Silvesternacht 2022 Nur ein dumpfes Böllergrollen

Die Welt begrüßte das neue Jahr zwar schon ausgelassener als noch 2020. Die Stimmung war dennoch verhalten: Weltweit wurden große Silvesterpartys abgesagt, das Knallen vielerorts untersagt. Nur in Berlin konnte man das kaum glauben.
Feuerwerk nur fürs Fernsehen: Die ZDF-Show vor dem Brandenburger Tor fand ohne Publikum statt

Feuerwerk nur fürs Fernsehen: Die ZDF-Show vor dem Brandenburger Tor fand ohne Publikum statt

Foto: Christophe Gateau / dpa

Um kurz nach ein Uhr morgens kam für viele dann wohl doch die endgültige Gewissheit: Ein Höhenfeuerwerk am Brandenburger Tor wird es auch in diesem Jahr nicht geben. Das war zwar zuvor breit in den Medien besprochen und von der Stadt kundgetan worden, dennoch hatten sich nach Angaben der Berliner Polizei zwischenzeitlich »mehrere Tausend« Menschen auf dem Boulevard Unter den Linden versammelt und offensichtlich auf ebendiese Schau gewartet. Einzig die geplante ZDF-Livesendung durfte vor dem Berliner Wahrzeichen stattfinden, allerdings waren hier keinerlei Zuschauer zugelassen. Die Polizei löste die Schaulustigen-Versammlung schließlich nach und nach auf.

Sie war in der Hauptstadt mit einem Großaufgebot von 2500 Kräften im Einsatz, die auch die Brennpunkte im Blick hatten. In vielen anderen Städten in Deutschland wirkten die Straßen aufgrund der Corona-Einschränkungen derweil wie leer gefegt. Dennoch waren trotz des erneuten grundsätzlichen Verkaufsverbots von Feuerwerk vielerorts Böller zu hören und bunte Raketen am Himmel zu sehen. Es kam zu zahlreichen Feuerwerksunfällen mit Verletzten, mitunter sogar Toten.

Auch in London war die große Neujahrsparty aufgrund von Corona abgesagt worden. In Paris fiel das traditionell prachtvolle Feuerwerk am Triumphbogen erneut aus. Stattdessen traten ein Alkoholverbot sowie eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit für die Silvesternacht in Kraft. Dennoch hatte sich am Abend auf den Champs-Élysées eine große Menschenmenge versammelt, teils dicht gedrängt. Einige Pariser zündeten vereinzelt gar Raketen, obwohl der Verkauf von Feuerwerkskörpern fast überall in Frankreich verboten worden war.

In Spanien indes konnte in Madrid die traditionsreichste Party des Landes wieder stattfinden. Trotz der rapide steigenden Corona-Infektionszahlen begrüßten rund 7000 Menschen auf dem Platz Puerta del Sol dichtgedrängt und bei Riesentrubel das neue Jahr. Wegen der Pandemie war die zulässige Teilnehmerzahl um circa 60 Prozent reduziert worden.

Nennenswerte Einschränkungen gab es sonst nicht. »Große Restriktionen bringen nichts«, hatte Madrids Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso dieser Tage wieder betont. Die Lage in den Krankenhäusern sei total unter Kontrolle.

Das würden sie in New York auch gern von sich sagen. Hier allerdings sind die Infektionszahlen und Krankenhauseinweisungen derzeit auf Rekordniveau. Dennoch begrüßte der New Yorker Times Square um sechs Uhr früh deutscher Zeit das Jahr 2022 wieder mit Publikum. Um Mitternacht glitt traditionell ein leuchtender Kristallball an einem Fahnenmast herunter und läutete unter dem Jubel Tausender das neue Jahr ein – der sogenannte Ball Drop.

Das Event auf dem weltberühmten Platz in Manhattan wurde dieses Jahr auf etwa ein Viertel seiner normalen Kapazität begrenzt, nachdem im vergangenen Jahr nur wenige geladene Gäste hatten teilnehmen dürfen. Alle Anwesenden mussten vollständig geimpft sein.

Es regnete Konfetti, und durch die Straßen schallte das Lied »New York, New York«. Normalerweise kommen jedes Jahr rund eine Million Menschen auf den Times Square, die Party gehört zu den größten Silvesterfeiern der Welt. Das Großereignis hat seinen Ursprung in der Eröffnung eines neuen Verlagshauses der »New York Times« im Jahr 1904 – die Zeitung feierte dies damals mit einem Silvesterfeuerwerk.

Selbst im australischen Sydney waren – anders als beim letzten Jahreswechsel – wieder Zehntausende Zuschauer zum Feuerwerk vor der Kulisse des Opernhauses zugelassen. Interessenten mussten im Vorfeld ein Ticket für einen von rund 30 Aussichtspunkten kaufen. Im Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, explodieren wegen der Ausbreitung der Omikron-Variante gerade die Coronazahlen.

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In China sagten derweil mehrere Städte Feuerwerke und größere Festlichkeiten ab, darunter Peking und auch Wuhan, die Stadt, in der Ende 2019 das Coronavirus ausbrach. Silvester ist allerdings für die Chinesen auch kein besonders wichtiger Feiertag – nach ihrem traditionellen Mondkalender beginnt das neue Jahr diesmal erst Anfang Februar.

sbo/dpa