Sesamstraßen-Vogel Bibo antwortet Romney

Es ist der meistbeachtete Nebenschauplatz des US-Präsidentschaftswahlkampfs: Die Konfrontation zwischen dem Sesamstraßen-Urgestein Bibo und dem Republikaner Mitt Romney. Nun antwortete der Vogel auf den Herausforderer, der seinen Job in Frage gestellt hatte.
Bibo: "Wer mag Köder? Die Fische"

Bibo: "Wer mag Köder? Die Fische"

Foto: Matt Sayles/ AP

New York - Die Comedy-Sendung "Saturday Night Live" ("SNL") ist in den USA eine Institution, eine Art satirischer Wochenrückblick mit Pseudo-Nachrichtenelementen. Sie ist die Kaderschmiede der Branchengrößen, von John Belushi und Dan Ackroyd bis hin zu Tina Fey und Sarah Silverman. Man könnte sagen, "Saturday Night Live" ist für Erwachsene, was die "Sesamstraße" für Kinder ist. Nur folgerichtig also, dass sich Sesamstraßen-Senior Big Bird "SNL" aussuchte , um auf einen Kommentar des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zu antworten. Romney hatte es gewagt, öffentlich Big Birds Arbeitsplatz in Frage zu stellen.

Big Bird taucht unter dem Namen Bibo gelegentlich auch in der deutschen "Sesamstraße" auf, in den USA ist er eine Institution. Er hat seinen eigenen Kinofilm und einen Stern auf dem "Walk of Fame" in Hollywood. Der sprechende Vogel ist knapp 2,50 Meter groß und in der US-"Sesamstraße" bereits seit 1969 im Einsatz. Da war Mitt Romney schon 22 Jahre alt, also vermutlich eher kein regelmäßiger Zuschauer der Kindersendung mehr. Dennoch behauptete Romney, er möge Big Bird, als er am vergangenen Mittwochabend in der ersten großen TV-Debatte gegen Amtsinhaber Barack Obama antrat.

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TV-Duell-Spott: Romney und der Zorn der Bibo-Fans

Foto: MARK LENNIHAN/ AP

Das wenig glaubwürdige Bekenntnis zum gelben Vogel hatte einen drohenden Unterton, denn Romney kündigte im gleichen Atemzug an, er würde die Mittel für Bibos Muttersender PBS zusammenstreichen, sollte er das Amt des US-Präsidenten erringen. "Ich mag PBS, ich mag Big Bird", sagte Romney, aber er werde für solche Dinge künftig "kein Geld mehr in China leihen".

Die Folge war ein Social-Media-Sturm. In teils erbosten, teils belustigten Tweets, Collagen und Videos wurde Romney verhöhnt, viele forderten eine Jobgarantie für Big Bird. Die Reaktion war so heftig, dass Romney kurz darauf sogar öffentlich erklärte, er wolle Big Bird doch gar nicht umbringen, nur den subventionsfinanzierten Sender PBS dazu bringen, Werbespots zu zeigen, "um Big Bird zu finanzieren".

Bei "SNL" wurde dem Vogel nun die Gelegenheit gegeben, selbst Stellung zu beziehen. Es sei ihm unangenehm, jetzt plötzlich so berühmt zu sein, behauptete Big Bird, er könne kaum noch unbeobachtet die Straße entlanggehen "wie ein ganz normaler zweieinhalb Meter großer sprechender Vogel".

Eine politische Stellungnahme per se wolle er nicht abgeben, erklärte er, und begründete das mit einem unübersetzbaren Kalauer darüber, keine "Federn zerraufen" zu wollen. Er habe aber einen politischen Witz über TV-Debatten mitgebracht.

Den wiederum konnte man durchaus auch als subtilen Kommentar dazu verstehen, dass Romney sich hatte verleiten lassen, eine amerikanische Institution in Frage zu stellen: "Who likes de-bates? De-fishes." - Wer mag Köder? Die Fische.

cis
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