Serienmörder Lebenslang für den "Würger von Riga"

Es war die größte Mordserie der vergangenen 25 Jahre in Europa: In Lettland ist ein Mann für den Mord an mindestens 13 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er sei voll schuldfähig, stellten die Richter bei der Urteilsverkündung fest.


Kaspars Petrows bei der heutigen Urteilsverkündung im Bezirksgericht Riga
DPA

Kaspars Petrows bei der heutigen Urteilsverkündung im Bezirksgericht Riga

Riga - Der Verurteilte hatte sich im Winter 2002/2003 als Gasmann verkleidet Zugang zu Wohnungen von allein stehenden älteren Menschen verschafft, diese ausgeraubt und dann erwürgt oder erdrosselt. "Er kam, klingelte und killte", resümierte die Zeitung "Neatkariga Rita Avize", die den Serientäter bereits als "Würger von Riga" der Öffentlichkeit vorgeführt hatte.

Er habe an Wohnungstüren geklingelt und sei unter dem Vorwand, den Gaszähler ablesen zu wollen, bereitwillig eingelassen worden, hatte Kaspars Petrows vor Gericht erklärt. Dann habe er Bargeld und Wertsachen an sich genommen. Wehrten sich die Opfer, tötete er sie. Die Bilanz der Staatsanwaltschaft: 38 Tote, 8 versuchte Morde, kleinere Diebesbeuten zwischen umgerechnet 113 und 5641 Euro.

Ein psychologisches Gutachten hatte den Angeklagten, der einige der Taten zugab, als "voll schuldfähig" eingestuft. Zwar hatte Petrows bekannt, auf der Suche nach Geld gewesen zu sein. Er beteuerte jedoch, dass die Opfer noch am Leben gewesen seien, als er sie verließ.

Während die Anklagevertretung auf lebenslänglich plädiert hatte, führte die Verteidigung das Teilgeständnis sowie Ermittlungsfehler als mildernde Umstände an und wollte ihren Mandanten nur für 20 Jahre im Gefängnis sehen. Während des Verfahrens waren Fehler von Polizei und Ärzten bekannt geworden. Die Mediziner hatten demnach offenbar falsche Totenscheine ausgestellt. Angehörige der Opfer, die seit Prozessbeginn im Februar unter den Beobachtern saßen, forderten die Todesstrafe, obwohl das EU-Mitglied Lettland diese abgeschafft hat.

Der Verurteilte kommt Gerichtsangaben zufolge aus einem instabilen sozialen Umfeld. Zwar schloss er die Hauptschule ab, hatte aber keine Ausbildung und galt als das ungeliebte Kind einer Problemfamilie. Im Frühwinter 2002 hatte Petrows laut Anklagevertretung begonnen, sich als Gasmann zu verkleiden und alte Menschen, meist Frauen, auszurauben und zu töten.

Eher zufällig war ihm die lettische Polizei schließlich auf die Spur gekommen. Als Petrows am 3. Februar 2003 festgenommen wurde, wurde er nur eines Mordes verdächtigt. Dann aber hatte er ausgepackt.



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