufeinander los gehen wohlwollend aus der Hand zu nehmen, Hilfsgelder von ihren lokalen Kriegsherren nicht in Waffenkäufe anlegen zu lassen, der Korruption gelegentlich zu entsagen, ja selbst die Herstellung von Waffen als Handwerk mit tödlicher Wirkung in Frage zu stellen, hat zu solchen christlichen Anlässen medienweit Hochkonjunktur und hilft zweifellos die Menschheit, wie schon so oft und immer wieder bis zum nächsten Mal, eine Idee friedfertiger und hilfsbereiter werden zu lassen.
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