Sieges-Pressestimmen "Gerecht, logisch, hochverdient"

"Ruhm für den Besten!" Europas Presse feiert den EM-Sieger, krönt Stürmer Fernando Torres zum neuen "König von Spanien". Mitleid gibt es höchstens für den ewig Unvollendeten der verdienten Verlierer aus Deutschland - Michael Ballack.


Hamburg - Trotz schwingt in der finalen EM-Bilanz von Deutschlands größter Tageszeitung mit: "Wir sind trotzdem stolz auf Euch!" trötet die "Bild"-Zeitung und zeigt dazu einen sehr zerknirschten Bastian Schweinsteiger, der im tiefsten Elend auf dem Rasen sitzt und sein Gesicht abwendet. "Spanien war einfach besser", heißt es weiter, aber: "Ihr seid trotzdem unsere Helden".

"Die Künstler lassen sich nicht überrumpeln", betitelt die "Süddeutsche Zeitung" ihren EM-Aufmacher. "Nach starkem Beginn geht die Orientierung verloren: Deutschland unterliegt Spanien im Finale der Europameisterschaft hochverdient 0:1".

"Deutschland verliert 0:1 - und Ballack bleibt der Unvollendete", trauert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Es sollte nicht sein: Spanien hat das Finale der Fußballeuropameisterschaft für sich entschieden. (...) Die Spanier feierten den zweiten EM-Erfolg nach 1964. Der deutsche Kapitän Michael Ballack dagegen wartet weiter auf seinen großen Titel - daher schmerzten nicht nur Wade und Wunde nach dem Spiel."

"La gloria para el mejor" jubelt dagegen "El Pais" in Spanien: "Ruhm für den Besten!" "El Mundo" verkündet stolz: "España conquista Europa" - "Spanien erobert Europa". Nur ein Tor habe gereicht, um eine "deutlich unterlegene" deutsche Mannschaft zu schlagen.

Übereinstimmend jubeln die spanischen Blätter dem Trainer Luis Aragonés zu - als sein großer Verdienst wird vor allem gelobt, dass er das spanische Team, gar "die spanische Nation geeint" habe.

Im Fußballland England gönnt man den Spaniern den Erfolg offenbar von Herzen - hilfreich dürfte dabei sein, dass die Rot-Gelben die Deutschen geschlagen haben, zu denen der britische Boulevard ein zumindest zwiespältiges Verhältnis kultiviert. "Nach 44 Jahren schmeißt Spanien 'ne Torry-Party", dröhnt es mittels brachialen Wortspiels aus der "Sun" - gemeint ist keine Sause der britischen Konservativen, sondern das Siegtor des spanischen Stürmerstars Fernando Torres, der in der britischen Premier League für den FC Liverpool kickt.

Die "Sun" wirft einen Seitenblick auf Michael Ballack, den Mann, der einfach keinen internationalen Titel gewinnen zu können scheint: Zweimal scheiterte er im Champions-League-Endspiel, nun im EM-Finale. Immerhin habe der deutsche Kapitän seine Sache im Turnier "gut gemacht", wird Coach Joachim Löw zitiert.

"Torres ist der König von Spanien", verkündet die "Daily Mail", und die "Times" tanzt den "Wiener Walzer für Spanien": "Im Endspiel von Wien wurden Geister gebannt, die Geister von Männern in roten Trikots, denen der Schmerz der Niederlage aus den Augen blickt. Männer, die mit großen Hoffnungen zu Turnieren fahren und sie gedemütigt wieder verlassen." Durch den Sieg im EM-Finale sei eine "psychische Barriere" gefallen.

"Die Roten schlagen la Mannschaft", so drückt es die französische "Le Monde" aus. Mit der "sterilen" Überlegenheit der Deutschen sei es nach der ersten Viertelstunde des Spiels vorbei gewesen. Die Cleverness eines Torres habe sich beim 1:0 gegen einen allzu "höflichen" Philipp Lahm durchgesetzt.

Die Presse im EM-Gastgeberland Österreich huldigt dem spanischen Torschützen Fernando Torres: "Spanien ist Europameister - 'El Niño' gefeierter Held", schreibt "Die Presse". "Endlich wurde Spanien seiner Favoritenrolle gerecht", freut sich die "Kronenzeitung" und bilanziert: "Spanien ist nicht nur der hochverdiente, sondern auch der logische Europameister."

Mit bezeichnender Schweizer Sachlichkeit analysiert die Presse in Österreichs Co-Gastgeberland das finale Ergebnis. "Spanien lautet der gerechte Finalsieger der EURO 08 in Österreich und der Schweiz", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung", "und Spanien war auch die beste Mannschaft des Turniers. Sie geht ohne Niederlage als Fußballeuropameister 2008 aus dem Wettbewerb hervor."

pad

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