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30. Januar 2012, 19:47 Uhr

Sibirisches Hoch "Cooper"

Erste Kältetote in Deutschland

Nach dem Sturz in einen Wassergraben ist eine Frau nahe Berlin gestorben. Vermutlich ist die 55-Jährige erfroren. In Mittel- und Osteuropa sind infolge des Kälteeinbruchs bereits Dutzende Menschen gestorben. Das sibirische Hoch "Cooper" lässt die Temperaturen weiter sinken.

Berlin - Die eisigen Temperaturen in Deutschland haben offenbar ein erstes Todesopfer gefordert. In Brandenburg war in der Nacht zum Sonntag eine 55-jährige Fußgängerin gestorben, nachdem sie in einen Wassergraben gefallen war, wie die Polizei am Montag mitteilte. Ein Jagdpächter habe die Frau auf einem Feldweg zwischen den Orten Velten und Leegebruch bei Oranienburg gefunden. Ein Notarzt habe den Tod festgestellt.

Die Frau war den Angaben zufolge zwischen den beiden Orten vermutlich vom Weg abgekommen und in den Graben gefallen. Daraus konnte sie sich laut Polizei zwar noch aus eigener Kraft retten und noch etwa 150 Meter weit kriechen - dann aber erfror sie vermutlich. Hinweise auf eine Straftat gebe es nicht, die Polizei ermittelt.

Zu Wochenbeginn haben sich in weiten Teilen Deutschlands eisige Temperaturen eingestellt. Das sibirische Hoch "Cooper" sorgte vor allem östlich des Harzes und in der Oberpfalz für klirrenden Frost. So sanken die Temperaturen dort am Montagmorgen auf minus 13 Grad Celsius, wie der Meteorologe Thomas Schumann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) sagte. Am wärmsten sei es mit null Grad am Oberrhein gewesen.

In Sachsen führte der Wintereinbruch zu einem plötzlichen Rückgang der Blutspenden. "Bei Eis und Schnee kommen immer weniger Menschen zur Blut- und Plasmaspende", sagte Knud-Peter Krause, Medizinischer Vorstand des Blutspendedienstes Haema, der allein in Sachsen an zehn Standorten vertreten ist.

"Cooper" lässt die Temperaturen zum Ende der Woche weiter sinken - bis zu minus 17 Grad Celsius. "Dieser Wert wird spätestens in der Nacht zum Freitag erwartet", sagte Meteorologe Karsten Kürbis vom privaten Wetterdienst MeteoGroup Deutschland. Auch am Tage kämen die Temperaturen trotz strahlenden Sonnenscheins nicht über minus sechs Grad hinaus. "Wegen eisigen Ostwinds besteht die Gefahr von Erfrierungen", warnte er und empfahl das Tragen von Schals und Mützen. Zudem werde der Frost tief in den Boden eindringen. "Das kann zu gefrorenen Wasserleitungen führen."

Trotz derzeitiger Kälte - Januar zu mild

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung bereitet sich auf das Zufrieren der Wasserwege vor. Für den Mittelland- und Elbe-Seitenkanal stünden derzeit fünf Eisbrecher in Bereitschaft, sagte eine Sprecherin der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung Mitte in Hannover. Ab Mittwoch soll wegen der weiter sinkenden Temperaturen täglich die Eislage der Wasserwege kontrolliert werden.

Trotz der derzeit sibirischen Kälte war der Januar deutlich zu mild. Die Durchschnittstemperatur habe in Deutschland 1,9 Grad Celsius betragen, was für Januar 2,4 Grad zu warm sei, teilte der DWD mit. Mit 55 Sonnenstunden habe es 25 Prozent mehr gegeben als für die Jahreszeit üblich. Doch auf den milden Januar folgt ein eiskalter Februar. Mit der anrückenden Kältewelle wird es in diesem Winter erstmals kälter als normal: "Wir liegen in dieser Woche rund zwölf Grad unter den für diese Jahreszeit üblichen Temperaturen", sagte Meteorologe Kürbis.

In Mittel- und Osteuropa sind infolge des Kälteeinbruchs Dutzende Menschen erfroren. Allein die ukrainischen Behörden meldeten am Montag den Tod von 18 zumeist alten oder obdachlosen Menschen, die in den vergangenen vier Tagen an Unterkühlung gestorben sind. Mehr als 20 weitere Menschen kamen in Polen, Litauen, Tschechien, Rumänien, Serbien und Mazedonien ums Leben.

Wegen der klirrenden Kälte verzichten die deutschen Skilangläufer am kommenden Wochenende auf den Weltcup im russischen Rybinsk. "Die Temperaturen liegen dort bei minus 25 bis 30 Grad. Daher treten wir die Reise aus gesundheitlichen Gründen nicht an", sagte Bundestrainer Jochen Behle.

siu/dapd/dpa

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