Singapur Fünf Jahre Haft für Julia Bohl

Gegen die wegen eines Drogendeliktes in Singapur einsitzende Julia Bohl ist das Urteil ergangen. Die 23-jährige Deutsche muss für fünf Jahre in Haft. Ursprünglich hatte ihr die Todesstrafe gedroht.


Julia Bohl bekannte sich schuldig
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Julia Bohl bekannte sich schuldig

Singapur - Beim Betreten des Gerichtssaals in einem langen blauen Hemd lächelte Bohl ihren Eltern zu. Auch der deutsche Botschafter Hasso Buchrucker und andere Botschaftsangehörigen verfolgten die Sitzung. Die junge Frau verfolgte die mehr als einstündige Urteilsbegründung stehend in Handschellen. Sie sah blass aus, sagten Beobachter. In den drei Hauptanklagepunkten bekannte sie sich schuldig.

Das Gericht sprach Bohl schuldig, in ihrer gemieteten Wohnung Drogenhandel erlaubt, den Tranquilizer Ketamin konsumiert und eine Marihuana-Mischung besessen zu haben. "Es handelte sich nicht nur um eine Drogenart, sondern um eine ganze Reihe", sagte Richterin Valerie Thean. Das Gericht würdigte zwar, dass Julia in der Vergangenheit unbescholten war und Reue zeigte. Doch dadurch dass Julia Drogenhandel in ihrer Wohnung zugelassen habe, habe sie diesem einen sicheren Anlaufpunkt zur Verfügung gestellt.

Bohls Anwalt Subhas Anandan hatte am Freitag um eine nicht zu harte Strafe für seine Mandantin gebeten. Der Anwalt sagte, die Angeklagte sei immer ein guter Mensch gewesen. Der Anklagevertreter verlangte dagegen mit Blick auf den steigenden Drogenkonsum in dem südostasiatischen Stadtstaat eine harte Bestrafung.

Das Schuldbekenntnis solle dem Gericht Entgegenkommen signalisieren, verlautete Ende Mai aus dem Umfeld des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft habe in einer Vorverhandlung zugestimmt, sich neben dem Konsum und Besitz von Rauschgift auf einen dritten Anklagepunkt zu konzentrieren, wonach Bohl Drogenhandel in ihrer Wohnung zugelassen habe, sagte Anandan.

Wolfgang Bohl (li.), Julias Vater. verlässt nach dem Urteilsspruch das Gericht
AP

Wolfgang Bohl (li.), Julias Vater. verlässt nach dem Urteilsspruch das Gericht

Anwalt Anandan sagte nach dem Urteil, gemeinsam mit den Eltern wolle er überlegen, ob er Revision einlegen werde. Nach ihrer Verhaftung Mitte März hatte damals Bohl zunächst die Todesstrafe wegen Drogenhandels in einem schweren Fall gedroht. Wenig später nahm das Gericht diese Anklage zurück, nachdem eine Analyse der in ihrem Umfeld sichergestellten 687 Gramm Cannabis nur 281 Gramm reines Rauschgift enthielten. Erst ab einer Menge von 500 Gramm ist der Tod durch den Strang zwingend vorgeschrieben.



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