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Gestorben Shinzo Abe, 67

aus DER SPIEGEL 29/2022
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Metodi Popow / 360-Berlin

Er hat die japanische Politik der vergangenen Jahrzehnte geprägt wie kaum jemand sonst. Geboren in eine Politikerdynastie hinein wurde der nationalkonservative Shinzo Abe 2006 mit 52 Jahren zum jüngsten Premier Japans nach dem Krieg gewählt. Rasch versuchte er, die Verfassung zu ändern, Artikel 9, in dem das Land sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum Pazifismus bekennt, wollte er reformieren. Den meisten Japanern war das zu radikal, Abes Popularitätswerte sanken, ein Jahr später trat er ab. 2012 gelang ihm das Comeback: Knapp acht Jahre lang hielt er sich als Premierminister, so lange wie kein anderer. Japan verordnete er nach Jahren der Stagnation seine ganz eigene Wirtschaftspolitik, die »Abenomics«: Anleihekäufe und massive Staatsausgaben. Außenpolitisch trieb ihn das Erstarken Chinas um. Immer wieder brachte er eine Ver­fassungsänderung ins Spiel und verlangte vor wenigen Wochen gar die Stationierung amerikanischer Nuklearwaffen. Ein Tabu in Japan, dem bisher einzigen Land, auf das Atombomben fielen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am 8. Juli feuerte ein Attentäter zwei Schüsse auf ihn ab. Shinzo Abe erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen in einem Krankenhaus in Kashihara.

GIE
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