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Papst-Zeremonie: Jubel, Trubel, Seligkeit

Foto: STEFANO RELLANDINI/ REUTERS

Seligsprechung von Johannes Paul II. Santo? Subito!

Abkürzung zur Anbetung: Der frühere Papst Johannes Paul II. ist bei einer feierlichen Messe in Rom seliggesprochen worden - im schnellsten Verfahren der jüngeren Kirchengeschichte. Die Pilgerfreude kennt kaum Grenzen. Fehlt nur noch die flinke Heiligsprechung.

Rom - Es war eine Show ganz nach dem Geschmack der zahllosen Religionstouristen - freudige Erwartung, Spiritualität, Jubelrufe und Tränen der Rührung, alles inklusive. Bei einer Zeremonie auf dem Petersplatz ist am Sonntag der frühere Papst Johannes Paul II. offiziell seliggesprochen worden. Mehr als eine Million katholische Pilger versammelten sich dazu im Zentrum von Rom, um die Zeremonie auf dem Petersplatz zu verfolgen.

Papst Benedikt XVI. erschien zu der von ihm geleiteten Messe in einem Gewand von Johannes Paul II. Als ein riesiges Foto mit dem huldvoll lächelnden Polen über dem Balkon des Petersdoms enthüllt wurde, gab es kein Halten mehr. Tosender Applaus brandete auf, ein großer Chor stimmte einen von Johannes Paul II. geschätzten Choral an. "Er war ein wunderbarer Mann. Es ist ein Privileg, hier zu sein", jubelte die 48-jährige Anne Honiball aus dem britischen Worthing. Sie schwenkte eine kleine britische Nationalflagge. "Wir haben die königliche Hochzeit verpasst, aber wir sind Katholiken und das hier war ein bisschen wichtiger", sagte sie.

In gewisser Weise erinnerte die Szenerie an jene Tage, in denen Johannes Paul II. im Sterben lag. Damals hatten sich rund drei Millionen Gläubige zu einer mehrtägigen Nachtwache vor seiner Residenz versammelt, um dem Oberhaupt ihrer Kirche in seinen letzten Stunden beizustehen. Bei der Beerdigungsfeier am 8. April 2005 hatten zahlreiche Gläubige dann gefordert: "Santo subito" ("Sofort heiligsprechen").

Diesem Wunsch ist Papst Benedikt XVI. schnell nachgekommen. Bei der Begräbnisfeier sei bereits der "Duft seiner Heiligkeit" zu spüren gewesen, sagte er nun bei seiner Predigt. Deshalb habe er gewollt, dass der Prozess der Seligsprechung seines Vorgängers zwar vorschriftsmäßig, aber "ziemlich rasch" vorangehen konnte. Schon bald könnte nun die Frage der Heiligsprechung des Ex-Kirchenoberhaupts aufkommen.

Die Stimmung in Rom war zumindest angemessen euphorisch: Während über Lautsprecher Auszüge aus Predigten Johannes Paul II. verlesen wurden, saßen Nonnen singend im Kreis zusammen. Junge Pilger aus Polen, Frankreich, Großbritannien und Argentinien schwenkten begeistert ihre Fahnen. "Er hat die ganze Welt bereist", sagte der Bischof der malischen Hauptstadt Bamako, Jean Zerbo, über Johannes Paul II. Er war eigens nach Rom gefahren, um bei der Zeremonie dabei zu sein. "Heute kommen wir zu ihm."

Unter den Hunderttausenden Menschen, die sich auf dem Petersplatz und in den umliegenden Straßen versammelt haben, waren auch der spanische Kronprinz Felipe und Prinzessin Letizia sowie der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Auch der frühere polnische Gewerkschaftsführer Lech Walesa war vor Ort - und der umstrittene simbabwische Diktator Robert Mugabe, der eigentlich ein Einreiseverbot in die EU hat.

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Johannes Paul II.: Der eilige Vater

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Vor allem bei den polnischen Pilgern war die Freude groß: "Ich bin sehr stolz auf Johannes Paul II.", erklärte die 21-jährige Polin Alice Wirwicka. Sie hatte eine 17-stündige Busfahrt auf sich genommen, um bei der Seligsprechung jenes Mannes dabei zu sein, der in ihrer Heimat wie ein Nationalheiliger verehrt wird. "Dieser beispielhafte Sohn der polnischen Nation hat den Christen auf der ganzen Welt geholfen, keine Angst zu haben, sich Christen zu nennen, zur Kirche zu gehören und vom Evangelium zu sprechen", pries Papst Benedikt XVI. in seiner Predigt.

Unter den Pilgern wurden jedoch auch einige nachdenkliche Stimmen laut. Der in Rekordzeit durchlaufene Seligsprechungsprozess war im Vorfeld mehrfach kritisiert worden. Traditionell liegen fünf Jahre zwischen dem Tod eines Anwärters und der Einleitung des Verfahrens. Benedikt ordnete den Schritt jedoch nur wenige Wochen nach dem Tod seines Vorgängers an. "Heute ist der erwartete Tag gekommen", rief Benedikt den Massen auf dem Petersplatz zu, "er ist schnell gekommen, weil es dem Herrn so gefallen hat."

"Ich hoffe, dass er nichts von den Pädophilen wusste"

Im Januar hatte der Vatikan den Weg für die Seligsprechung freigemacht, indem er die angebliche Wunderheilung Johannes Pauls II. an der französischen Nonne Marie Simon-Pierre anerkannte. Sie litt wie er an Parkinson. Die Nonne nahm nun prominent an der Messe vor dem Petersdom teil. "Er hat die Gesellschaft, die Kultur, die Bereiche der Politik und der Wirtschaft für Christus geöffnet", so Benedikt. Carol Wojtyla habe mit der Kraft eines Riesen daran gewirkt, "uns die Kraft wiederzugeben, an Christus zu glauben".

Nicht jeder katholische Christ findet ähnlich hymnische Worte: Dass ein Großteil der Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche und die versuchte Vertuschung der Verbrechen gerade während der 27-jährigen Amtszeit Johannes Paul II. bekannt wurden, lässt manche die Seligsprechung kritisch sehen. So werde mit der schnellen Seligsprechung nur "noch mehr Salz in die Wunden" der Opfer gestreut, erklärte etwa der in den USA ansässige Opferverband "Netzwerk für von Priestern misshandelte Menschen".

"Ich hoffe, dass er nichts von den Pädophilen wusste", sagt die spanische Nonne Luisa Garcia. "Wenn er davon wusste, war das ein Fehler. Aber niemand ist perfekt, nur Gott." Zumindest habe die Kirche als Konsequenz aus den Skandalen gelernt, dass "die Würde einer Person, insbesondere die eines Kindes, wichtiger ist als das Image der Kirche".

Für eine Heiligsprechung von Johannes Paul II. bedarf es eines weiteren angeblichen Wunders. Der Vatikan hat bereits andeutet, dass es bald so weit sein könnte.

chs/dapd/dpa
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