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Gestorben Sidney Poitier, 94

aus DER SPIEGEL 3/2022
Foto:

Universal Image Group / ddp

Der in Miami geborene Schauspieler war einer der ersten Afro-Amerikaner, die in Hollywood Hauptrollen spielten. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als Drehbuchautoren und Regisseure anfingen, sich mit Rassismus zu beschäftigen, wurde er zum ebenbürtigen Partner weißer Stars. In dem Sozialdrama »Die Saat der Gewalt« (1955) verkörperte er einen ebenso aufsässigen wie talentierten Schüler, der erst gegen seinen von Glenn Ford gespielten Lehrer rebelliert, sich dann aber mit ihm verbündet. In »Flucht in Ketten« (1958) stellen Poitier und Tony Curtis zwei flüchtende Strafgefangene dar, die mit einer Kette aneinander gefesselt sind. Poitier gab seinen Figuren Kraft, Würde, Intelligenz und eine gehörige Portion Stolz. Das großartige Duell mit Rod Steiger in dem Krimimalfilm »In der Hitze der Nacht« (1967) hat bis heute kaum etwas von seiner Wirkung verloren. Poitier spielt einen eleganten, gebildeten Ermittler, den es in den Süden der USA verschlägt, wo er auf den von Steiger dargestellten Redneck-Polizeichef trifft – doch gegenseitige Verachtung verwandeln sich mehr und mehr in Respekt. Poitier, der damals schon ein Star war, vermittelte in dieser Rolle ein starkes, bisweilen sogar an Überheblichkeit grenzendes Selbstbewusstsein. Der Pionier Poitier erschloss für afroamerikanische Darsteller in Hollywood neues Terrain. Der Schauspieler gewann im Laufe der Jahre viele Preise, darunter einen Oscar, und war nach dem Ende seiner Filmkarriere zeitweise im diplomatischen Dienst. Sidney Poitier starb am 6. Januar in Los Angeles.

lob
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