Singapore Airlines Der Schock sitzt tief

Singapore Airlines gelten als eine der sichersten Fluggesellschaften der Welt. Nach dem Unglück von Taipeh bemüht sich das Unternehmen, seinen Ruf zu wahren.


Singapur - Als Singapore-Airlines-Vorstandschef Michael Fam am Mittwoch in aller Frühe vor die Presse trat, schien er die Katastrophe nicht ganz glauben zu wollen. "Das gesamte Unternehmen und ich sind zutiefst schockiert und traurig über diesen tragischen Unfall", sagte der Herr über eine Flotte von mehr als 90 Flugzeugen und über 27.000 Mitarbeiter. Das erste Unglück eines SIA-Jets mit Todesopfern in der 28-jährigen Firmengeschichte lastet schwer auf dem fliegenden Aushängeschild des Stadtstaats.

Eine Boeing 747-400 der Singapore Airlines
REUTERS

Eine Boeing 747-400 der Singapore Airlines

Singapore Airlines mit dem stilisierten Vogel am bronzefarbenen Leitwerk ist eine der ganz großen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten der letzten Jahrzehnte. "Vom Billigflieger zum Nobelcarrier" - so lässt sich in etwa der Aufstieg des Unternehmens fassen. Vor mehr als 50 Jahren fing alles an: mit einer zweimotorigen Airspeed "Consul" und dem Linienflug zwischen Singapur und Penang. Der inzwischen legendäre Bordservice fiel freilich noch bescheidener aus: Eine Kanne Eiswasser für die gerade einmal fünf Passagiere. Damals hieß das Unternehmen noch "Malayan Airways".

Seit 1972, Singapur ist inzwischen selbständiger Staat, gibt es die Gesellschaft in ihrer heutigen Form. 1999 wurden knapp 14 Millionen Passagiere geflogen, fast viermal mal so viel wie Singapur Einwohner hat. Regelmäßig wurde die Fluglinie unter die besten der Welt gewählt. Neben den schönen Stewardessen, die als "Singapore Girls" in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett verewigt wurden, war es auch der hohe Sicherheitsstandard, der SIA zur ertragsstärksten Fluggesellschaft in Asien machte. Für das erste Halbjahr 2000/2001 wartete die Airline mit einer Verdopplung des Reingewinns auf.

Nach der Absturz-Katastrophe von Taipeh setzte das Management alle Hebel in Bewegung, jenen Ruf zu retten, der Singapore Airlines ausmacht: Hinterbliebenen wurden jeweils 25.000 US-Dollar Soforthilfe zugesagt, eine Sondermaschine mit eigenem Betreuungspersonal nach Taiwan geschickt. "Erste Priorität hat die Sorge um die Passagiere und die Besatzung und deren Familien", betonte Vorstandschef Fam. Beobachter schätzten die Informationspolitik über Internet, Hotlines ohne Wartezeiten und Pressekonferenzen als vorbildlich ein.

Frank Brandmaier, dpa



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