Sibirien Deutsche soll Flugzeugkatastrophe überlebt haben

Unter den Überlebenden des Flugzeugunglücks auf dem Flughafen im sibirischen Irkutsk soll auch eine Deutsche sein. Das Auswärtige Amt prüft entsprechende Meldungen. Der Airbus A310 war über die Landebahn hinausgeschossen und in ein Gebäude gekracht - über 100 Menschen starben.


Moskau – Bei der Bruchlandung eines russischen Passagierflugzeugs auf dem Flughafen der sibirischen Stadt Irkutsk starben heute Morgen mindestens 118 der 200 Menschen an Bord. Nach Angaben des Moskauer Ministeriums für Notfälle kam der Airbus A310 der Fluggesellschaft Sibir mit hoher Geschwindigkeit von der Landebahn ab und prallte in der Nähe einer Siedlung gegen eine einstöckige Wartungshalle am Rande des Flughafens. Die Maschine, die aus Moskau kam, ging in Flammen auf; der vordere Teil der Maschine wurde völlig zerstört.

Abgebrochenes Airbus-Heck: Gegen Wartungshalle am Flughafenrand geprallt
AP

Abgebrochenes Airbus-Heck: Gegen Wartungshalle am Flughafenrand geprallt

Die Löscharbeiten dauerten zwei Stunden; danach begannen die Bergungsarbeiten und Ermittlungen zur Unglücksursache. Die Flugschreiber in den sogenannten Black Boxes wurden sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft in Moskau teilte mit, ihre Ermittlungen konzentrierten sich auf menschliches oder technisches Versagen, von einem Terroranschlag gehe man nicht aus. Der russische Verkehrsminister Igor Lewitin wurde in russischen Medien mit der Einschätzung zitiert, der Airbus sei anscheinend wegen des Zustands der Landebahn nach einem Regenschauer ins Schlittern gekommen und gegen die Wartungshalle geprallt.

"Das Flugzeug ist von der Landebahn abgekommen, es hatte geregnet, die Bahn war nass", sagte Lewitin dem Fernsehsender Rossija. "Wir müssen also die Kupplung und den technischen Zustand des Flugzeugs prüfen." Ein Sprecher der Fluggesellschaft Sibir betonte, der Airbus sei in einem guten Zustand gewesen.

Kinder auf dem Weg in die Ferien am Baikal-See

Es wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch auf bis zu 150 steigen könnte. Amtlichen Angaben zufolge überlebten 57 Insassen verletzt das Unglück, 46 davon wurden mit Verbrennungen und Rauchvergiftungen in Krankenhäuser eingeliefert. Der Rundfunksender Echo Moskau berichtete, sechs Verletzte seien in kritischem Zustand. Eine Stewardess und zehn Passagiere konnten sich über eine Tür im Heck der Unglücksmaschine ins Freie retten und blieben unverletzt.

Unter den Passagieren waren nach Angaben der Fluglinie elf Ausländer. Das Auswärtige Amt prüft inzwischen Meldungen, wonach eine Frau aus Deutschland das Unglück überlebt hat. Am Morgen hatte es entsprechende Meldungen unter Berufung auf das deutsche Generalkonsulat in Nowosibirsk gegeben. Die Frau werde "in stabilem Zustand" in einem Krankenhaus von Irkutsk behandelt, hatte es geheißen. Das Auswärtige Amt in Berlin will diese Meldung noch nicht endgültig bestätigen. Ein Sprecher sagte, dass es "noch keine belastbaren Informationen über die genaue Zahl und Nationalität der Opfer und Verletzen" gebe. Es gebe lediglich "erste, unbestätigte Hinweise darauf, dass auch ein deutscher Staatsangehöriger unter den Verletzten sei". Die deutsche Botschaft in Moskau und das Generalkonsulat in Nowosibirsk bemühten sich um Aufklärung.

Präsident Wladimir Putin kondolierte den Angehörigen der umgekommenen Flugzeuginsassen. An Bord des aus Moskau kommenden Flugzeugs waren viele Kinder, die Ferien am nahe gelegenen Baikal-See machen wollten.

Ein Augenzeuge, Michail Jegerjow, sagte dem russischen Fernsehsender NTW, er habe mit einem Passagier gesprochen, der mit anderen verletzt aus dem Airbus ausstieg: "Er sagte, das Flugzeug sei gelandet, es habe aber nicht gebremst."

Im Juli 2001 war in Irkutsk eine Passagiermaschine vom Typ Tupolew TU 154 verunglückt. Dabei kamen 145 Menschen ums Leben. Zuletzt verunglückte in Russland ein Airbus A320 der armenischen Fluglinie Atmawia. Dabei kamen am 3. Mai im südrussischen Sotschi 113 Menschen ums Leben.

kaz/dpa/AFP/AP



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