Seltsame US-Symbolik "Ormanda" ist deutsch und bedeutet so viel wie...

Ein kleiner Akt sorgt für große Verwirrung: Zum G-8-Gipfel in Georgia tauften US-Schüler acht Meeresschildkröten zu Ehren der Teilnehmernationen auf landestypische Namen. Und so wurde Deutschlands Schildkröte "Ormanda" genannt. Was das bedeuten soll, können allerdings nicht einmal Sprachwissenschaftler erklären.

Sea Island/ Hamburg - Nichts geht über ein schönes symbolisches Geschenk. Ein Baum beispielsweise, der wächst, hat Bestand und drückt Stärke aus. Auch eine Meeresschildkröte ist ein schönes Symbol. Sie kann - wenn sie nicht gefressen wird - bis zu einem Meter lang, Dutzende Jahre alt und bis zu 165 Kilogramm schwer werden. Die Gattung "Caretta caretta" (unechte Karettschildkröte) gehört zu den größten Vertretern der Meeresschildkröten, laut der aktuellen Roten Liste sind diese Tiere vom Aussterben bedroht und streng geschützt - und kommen am Strand des US-Bundesstaates Georgia vor, wo das G-8-Treffen stattfindet.

Georgia ist so stolz auf seine seltenen Meeresbewohner, dass jetzt acht Exemplare zu Ehren der Gipfelländer von Schulkindern getauft wurden: So heißt die italienische Schildkröte "Belissima", die Schönste, die französische "Bon Jour", Guter Tag. "Tea Cake", Teegebäck, ist der Name des britischen Reptils und "Cherokee Rose" wurde die US-Vertreterin getauft - nach einer Legende und der offiziellen Blume des Bundesstaates Georgia.

Einen ausgesucht schönen Namen bekam auch die Schildkröte der Bundesrepublik: Sie heißt jetzt "Ormanda" - das sei deutsch und bedeute so viel wie "aus dem Meer", belehrte das Büro von Georgias Gouverneur Sonny Perdue. Der Name sei aus 1200 Vorschlägen ausgewählt worden und stamme aus der 2. Klasse der Kennesaw-Grundschule.

Dumm nur, dass Deutsch nicht auf dem Lehrplan der Schüler steht. Denn "Ormanda" mag ein hübscher Name sein, der sogar als Mädchenname auf US-Internetseiten wie "babynamesworld.com" auftaucht. Deutsch ist der Name aber nach Angaben der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden nicht. "Die Recherche in großen deutschen Lexika hat nichts ergeben", sagte Lutz Kuntzsch, selbst promovierter Sprachwissenschaftler, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Möglicherweise handele es sich um einen Übertragungsfehler, so vermutet Kuntzsch. Ein beliebter Name für Schildkröten sei Amanda, das komme von einer Kinderfigur. "Aber lassen Sie mal einen Amerikaner Amanda sagen, dann könnte durchaus Ormanda daraus werden." Auch eine Verbindung zum Meer konnte Kuntzsch nicht finden. "Amanda kommt eindeutig von Amandus, 'der zu Liebende'", also aus dem Lateinischen.

Eine andere Spur führt in die Türkei: Nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin ist "Ormanda" ein türkisches Wort. "Orman heißt Wald, Ormanda bedeutet dann 'im Wald'", bestätigte eine Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Auf der Internetseite www.seaturtle.org , wo die Bewegungen der mit Peilsendern ausgestattenen Panzertiere nachverfolgt werden können, ist von der deutschen Schildkröte nichts zu sehen. Möglicherweise hat sich "Ormanda" inzwischen ja in Richtung Türkei davon gemacht.