Setlur-Fotos "So hatten wir uns das nicht vorgestellt"

Sabrina Setlur bleibt dabei: Sie wollte nicht, dass diese Nacktfotos je veröffentlicht werden, die vorgestern in der Zeitschrift "Max" erschienen. Doch wie kam es dazu?

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Will nicht nackt in die Presse, zumindest nicht in "Max": Sabrina Setlur
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Will nicht nackt in die Presse, zumindest nicht in "Max": Sabrina Setlur

Hamburg - Für die Zeitung "Max" sollte es der erste große Scoop werden. Denn Nacktfotos von der Rapperin Sabrina Setlur machen Auflage. Erst recht, seit sie die Freundin von Boris Becker ist. Und so war man hocherfreut am Hamburger Mittelweg, als vor einigen Tagen der Fotograf Gerd Simon bei der "Max"-Chefredaktion erschien und die blaugetönten Fotos von Sabrina ohne Hüllen anbot. "Wer die abgelehnt hätte, wäre ein Idiot", sagte ein Mitarbeiter aus dem Milchstraßen-Verlag, der "Max" herausgibt.

Um diese Fotostrecke ist nun ein handfester Streit zwischen dem Setlur-Manager Thomas Hofmann und den "Max"-Juristen ausgebrochen. Aus Rödelheim wird scharf geschossen: "Wir haben diese Fotos nicht autorisiert und damit ist eine Millionen-Strafe für "Max" fällig", sagte Hofmann zu SPIEGEL ONLINE.

Nach Angaben von Hofmann wurden die Fotos vor etwa zwei Jahren auf Ibiza eigens für "Max" hergestellt. "Es gab damals einen eindeutigen Vertrag zwischen uns, dass wir die Fotos erst sehen und dann unser Okay geben", behauptet der Manager. "Sabrina haben die Fotos aber nicht gefallen und deshalb haben wir abgesagt", sagte Hofmann.

Manager will 30.000 Mark Ausfallhonorar bezahlt haben

Zum Beleg verweist der Manager auf alte Verträge. "Alles steht hier eindeutig drin", sagt er. Außerdem habe er persönlich "Max" wegen der entstandenen Unkosten für das Foto-Shooting noch 30.000 Mark überwiesen. "Damit war die Sache für uns erledigt." Stimmen die Angaben von Hofmann, könnte der vermeintliche Erfolg für "Max" zu einem finanziellen Fiasko werden.

Bei "Max" jedoch ist von den Verträgen und dem Fotoauftrag bisher nichts bekannt. Die Redaktionsleitung zeigte sich am Freitag überrascht von den Vorwürfen. "Wir haben die Bilder von dem Fotografen in den vergangenen Wochen bekommen", sagte der stellvertretende Chefredakteur Rainer Schmidt zu SPIEGEL ONLINE. Dabei sei aber keine Rede von einem alten "Max"-Auftrag gewesen.

Der Fotograf habe versichert, die Rechte der Bilder lägen bei ihm, und mit Sabrina Setlur sei dies geklärt. Auch auf ihn könnte reichlich Ärger zukommen, vor allem von der "Max"-Chefredaktion. Am Freitag jedoch schlugen alle Anrufe fehl. Offenbar halte sich Gerd Simon momentan im Urlaub auf, hieß es aus der Redaktion.

Wusste Redaktion nichts von den alten Verträgen?

Bei "Max" wurden die Rechte und ein alter Auftrag demnach auch nicht geprüft. Von dem alten Vertrag konnte in der Redaktion auch kaum jemand etwas wissen. Erst vor wenigen Monaten hatte der Milchstraße-Chef Dirk Manthey eine komplett neue Chefredaktion inthronisiert, und auch von der alten Redaktion ist kaum ein Redakteur noch im Haus. Deshalb konnte sich an das zwei Jahre zurückliegende Ibiza-Shooting auch niemand erinnern.

Setlur-Manager Hofmann ist das jedoch ziemlich egal. "Wer da so seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, ist für uns nicht entscheidend", sagte er. Gemeinsam mit dem Anwalt des Setlur-Labels 3p will er jetzt gegen "Max" vorgehen. "Frau Setlur wurde erheblich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt", betonte Hofmann.

Der Setlur-Berater könnte sich eine Ersatzzahlung von einer Million Mark vorstellen, sagte er, wollte sich aber auf die Summe nicht genau festlegen. Das sollten die Anwälte klären. "Außerdem planen wir eine Eingabe beim Presserat", setzte er nach. Hofmann betonte, dass die "Max"-Macher die Brisanz der Fotos hätten erkennen müssen. "Das sind ja nun keine Fotos von irgendeiner Party, sondern Nacktfotos, da muss man halt ein bisschen aufpassen."

Anwälte konferieren bereits

Sauer ist er vor allem über die heimliche Art von "Max". "Die haben damit ihre Auflage gepuscht, ohne uns zu kontaktieren, jetzt sollen sie zahlen", tönte der Manager.

Am Freitag trafen sich die Anwälte beider Seiten zum ersten Mal. Man spreche freundlich miteinander, hieß es aus der "Max"-Redaktion. Ergebnisse seien aber noch nicht erzielt worden.

Einen Erfolg zumindest kann "Max" verbuchen. Zum ersten Mal nach der Neukonzeption des Heftes ist die Zeitschrift in aller Munde. "So hatten wir uns das nicht vorgestellt, aber wir werden damit leben müssen", sagte ein Mitarbeiter.



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