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Gestorben Shintaro Ishihara, 89

aus DER SPIEGEL 6/2022
Foto:

imago stock / AFLO / IMAGO

Bevor er sich der Politik zuwandte, war er Romancier. In den Neunzigerjahren stieg Shintaro Ishihara zur bekanntesten rechtskonservativen Stimme Japans auf und wurde zum Gouverneur von Tokio, vergleichbar mit einem Bürgermeister. In dieser Rolle rief er seine Landsleute auf, selbstbewusster zu sein und sich von den USA unabhängig zu machen. Außerdem warb er für die atomare Bewaffnung Japans und die Revision der pazifistischen Verfassung, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Kraft getreten war. 2012 schürte er den Konflikt mit China, als er einer reichen japanischen Familie die auch von Peking beanspruchten Senkaku-Inseln abkaufen wollte. Das provozierte heftige antijapanische Ausschreitungen in China. Dort war er eine Reizfigur, daheim galt er als Mann mit Mumm. In seinen 13 Jahren als Gouverneur verschärfte Ishi­hara in Tokio die Umweltvorgaben, um Emissionen zu senken, und setzte sich für die spätere Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele ein. Doch sexistische und homophobe Kommentare und andere verbale Ent­gleisungen überschatteten seine Leistungen. Seine Landsleute seien der Selbstsucht erlegen, sagte er nach dem Tsunami von 2011, der die Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima auslöste. »Das war eine Strafe des Himmels.« Noch mit 80 Jahren gründete Ishihara die Partei der Sonne, bevor er 2014 von der Politik Abschied nahm. »Ich möchte für den Rest meines Lebens tun, was ich mag«, sagte er, »auch wenn die Leute mich hassen, wenn ich sterbe.« Shintaro Ishihara starb am 1. Februar in Tokio.

kgp
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