Sicherheitsmaßnahmen in Heathrow Babymilch muss vor den Augen der Security probiert werden

London Heathrow, der größte europäische Flughafen, versinkt im Chaos. Das Verkehrsministerium reagiert radikal auf den Terroralarm und hat die schärfsten Sicherheitskontrollen der britischen Luftfahrtgeschichte erlassen. Einige Passagiere sind verängstigt, andere entnervt.

London - Das Verkehrsministerium hat strikte Anweisungen erlassen, an die sich alle Fluggäste halten müssen. Dazu gehört, dass Flaschen, Getränke und alle anderen Flüssigkeiten an Bord verboten sind. Nach Angaben der Flughafenbetreibergesellschaft BAA müssen Familien, die Milch oder andere Babynahrung mit ins Flugzeug nehmen wollen, alles vor den Augen von Sicherheitsbeamten probieren. Auch Cremes und Haargel sind tabu.

Hinter grund dieser Maßnahmen: Nach Angaben aus Polizeikreisen hatten die Attentäter vor, die Flugzeuge mit Flüssigchemikalien in die Luft zu sprengen. Am Morgen war bekannt geworden, dass britische Terrorfahnder Anschlagspläne vereitelt haben, denen zufolge Terroristen bis zu 20 Passagiermaschinen auf dem Weg von Großbritannien in die USA sprengen wollten.

Fluggäste dürfen kein mehr Handgepäck mit in den Passagierraum nehmen. Einzige Möglichkeit: Das Allernötigste müssen Passagiere in eine einzelne transparente Plastiktüte stecken. Und auch hier ist der Inhalt strikt reglementiert: Geldbörsen in Hosentaschengröße mit Geld und Kreditkarten sind erlaubt, Handtaschen nicht. Reiseunterlagen, die direkt für den Flug nötig sind, dürfen in die Tüte. Lebenswichtige Medikamente dürfen Fluggäste ebenfalls mitnehmen, aber nur, wenn ein Sicherheitsbeamter nachprüfen konnte, dass es sich um echte Arznei handelt. Brillen sind erlaubt, Etuis und Kontaktlinsenflüssigkeit hingegen nicht. Hygieneartikel und Taschentücher dürfen nur ohne Karton in die Tüte.

Zusätzlich zu den Einschränkungen gilt: Alle Passagiere werden durchsucht, Schuhe und Gürtel werden gesondert geröntgt. Kurz vor Betreten des Flugzeuges werden alle Reisenden ein zweites Mal durchsucht.

Ärger über das MP3-Player-Verbot

Die betroffenen Passagiere reagieren unterschiedlich auf die Maßnahmen. "Ich fliege ohnehin nicht gern, nun habe ich schreckliche Angst", sagte eine junge Frau dem Sender SkyNews, die von Manchester in die USA zu einer Hochzeit unterwegs war. Ein anderer Reisender bemühte sich den Angaben zufolge um Fassung. "Wenn die Terroristen ihr Ziel erreichen, unser Leben zu beeinträchtigen, dann haben sie damit schon gewonnen", zitiert ihn der Sender auf seiner Website. Eine weitere junge Frau ärgerte sich weniger über die Verspätungen als darüber, ihren MP3-Player nicht mit an Bord nehmen zu dürfen. Ein mehr oder weniger starkes Gefühl der Bedrohung allerdings empfinden wohl die meisten. "Hier ist aber so viel Polizei mit Spürhunden unterwegs, ich bin schon ziemlich von den Sicherheitsmaßnahmen überzeugt", berichtet ein Betroffener.

Die Maßnahmen haben schon jetzt zu enormen Verspätungen und gigantischen Warteschlangen geführt, Tausende Passagiere sitzen fest. Ein Sprecher der BAA sagte, wer nicht unbedingt heute fliegen müsse, solle am besten zu Hause bleiben. Fluggäste, die terminlich gebunden sind, sollten sich auf unkalkulierbare Verspätungen einstellen. "Das Chaos wird mit Sicherheit den ganzen Tag andauern", sagte er. Die BAA sei von den extremen Maßnahmen überrascht worden und werde nun in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsministerium das weitere Vorgehen besprechen.

ffr

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